Militär als Ideengeber: Polizei Hamburg erhält neue Schutzwesten und darf nun martialischer aussehen

16. November 2018 um 08:54 Uhr

Hamburgs Polizisten im Streifendienst und bei der Bereitschaftspolizei erhalten neue Schutzwesten. Das wurde nun beschlossen und es waren mehrere Gründe die dafür sprachen. Dazu gehören einerseits Erfahrungen aus dem G20-Einsatz und der anhaltenden terroristischen Bedrohung, andererseits gaben auch gesundheitliche Gründe den Anstoß.

So haben die Polizisten bislang fast sämtliche Ausrüstungsgegenstände an der Koppel getragen. Dienstwaffe, Ersatzmagazin, Taschenlampe, Pfefferspray, Teleskopschlagstock, Handschellen und Funkgerät, das alles hat zusammen genommen ein Gewicht, das – egal wo an der Hose angebracht – schwer auf den Hüften lastet und im Streifenwagen zudem auf den Rücken drückt.

Die neuen Schutzwesten sollen das ändern, denn neben den Einlagen für den Schuss- und Stichschutz bekommt die Überziehschutzweste variabel anbringbare Taschen und Reflektoren. So kann jeder Beamte seine Schutzweste individuell gestalten, darin zum Beispiel die Handschellen und das Funkgerät verstauen und die Reflektoren anbringen.

Die neuen Reflektoren können je nach Einsatz ein- oder ausgerollt werden. Dieses flexible System soll den Vorteil haben, dass man bei einer Verkehrsregelung mit ausgerollten Reflektoren, trotz dunkler Uniform, besser sichtbar ist und bei gefährlichen Einsatz diese wieder einrollt, damit man nicht als wandelnde Zielscheibe herum läuft.

Das Grundkonzept soll vom Militär stammen, die das flexible System bereits seit Jahren im Einsatz hat. Auch die Spezialeinsatzkräfte sind schon länger damit ausgestattet und nun soll das System auch bei den Streifenpolizisten Einzug halten.

Bislang sah man diese Art Schutzwesten für nicht notwendig an, doch das hat sich zwischenzeitlich geändert. Dagegen sprach unter anderem, dass die Polizisten damit martialischer aussehen, doch diese Bedenken sind mittlerweile in den Hintergrund getreten. “Wir werden anders aussehen”, macht dann auch der Chef der Schutzpolizei, Hartmut Dudde, klar.

Polizeikommissarin Janine Kindel von der Wache Rahlstedt, die am Trageversuch teilgenommen hat, ist mit den neuen Westen sehr zufrieden. Allerdings: “Gut wäre es, wenn man bei Einführung der neuen Weste noch atmungsaktive Oberbekleidung dazubekommen könnte. Da die Weste, inklusive der schusssicheren Einlage, jetzt über der Kleidung getragen wird, schwitzt man sehr schnell”, gibt sie zu bedenken.

Neue Oberbekleidung wird bereits seit Jahren geprüft, doch zu einem Ergebnis ist man bislang nicht gekommen.

Auch die Bereitschaftspolizei Hamburgs wird 1.000 neue Schutzwesten erhalten. Die finanziellen Mittel dazu, wie auch zum Ersatz der vier in die Jahre gekommenen grünen gepanzerten Fahrzeuge, wurden vom Bund, der für die Ausrüstung der Bereitschaftspolizei zuständig ist, zugesichert.

Das System der neuen Schutzwesten hört sich interessant an. Die Flexibilität hat ihren Reiz und wir hoffen, dass die Kolleginnen und Kollegen damit zufrieden sein werden.