Gastbeitrag: „Die meisten Polizisten haben das Herz am richtigen Fleck“ (Polizeiseelsorger Volker Struve)

13. Januar 2019 um 11:29 Uhr
Gastbeitrag: „Die meisten Polizisten haben das Herz am richtigen Fleck“ (Polizeiseelsorger Volker Struve)

Der Polizeiseelsorger beim Gottesdienst anlässlich der Vereidigung von Nachwuchspolizisten

Wenn Helfer Helfer brauchen – Schleswig-Holsteins Polizeiseelsorger Volker Struve blickt zurück

Eutin – Seit fünf Jahren arbeitet Volker Struve als Seelsorger für die Landespolizei. Und auch Weihnachten war der 48-Jährige mit Sitz auf Hubertushöhe im Polizeieinsatz. So begleitete Struve unmittelbar vor den Festtagen die polizeilichen Einsatzkräfte beim Zweiliga-Fußballspiel Holstein Kiel gegen den HSV.

Wesentlich ruhiger war es dann, als er Heiligabend nachmittags und in der Nacht in Kiel ein paar polizeiliche Dienstgruppen besuchte. „Immer mit selbstgebackenen Engel-Keksen im Gepäck“, wie Struve ergänzt. Und auch am 2. Weihnachtstag ließ es sich der Polizeiseelsorger nicht nehmen, eine Nachtschicht zu besuchen.

„Diese Begegnungen zu Weihnachten sind für mich kein großes „Opfer“, sondern bereiten mir Freude. Und auch bei den Polizistinnen und Polizisten kommt es gut an, wenn ich sie zu diesen Zeiten im Dienst aufsuche. Sie begegnen mir mit spürbarer Herzlichkeit“, so Volker Struve.

Ohnedies ernte der Polizeiseelsorger mehr und mehr die Früchte der vielen Kontakte. „Das Vertrauen und das Zutrauen sind merklich gewachsen. Das tut beiden Seiten gut“, weiß Struve zu berichten.

Auf seine besonderen seelsorgerischen „Fälle“ kann und will der Pastor natürlich nicht eingehen. „Die unterliegen der Verschwiegenheit“, antwortet Struve kurz.

Und woraus schöpfen nach Eindrücken Struves die Polizistinnen und Polizisten die Kraft zur Bewältigung ihres belastenden Berufsalltages? „Da hat jeder ein eigenes Rezept: Durch die Familie, die Kollegen, den Sport und bei Bedarf auch durch Seelsorge und Beratung“, erklärt der Seelsorger. Auch im nun zu Ende gegangenen Jahr sei er in seiner Funktion als Polizeiseelsorger wieder vielfältig gefragt gewesen, so Struve in seinem Rückblick.

Zu den erfreulichen Begebenheiten habe der Gottesdienst im Rahmen der Vereidigung der Dienstanfänger sowie eine Exkursionsfahrt mit einer Ausbildungsgruppe nach Niedersachsen gehört. „Besonders berührt hat mich dagegen die Trauerfeier für einen verstorbenen Polizisten und die Anteilnahme der Kolleginnen und Kollegen“, erklärt Volker Struve.

Als tragisch bezeichnet der Pastor, dass es in der Landespolizei immer wieder Fälle gebe, in denen Polizeibeschäftigte ihre Probleme oder Leiden nicht bearbeiten oder sich Unterstützung suchen und damit das Leiden beziehungsweise die Probleme immer größer werden.

In den fünf Jahren als Seelsorger für die Ordnungshüter habe er deren hohen Ausbildungsgrad, die Professionalität und die nordische Gelassenheit zu schätzen gelernt. „Vor allem haben die meisten Polizistinnen und Polizisten das Herz am richtigen Fleck“, unterstreicht Volker Struve.

Gastbeitrag: „Die meisten Polizisten haben das Herz am richtigen Fleck“ (Polizeiseelsorger Volker Struve)

Volker Struve im Gespräch mit Einsatzkräften

Und was erhofft sich der Seelsorger für die Menschen in der schleswig-holsteinischen Landespolizei fürs 2019? „Dass sie immer ein offenes Ohr für ihre Probleme finden und ihren schwierigen Job weiter mit Freude machen. Und dass es da, wo es hakt, auch Möglichkeiten der Konfliktbearbeitung oder andere Lösungsmöglichkeiten gibt“.

Außerdem hoffe er, dass die offenen Stellen der Behördenleitungen in der PDAFB und in Kiel endlich bald besetzt werden. „Es ist nicht gut, wenn diese weiter unbesetzt bleiben. Vor allem auch nicht für die Mitarbeiter“, so Struve.

Respekt zollt der Polizeiseelsorger dem neuen Landespolizeidirektor Michael Wilksen. „Er hat in schwierigen Zeiten die Leitung der Landespolizei übernommen und hat es verdient, von allen Seiten unterstützt zu werden“.

Und woraus schöpft der Seelsorger als Ansprechpartner für rund 8.000 Polizeibeschäftigte selbst Kraft für seine Aufgaben? Aus offenen Gesprächen mit ihm sehr vertrauten guten Freunden, wie er berichtet. Und auch beim Schwimmen bekomme er den Kopf wieder frei.

„Vor allem aber stärken mich die positiven Rückmeldungen und die wohltuende „Kollegialität“, die ich erfahre, obwohl ich kein Polizist bin“, sagt Volker Struve mit glänzenden Augen.

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Bilder und Text wurden uns von Kollege Thomas Gründemann von der Polizei Schleswig-Holstein dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt.