Nach 44 ereignisreichen Jahren in den Ruhestand: Rudi Lange hätte viel zu erzählen

3. Dezember 2018 um 15:50 Uhr

Am vergangenen Freitag wurde Kollege Rudi Lange nach 44 Jahren Dienstzeit in den wohlverdienten Ruhestand versetzt. Er ging mit seiner Ausstattung zur Polizeidirektion Osnabrück (Niedersachsen) und gab sie ab, er wird sie im Ruhestand nicht mehr brauchen.

Darunter befand sich auch ein Verkehrsleitstab, den nur noch die älteren Kollegen kennen. Rudi Lange hat seit seinem Dienstantritt 1974 viel erlebt – und es hat ihn verändert. So befand er sich zum Beispiel mittendrin in den Ausschreitungen linker Gruppen bei der Vereidigung von Bundeswehrrekruten im Bremer Weserstadion 1980.

Auch die Anti-Atom-Proteste in Gorleben und Brokdorf hat er hautnah miterleben müssen. Besonders einschneidend für den damals noch jungen 23-jährigen Polizisten war ein Ereignis, bei dem er selbst mit seinem Kollegen als Geisel genommen wurde und bei dem es später zu einer Schießerei kam – auch hier war Lange mittendrin.

Sein letztes schlimmes Ereignis hatte er 2011 beim Derby zwischen VfL Osnabrück und Preußen Münster, als knapp neben ihm ein Sprengkörper explodierte. Er konnte danach erst einmal nichts mehr hören. Es wurden insgesamt 33 Menschen verletzt, darunter 17 Polizisten.

Wochenlang hütete er damals das Krankenlager und Tinnitus und Hörschwierigkeiten belasten ihn heute noch. Doch der Dienst hielt nicht nur schlimme Ereignisse für ihn bereit. In den 25 Jahren, in denen er in Hellern seinen Dienst versah, brachte er unzähligen Frauen, Kindern und Menschen mit Behinderung Selbstverteidigung und Selbstbehauptung bei.

In Kindergärten erklärte er den jungen Zuhörern, was die Polizei macht und nahm später den Grundschülern ihre Fahrradprüfung ab. Rudi behauptet von sich, dass er ein Leben lang Polizist durch und durch gewesen sei. Doch im Ruhestand möchte er die Polizei hinter sich lassen und sich auf andere Dinge konzentrieren.

Lieber Rudi, genieß den Ruhestand so gesund und so lange wie du kannst. Wir wünschen dir alles Gute dazu und danken dir für deinen Dienst!