“Man sieht sich immer zweimal im Leben”: Mann, der einen uniformierten Objektschützer in der U-Bahn anpöbelte, wurde gefasst

26. Januar 2019 um 17:55

"Man sieht sich immer zweimal im Leben": Mann, der einen uniformierten Objektschützer in der U-Bahn anpöbelte, wurde gefasst“Man sieht sich immer zweimal im Leben”, das schrieb uns die Polizei Berlin, als uns ein Video auf Twitter zugespielt wurde. Es ist eine verstörende Szene, die zu vielerlei Reaktionen führte und die aufzeigt, wie zweischneidig die sozialen Medien sein können.

Was war passiert?

Vor etwa einer Woche befand sich ein Angestellter des Zentralen Objektschutzes (ZOS) Berlin in einer U-Bahn und er wurde von einem bislang unbekannten Mann angepöbelt. Der Kollege trug seine Uniform und scheinbar entlud sich der ganze Hass dieses Mannes auf diese Uniform bzw. den Kollegen des ZOS.

Mit erhobenem Finger schreit der Mann den Kollegen an, der bemüht ist, die Situation nicht eskalieren zu lassen. Er versucht den Pöbler nicht zu nah an sich heran zu lassen und das war dann die Reaktion: “Fass mich noch einmal an, du Wichser!”, schreit ihn der Mann an.

Und weiter: “Dann wirst du von mir ein paar in die Fresse kriegen. Dann kann ich dir versprechen, dass du tot bist.” Das Video ging etwas über eine Minute und zeigte einen Kollegen, der beschwichtigt, ruhig bleibt – und ein Gegenüber, der außer Rand und Band ist, sich nicht beruhigen lassen will.

Auf Twitter verfolgten wir die Reaktionen der Netzgemeinde, ohne uns darin einzumischen. Die Reaktionen reichten von Unverständnis, über so viel Hass, über Unverständnis darüber, warum der Kollege den Mann nicht gekonnt zu Boden bringt, aber auch Unverständnis darüber, warum dem Kollegen niemand hilft.

Gestern twitterte die Polizei Berlin:

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Das Video ist mittlerweile gelöscht worden. Doch zeigt dieser Fall, dass die sozialen Medien gute und schlechte Eigenschaften der Menschen fördern können und offenbart zudem die Grenzen der polizeilichen Ermittlungsarbeit.

Denn das Video bewies, dass sich die anderen Fahrgäste der U-Bahn sich lediglich als Zuschauer einer unwirklich erscheinenden Szene sahen. Niemand griff ein, niemand half dem Kollegen, alle sahen zu oder hielten hier Handy drauf, um das Ganze festzuhalten. Zivilcourage sieht anders aus!

Und während der Kollege, der nur Angestellter, kein Polizeibeamter ist, der eine verkürzte Ausbildung genießen durfte und zudem weder über die Ausstattung eines richtigen Polizisten verfügt, noch über die Eingriffsrechte eines richtigen Polizisten, sich selbst überlassen wurde, landete das Video im Netz.

“Ein Video des Geschehens ins Netz zu stellen ist KEINE Hilfe”, war dann auch die Reaktion der Polizei Berlin auf das Video, doch sollte in diesem Fall das Gegenteil bewiesen werden. Denn allein dank des eh nun öffentlichen Videos konnte sich die Polizei dieser Informationen bedienen, den Pöbler identifizieren und schlussendlich auch fassen.

Selbst wenn der Ersteller des Videos die Datei direkt an die Polizei Berlin gesendet hätte, ohne es zu veröffentlichen, wäre kaum damit zu rechnen gewesen, dass ein Richter eine Öffentlichkeitsfahndung nach dem Täter genehmigt hätte. Beleidigung und Bedrohung eines Polizeiangestellten, diese Delikte sind nicht schwerwiegend genug, als dass hier ein Richter die Erlaubnis gegeben hätte.

Und genau hier offenbaren sich die Grenzen der Ermittlungsarbeit. Fast müsste man dem Video-Ersteller dankbar sein, dass er das Video online gestellt hat, da nur so der Täter gefasst werden konnte. Irgendwie war das eine private Öffentlichkeitsfahndung, die erfolgreich verlaufen ist.

Und während sich einige in den sozialen Medien über den Kollegen lustig machten, gar abfällige Bemerkungen verfassten, wie hilflos dieser für manche wirkte, dabei hat er lediglich versucht, die Situation nicht eskalieren zu lassen, er war ja schließlich alleine und Hilfe war keine zu erwarten, konnte nur so der Täter ermittelt werden.

Vielleicht eine verspätete Genugtuung für den Kollegen des ZOS. Und zudem Anlass für eine Diskussion über Zivilcourage, den Nutzen der sozialen Medien und die Grenzen polizeilicher Ermittlungsarbeit. Und ja, auch eine solche verbale Pöbelattacke ist eine Form von Gewalt gegen Einsatzkräfte.