In der Hausnummer geirrt: SEK stürmt Wohnung von Seniorin, diese reagiert besonnen und bietet allen Kaffee an

15. Dezember 2018 um 17:20

Menschen machen Fehler, davon ist niemand ausgenommen – auch wir Polizisten nicht. Doch was Beamte des Spezialeinsatzkommandos in Lüdenscheid (Nordrhein-Westfalen), trotz ihres fälschlicher Weise plötzlichen Auftretens bei einer Seniorin erleben, ist eine Überraschung für beide Seiten.

Es ging eigentlich um eine Razzia im Rocker-Milieu. Geldwäsche, Prostitution, Waffen. Klar, dass die Polizei nicht mit einer Streifenwagenbesatzung anrückt, sondern die Spezialeinsatzkräfte zum Zuge kommen.

Die SEK-Beamten, in der Ansicht, vor der Wohnung eines Rockers zu stehen, gingen wie geplant vor. Das hieß Einsatz einer Blendgranate und sie fielen mit der sprichwörtlichen Tür ins Haus. Im Schlafzimmer angekommen, schaute die Polizisten keine Rocker an, sondern Helga Mackenbach, eine 88-jährige Seniorin.

Stutzende Blicke auf beiden Seiten, keiner wusste in dem Moment, was da vor sich ging. Das hatten beide Seiten gemeinsam. “Schon standen ein paar Mann von denen an meinem Bett und waren erschrocken, dass ich ‘ne alte Frau bin”, berichtet Helga Mackenbach.

Nach dem ersten Schock tat Frau Mackenbach das, was man als gute Gastgeberin so macht. Sie bot der Truppe erst einmal Kaffee an: “Ich habe erstmal alle gefragt, ob sie Kaffee haben wollen. Ich habe Weihnachtsgeschirr auf den Tisch gestellt, dann haben wir erstmal Kaffee getrunken.”

Dr. Gerhard Pauli, Sprecher der Staatsanwaltschaft, bestätigten diesen “bedauernswerten Fehler”, bescheinigte aber Frau Mackenbach, dass sie “bewundernswert tough” und “relativ gefasst” mit der Situation umgegangen sei. Auch die Polizisten hätten sich nach dem Auffliegen des Fehlers um die Dame “hinreißend gekümmert”.

Helga Mackenbach ist den Polizisten auch überhaupt nicht böse. “Das darf nicht passieren, kann aber. Wir sind alle keine Engel”, resümiert sie diesen Vorfall. Und auf den Kosten für die beschädigte Tür wird sie nicht sitzen bleiben.

Ach ja, die ursprüngliche Zielperson haben die Spezialeinsatzkräfte wenig später an der richtigen Adresse festnehmen können.

Einfach wundervoll, wie es da zwischen den Kollegen und Frau Mackenbach gemenschelt hat. Sie hat unseren Respekt für ihre coole Reaktion.