„Da zu sein ist wertvoller als jede Weihnachts-Email“: Polizeiseelsorger besuchte Weihnachten Polizisten auf ihren Dienststellen

28. Dezember 2018 um 17:57

Weihnachten möchte man am liebsten zuhause bei seinen Lieben verbringen, doch in manchen Berufen ist das nicht so einfach, wenn der Schichtplan etwas anderes vorgibt. Dann sind Polizisten nicht zu Hause vor dem eigenen Christbaum, sondern auf der Wache oder im Streifenwagen.

Marc Meiritz, katholischer Landespolizeiseelsorger in Hamburg und Schleswig-Holstein, verzichtet ganz selbstlos darauf, Weihnachten zuhause zu verbringen und fährt von Dienststelle zu Dienststelle, um für die Polizisten da zu sein.

„Für mich ist es mittlerweile eine liebgewonnene Tradition“, erklärt Meiritz und fügt an: „Zum einen sind da die persönlichen Gefühle der Kollegen, die natürlich auch gern bei ihren Lieben wären, zum anderen ist da eine Vielzahl von Einsätzen, die es zu bewältigen gilt.“

Auch für die Einsatzkräfte könne der Weihnachtsdienst emotional werden, aus den unterschiedlichsten Gründen. „Den Kollegen geht viel durch den Kopf – die Erinnerung an vergangene Weihnachtsfeste, an denen man nicht arbeiten musste, aber auch die nicht selten einschneidenden und schwer verdaulichen Einsätze, die man im vergangenen Jahr zu bewältigen hatte“, sagt der Polizeiseelsorger.

Dann sei er zur Stelle, höre zu und sei einfach an der Seite der Kollegen. Da zu sein sei wichtig, „das ist wertvoller als jeder gestochen formulierte E-Mail-Weihnachtsbrief“, ist er sich sicher.

Nicht selten komme es gerade an Weihnachten zum Streit, wenn die Erwartungen an das Fest und die Familie zu hoch gesteckt sind und dann vielleicht noch Alkohol hinzu komme, könne es nicht selten eskalieren.

Zwar hat auch Diakon Meiritz kein Patentrezept gegen den Feiertagsstress, aber dennoch einen guten Rat: „Wenn sich jeder ein Stück zurücknimmt, sich und seinen Individualismus weniger wichtig nimmt, dann ist das schon ein erster guter Ansatz für ein harmonisches Weihnachten.“ Wobei man anfügen muss, dass dieser Ratschlag auch für den Rest des Jahres ein guter Tipp ist.

Marc Meiritz weiß schließlich, wovon er spricht. Er ist selbst seit 30 Jahren Polizist und seit 2011 Seelsorger. An Weihnachten verzichtet er nicht nur auf das Fest mit seinen Lieben, sondern auch auf seinen eigenen Geburtstag.

Und was hat er selbst für einen Wunsch am Ende des Jahres? Da muss Meiritz nicht lange überlegen: „Ich wünsche mir, dass die Menschen 2019 wieder ehrlicher und liebevoller miteinander umgehen. Das war 2018 viel zu häufig nicht so.“

Lieber Marc, vielen Dank für dein selbstloses Engagement, nicht nur zu Weihnachten! Menschen wie dich brauchen wir in der Polizei, denn manchmal brauchen die Helfer selbst Hilfe. Nachträglich noch alles Liebe und Gute zum Geburtstag!