Gedanken einer Polizistin: Danke an alle Diensthundeführer

13. Januar 2019 um 20:43 Uhr

Gedanken einer Polizistin: Danke an alle Diensthundeführer

“Ich möchte Euch darum bitten Eure „Plattform“ nutzen zu dürfen um meinen Dank – sicherlich stellvertretend – an alle Diensthundeführer (DHF) zu richten:

In den vergangenen Tagen und Wochen hat sich einmal mehr gezeigt wie wertvoll die Arbeit der DHF für unsere Sicherheit ist.

So kam es z.B. zu einer Situation, in der wir drei Fan- Busse zum Trichtern auf ein separates Gelände geführt haben und mit lediglich drei Kräften der Einsatzhundertschaft (EHU) je einen zur Absicherung der Busse zur Verfügung hatten.

Vollkommen unerwartet fing einer der Busfahrer an sich sämtlichen Weisungen zu widersetzen, fing schließlich an unberechenbare Bewegungen zu machen und versuchte mit vollem Körpereinsatz die Kollegen umzuwerfen, um sich den Weg aus dem Bus freizumachen.

Ein Beruhigen war zu diesem Zeitpunkt erfolglos, so dass die Person zu Boden gebracht werden musste.

Nun geschah dies alles vor einem der Busse, wie vor einer Kinoleinwand. Daraufhin mobilisierten sich die Personen im Bus und wurden augenscheinlich sehr aggressiv und stürmten Richtung Bustür um die Situation auf ihre Art und Weise zu klären.

Realistischer Weise hatten unsere drei Kräfte der EHU (plus ein paar in der Nähe wartende) gegen einen Reisebus voller C-Fans relativ wenig Chancen bzw. es wäre wohl sehr hässlich für beide Seiten geworden.

Doch standen als „Backup“ bei uns zwei DHF.
Unsere Diensthunde (DH) konnten alleine durch ihre imposante Präsenz und ihr Verbellen verhindern, dass dieser wilde Mob aus dem Bus stürmte. Natürlich haben sie weitaus mehr drauf, aber für den Moment genügte dies!

Ich befürchte, dass vielfach unterschätzt wird, dass eben viel mehr als Optik, Knurren und Bellen hinter der Arbeit eines vierbeinigen Kollegen und dessen Führer steckt.
DHF sein heißt nicht nach 8 Stunden Feierabend zu haben. DHF sein ist in meinen Augen ein Fulltime-Job, eine Berufung, eine Lebenseinstellung.

Ein DHF nimmt seinen Kollegen jeden Tag mit nach Hause, egal wie gut der Tag gelaufen war, egal ob man krank ist und nur auf dem Sofa liegen möchte.
Zusammenraufen, Nerven wie Drahtseile haben, wenn der DH mal wieder meint, dass er die Situation kontrollieren will. Täglich neu anfangen und immer wiederkehrende Übungen.

Wir sehen am Ende das Ergebnis im Dienst: ein toller Hund, ein tolles Team!

Dahinter stecken Züchter, die viel Liebe, Zeit und Fachwissen in eine Wurfplanung stecken und die Elterntiere trainieren und umsorgen, aber auch die Welpen vorbereiten.

Dahinter stehen Ausbilder/Helfer, die viel Zeit, Geduld und Leidenschaft in die Arbeit mit den Hunden investieren, damit wir am Ende einen super Kollegen als Unterstützung bekommen.

Aber ein guter Züchter, gute genetische Anlagen und gute Ausbilder sind nicht alleiniger Garant:

Ein DHF und sein DH müssen stetig fleißig und konsequente Üben und Arbeit, im Team und da geht auch schon mal der Urlaub für drauf. Mit einer Prüfung ist der Job nicht getan
.
Da leiden sicherlich auch schon mal Beziehungen drunter. Denn wie viele Menschen haben dafür Verständnis, dass ein nicht menschliches Wesen einen so extrem hohen Stellenwert in dem Leben eines Menschen hat und dass ein Hund ein richtiger Partner ist.

Ein DH ist eine Waffe: eine ziemlich coole Waffe. Und ein DHF sieht für Außenstehende auch ziemlich cool aus.
DHF werden, das ist keine Funktion, die man sich mal eben so zu legt. Das ist keine Stelle, wo ich mal eben hinschreibe und wenn es mir nach ein bis zwei Jahren nicht gefällt, wieder geht.

DHF zu werden das heißt Verantwortung tragen und sich wirklich sicher sein, dass man diesen Job für mindestens acht Jahre oder länger machen will.

Und wenn dann der DH in den wohlverdienten Ruhestand geht, dann geht das Ganze in kleinen Schritten von vorne los. Mitunter mit einem DH mit vollkommen anderem Charakter, so dass der DHF sich auch umstellen muss. Ein DH ist keine Maschine, zu der es eine richtige Bedienungsanleitung gibt.

Und der DH Kollege, der dann im Ruhestand ist, möchte trotzdem noch versorgt werden. Nicht nur mit Futter und einem Schlafplatz, sondern der braucht genauso seine Beschäftigung.

Abgesehen von den vielen Situationen beim Fußball und in anderen Großveranstaltungen, haben die DHF unserer kleinen Behörde vielfach bewiesen, dass diese Staffel nicht für sich alleine steht, sondern dass sie uns als Spezialeinheit unterstützen und ganz sicher nicht zu gut dafür sind uns auch in DHF untypischen Lagen zu unterstützen.

Im vorletzten Jahr war es so, dass die Situation auf der Wache durch Krankenstände, Urlauber etc. derart ausgeschöpft gewesen ist, dass wir lediglich vier Einsatzmittel (EM) auf der Straße hatten.
Jedes dieser EM bestand aus KiKos („Kinderkommissare“, nicht abwertend gemeint). Sogar unsere WDFin (Wachdienstführerin) war ein KiKo. Alle das erste Jahr auf der Straße.

Zu eben diesem Zeitpunkt sind unsere DHF im Schatten jeden Einsatz mitgefahren und haben immer im Hinterhalt gewartet um uns schützen zu können und eingreifen zu können.

Trauriger Weise ist es nun bei uns in der Behörde der Fall, dass wir ein tolles neues Präsidium bekommen haben, aber nicht mal eine Zwingeranlage existiert.

Alles glänzt mit diesen tollen neuen Räumen und damit verbunden Neuanschaffungen. Doch eben diese tollen Kollegen auf vier Pfoten und ihre Partner wurden augenscheinlich völlig vergessen. Natürlich haben sie ihre Büros und einen Aufenthaltsraum sowie eine Futterküche.

Doch die tatsächlichen Bedürfnisse, eine vernünftige Zwingeranlage mit einem vernünftigen Auslauf in einer vernünftigen Position auf dem Gelände des neuen Präsidiums, wurden völlig vergessen bzw. fehlgeplant. Natürlich ist der Hintergrund hierzu nicht mit einem Satz zu erklären, aber das Ergebnis bleibt: Keine Unterbringung für die DH. Kein Platz zum üben. Um Parkplätze müssen sie ebenfalls kämpfen und stoßen dabei häufig auf Unverständnis.

Es hat einmal eine Abfrage stattgefunden, bei der ein Staffelleiter (der lange weg ist),gerne vom Büro aus einem guten Blick auf die Hunde haben wollte.

Was daraus geworden ist: Ein hochfrequentierter Parkplatz mittig neben Raucherecke und Hauptausgang für EHU und Verkehrsdienst, in der knallenden Sonne liegend, wo eine kleine Insel gebaut wurde.

Eine Insel, auf der eine minimale Überdachung und ein Gitterzaun ist – mit Hundezwinger hat das nichts zu tun.
Das zeigte sich schnell, denn die übrigen Kollegen erkannten es als einen Fahrradkäfig, der eben genauso überdacht war, dass die Sattel der Fahrräder nicht nass wurden und so wurde und wird es auch genutzt.

Nun ist das PP seit fast einem halben Jahr bezogen worden: Eine Lösung ist immer noch nicht gefunden worden. Das stimmt mich traurig und es muss ein unheimlicher Frust sein, so von seinen Kollegen, von den Planern und von seinem Dienstherrn behandelt zu werden. Und das obwohl man soviel mehr leistet.

Kaum verwunderlich, dass jemand, der einen solchen Dank ausrichtet, sich selber sehr für diesen Job interessiert und selber mit (Sport-) Hunden groß geworden ist und lebt.

Doch eben wegen der Leidenschaft zum Hundesport bin ich mir einmal mehr bewusst darüber, wie viel Arbeit dahinter steckt: Das Training für den realen Dienst ist nicht gleich dem Training für eine blöde Prüfung, von der alles alle zwei Jahre abhängt. Aber es hängt eben nur auf dem Papier davon ab – formell und eben nicht auf der Straße.

Ich kann nur für mich sprechen, aber ich bin sicher, dass ich nicht alleine so denke:

Ich habe unheimlich viel Respekt vor dieser Berufung!
Ich schätze Euch! Ich bewundere Euch!
Ich danke Euch!

Danke, dass ihr dieses Leben für uns lebt. Danke für Eure Unterstützung, für Euer Teamwork. Danke für Euer Verzichten.

Danke an alle Diensthundeführer und deren Familien!!!
Danke an die Züchtern, Trainern und Ausbilder.

Eine Kollegin

#ThinBlueLine
#BlueLineFamily
#K9
#DHF
#Teamworklive
#GuardianOfTheNight”

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Die Kollegin ist uns namentlich bekannt, möchte jedoch anonym bleiben. Text und Bild wurden von ihr zur Verfügung gestellt.