Eingeständnis: Fehlende Widerstände in der (Erfolgs-) Statistik war “Versehen”

7. November 2018 um 18:52 Uhr

Eingeständnis: Fehlende Widerstände in der (Erfolgs-) Statistik war "Versehen"Vor knapp einer Woche berichteten wir über eine Statistik über die Arbeit der Kollegen von der Wache am Alexanderplatz in Berlin. Durch den Innensenator wurde die Wache, die vor einem Jahr dort eingerichtet wurde, als Erfolgsgeschichte dargestellt und der Sprecher des Innensenators hatte auf Twitter eine etwas fragwürdige Statistik dazu veröffentlicht.

Nach unserer Berichterstattung nahmen sich auch die Medien dieser statistischen Zahlen an und stellten Fragen. Unangenehme Fragen dürfte es gewesen sein, denn Sprecher Martin Pallgen, von dem die Zahlen ursprünglich kamen, musste kleinlaut zugeben, dass es sich bei den fehlenden Widerständen in der Statistik um ein “Versehen” gehandelt habe. “Sollte es hier zu Missverständnissen gekommen sein, bitte ich das zu entschuldigen”, so Pallgen.

Tatsächlich sei es in den ersten drei Quartalen 2018 nicht zu 0 Widerständen auf dem Alex gekommen, sondern zu 47 tätlichen Angriffen, bei denen Polizisten auch verletzt wurden.

Wir möchten an dieser Stelle mal kurz mutmaßen, was wir sonst eigentlich nicht tun. Da wir aber die Vorgänge hinter diesen Zahlen kennen, erlauben wir es uns einfach mal.

Wenn man bedenkt, durch wie viele Hände dieses Zahlenwerk gegangen ist, bis sie von der Innensenatsverwaltung veröffentlicht und als Erfolgsgeschichte dargestellt wurden, fällt es schwer zu glauben, dass es keinem aufgefallen sein mag, dass dreimal 0 in den Quartalszahlen bei den Widerstandsdelikten ein Ding der Unmöglichkeit sein muss.

Hier stellt sich zwar die Frage, wo genau dieser Fehler geschehen ist, in der Polizeiführung oder der politischen Führung. Wie dem auch sei, da ist wirklich niemandem vor Präsentation der Zahlen aufgefallen, dass diese 0 nicht sein kann und hat mal nachgefragt?

Da werden (verletzte) Polizisten einfach mal vergessen und keinem fällt es auf?

Sprecher Pallgen hatte die Zahlen bei Twitter als Antwort auf einen Tweet von Alexander Fröhlich, Journalist beim Berliner Tagesspiel, gepostet. Fröhlich war der Meinung, dass es sich hier nicht um eine Erfolgsgeschichte handelt, sondern “Oder einfach eine Kriminalitätsverdrängungsgeschichte”, woraufhin Pallgen das Bild mit dem Zahlenwerk, versehen mit dem Zusatz “Für die Meinungsbildung.” gepostet hatte.

Nun, die Meinungsbildung überlassen wir euch, wir für unseren Teil haben uns unsere Meinung bereits gebildet.

Arno Schupp von der Berliner Zeitung hat es in seinem Kommentar zum Thema wie folgt formuliert:

“Und damit wären wir bei einem ganz anderen Problem: bei der Glaubwürdigkeit der Politik. Es beschädigt den politischen Apparat, wenn in einem der Kernbereiche, zu dem die Innere Sicherheit zweifelsohne gehört, Fakten weggelassen oder ausgeblendet werden. In solchen Fällen koppelt sich die politische „Wahrheit“ ab von dem, was die Menschen auf den Straßen sehen und erleben. So sinkt das Vertrauen in die Politik immer weiter. Und das ist ein Drama für die Demokratie.”