„Are you ready for this?“: Ein Video und die Weiblichkeit in Uniform

7. Februar 2019 um 18:54 Uhr

„Are you ready for this?“: Ein Video und die Weiblichkeit in UniformAls in den 1980er Jahren die ersten Frauen als Polizistinnen die Uniform anzogen, mussten sie tatsächlich ihren Mann stehen. Als Frauen in einer Männerdomäne hatten sie sich zu behaupten, für Weiblichkeit war da wenig Platz. Gleiches scheint sich heute zu wiederholen, zumindest, wenn man sich im Netz die Kommentare mancher selbsternannter Moralwächter durchliest.

Es geht um ein Video, welches den Weg in die Öffentlichkeit gefunden hat und in dem es um Polizistinnen und ihre Weiblichkeit geht. „Are you ready for this?“, diese Frage muss man bei manchem Kritiker eindeutig verneinen.

Unser Statement zu dieser Sache fällt uns allerdings ein wenig schwer. Denn wenn uns das Video auch vorliegt, möchten wir es denjenigen, die es noch nicht kennen, auch nicht vorführen. Ein paar Screenshots auf unserem Bild, auf denen die Kolleginnen unkenntlich gemacht wurden, sollen an dieser Stelle reichen. Warum, dazu später mehr. Wir bitten euch daher um Verständnis.

Das Video ist gut zwei Minuten lang und es ist unterlegt mit dem Lied „London Bridge“ von Fergie. Das beginnt dann auch gleich mit der oben genannten Frage, welche eine Kollegin, draußen vor der Tür eine rauchend, in die Kamera nachspricht. Anschließend folgt die Kamera verschiedenen Polizistinnen durch die Unterkunft und beginnt gleich damit, dass sie einer Kollegin folgt, die eine Treppe hinauf geht. Mittelpunkt ist hier der wohl geformte Hintern der Kollegin.

Dann schließen sich verschiedene Szenen an, wie eine Polizistin, die sich gerade die Sportsachen auszieht, eine andere, die sich die Haare flechtet, wieder eine andere putzt ihre Schuhe. Zwischendurch huscht eine Polizistin nur mit einem Handtuch bekleidet durchs Bild und blinzelt dem Zuschauer in die Kamera zu.

In dieser „heißen“ Stimmung fechelt sich eine weitere Polizistin mit dem Grundgesetz frische Luft zu und während die Gruppe zum Beat tanzt, deutet eine Kollegin mit dem Finger, dass man ihr folgen möge, bevor die Mannschaft (oder sollen wir „Frauschaft“ schreiben?) zur Tür hinaus geht. Und ja, man möchte am liebsten folgen.

Das Video scheint nicht zusammen geschnitten worden zu sein, es wurde am Stück gedreht und das beweist bereits, dass hier Fachkenntnisse am Werk waren. Wie wir aus erster Hand erfahren, ist eine der Kolleginnen studierte Tanzlehrerin und ein Kollege hat Kenntnisse in Videotechnik, so dass sich erklärt, warum das Video einen so professionellen Eindruck hinterlässt.

Es geht in dem Video um die Weiblichkeit in Uniform, mit der gekonnt kokettiert wird. Niemals wird die Grenze des guten Geschmacks überschritten, zu viel Haut wird ebenfalls nicht gezeigt. Es wird angedeutet, der Rest wird dem Zuschauer überlassen. Was man jedoch zu sehen bekommt, sind starke Frauen, die in Uniform ihre Weiblichkeit zur Schau stellen. Und das ist auch gut so.

Ganz bewusst wurde, so scheint es, eine provokante Kunstform gewählt. Das wird in der Darstellung, der Musikauswahl und dem Inhalt deutlich. Ja, das Video folgt einer künstlerischen Vorlage und kann selbst als Kunst angesehen werden. Und die Kunst ist nun einmal frei. Nicht jeder muss es gut finden, die Kolleginnen dafür aber zu verurteilen, in eine Schublade zu stecken, wird der Sache jedenfalls nicht gerecht.

Das Video belegt, dass Frau auch in Uniform eine gute Figur machen kann und kann, wenn man so möchte, als Antwort auf eine Bewegung angesehen werden, die Frauen allgemein, und besonders Frauen in Uniform, derart durchemanzipieren möchte, dass ihr jede Weiblichkeit abgesprochen wird und den Frauen mehr schadet als nützt.

Das Video wurde von den Erstsemestern der Hochschule der Polizei Sachsens in Bautzen als Abschluss, als Spaß gedreht und sollte nie den Weg in die Öffentlichkeit finden. Die Hochschulleitung war über den Videodreh sogar informiert und man hatte offenbar nichts dagegen.

Wie das aber so ist, wenn etwas skandalös, aufregend oder – wie in diesem Fall – einfach nur gut ist, dann verlässt ein solches Video schnell mal die Chatgruppen der eigenen Kollegen und so landete das Video irgendwann im Netz. Wer dafür sorgte, dass es nicht im Kollegenkreis blieb, wird man wohl nie herausfinden. Aber so ist das in der heutigen Zeit, in der mit ein paar Klicks alles rund um den Globus geteilt werden kann.

Sachsens Landespolizeipräsident Horst Kretzschmar vertraute der Zeitung mit den vier Buchstaben dann auch an, die das Video auch veröffentlichte: „Wir werden schnellstmöglich mit allen Beteiligten das Gespräch führen und die Hintergründe des Videos besprechen. Mäßigung und Zurückhaltung sollten Grundtugenden für angehende Polizeibeamte auch in einer Welt der sozialen Medien bleiben. Disziplinarische Betrachtungen werden geprüft.“

Diese Einlassung verwundet dann schon etwas. Was die Kolleginnen im Dienst machen ist deren Sache, solange es keine Außenwirkung hat. Dass das Video im Netz landete, war nie beabsichtigt und kann den teilnehmenden Kolleginnen kaum zur Last gelegt werden. Zudem hatten sie, wie schon beschrieben, die Erlaubnis der Hochschulleitung.

Wie wir erfuhren, hatten die Kolleginnen dann auch in den vergangenen Tagen einen wahren Spießrutenlauf zu absolvieren. Sie fühlen sich hintergangen, falsch verstanden und verurteilt für etwas, was sie nicht zu verantworten haben. Die Tatsache, dass oben genannte Zeitung Fergies Rapsong fast schon als „Hurenlied“ bezeichnet, färbt, wie wir erfuhren, hierbei ebenfalls auf die Darstellerinnen des Videos ab und geht an der Sache völlig vorbei.

Wir haben uns die Reaktionen im Netz zum Video angeschaut und können erfreut feststellen, dass viele Bürger und die meisten Kollegen/innen überhaupt kein Problem in dem Video sehen. Die weitaus meisten Rückmeldungen sind überaus positiv. Besonders gut gefallen hat uns der Kommentar eines Kollegen, der der Meinung war, dass das Video besser sei als die meisten offiziellen Imagevideos der Polizeien.

Nun, dem können wir kaum noch etwas hinzufügen.

Für uns bleibt nur noch die Feststellung, dass in jeder Polizistinnenuniform immer noch eine Frau steckt. Diese unwiderlegbare Tatsache wurde in dem Video perfekt dargestellt und was, bitteschön, könnte menschlicher sein als das…