Gedanken einer Polizistin: Was es (für mich) bedeutet die Uniform zu tragen

22. Februar 2019 um 18:24 Uhr

Gedanken einer Polizistin: Was es (für mich) bedeutet die Uniform zu tragen

“Wie fühlt es sich an. Uniform. Mit Hoheitsabzeichen am Arm. Mir fehlen hier kurz die Worte. Ich möchte vorweg sagen: das ist alles MEINE Empfindung. Ich weiß nicht wie es anderen geht, ich rede hier nur über meine eigenen Gedanken und Gefühle.

Als ich das erste Mal Uniform trug: Fremd. Komisch.

Habe ich alles richtig an? Was darf mit was kombiniert werden? Was jetzt normal und offensichtlich für mich ist, war damals echt kompliziert und wir hatten echt Schwierigkeiten, alleine herauszufinden, wie welche Uniform getragen wird. Leider wird das nur im mittleren Dienst richtig beigebracht. Bei uns an der Uni gibt es nur die Geschäftsanweisung, die sagt wie die Uniform getragen wird, aber beibringen müssen wir uns die selbst.
Die nächsten Tage Uniform (wohlgemerkt immer noch auf dem Polizeigelände): Zugehörigkeit. Plötzlich grüßte einen jeder und irgendwie freundlicher als davor – schwer zu beschreiben ob ich mir das nur einbilde. Zugehörig, weil man endlich ein Teil der Polizeifamilie war – jetzt eben auch optisch.

Die ersten Tage in Uniform

Die ersten Tage in Uniform, als man bei den Einstelltests der Bewerber zugucken konnte: In unseren Pausen, z.B. beim Schießtraining, konnten wir auf dem Sportplatz immer den Einstelltests zuschauen. Und wir in Uniform. Mit dem Wissen, dass wir das alles hinter uns und bestanden hatten. Man fühlte sich so stolz und so gut! Man hatte Aufmerksamkeit. Verurteilt mich nicht – aber insgeheim geht es denke ich vielen so (den meisten): in Uniform genießt man die Aufmerksamkeit. Die Bewerber gucken zu einem hoch und man wird einfach anders angesehen als in Privatklamotten. Ich hoffe wirklich, dass ihr mich nicht falsch versteht. Ich versuche nur dieses Gefühl zu beschreiben, was aber quasi unmöglich ist… Es fällt mir wirklich schwer.

Das erste Mal in Uniform auf der Straße:

UNBESCHREIBLICH. Ich fühlte mich stark und schwach gleichzeitig. Stolz und eingeschüchtert gleichzeitig. Unter Druck und tiefenentspannt – gleichzeitig. Die Aufmerksamkeit, die schon innerhalb der Polizeigelände zu spüren war, war nun noch tausend Mal größer. Man betritt die Straße und alle Augen wachen auf dir. Deshalb auch der Druck. Der silberne Streifen auf der Schulter, der zeigt, dass ich noch Studentin bin, wird von den Bürgern nicht wahrgenommen. Sie sehen eine Polizistin. Einerseits ist dieses Gefühl unfassbar schön, andererseits will man auch nichts falsch machen und versucht, alles gelernte bestmöglich umzusetzen.

Der Moment, wenn ein Bürger zu dir kommt und um Hilfe bittet – unbeschreiblich schön. Der Moment, in dem dich ein Bürger ankeift weil er deine Maßnahmen nicht versteht und dir plötzlich die Worte fehlen, und du dich nicht so gut erklären kannst wie es vor zwei Minuten noch in deinem Kopf war, einfach weil sie Situation dich so überfordert – schrecklich. Die ersten Maßnahmen, sei es nur ein kleiner Verkehrsunfall – alles ist aufregend. Aber die Leute da draußen wissen das nicht. Sie denken nur: “Uniform. Polizei. Das ist ihr Fachgebiet. Sie muss das blind können. Wieso weiß sie das nicht? Wieso muss sie ihren Kollegen fragen? Wieso kommen die zu dritt, ich habe doch gar nichts falsch gemacht?”

Ja die Uniform lässt einen mächtig erscheinen – oder gebt mir ein anderes Wort. Das hier passt nicht gut. Es klingt falsch. Übermittelt was falsches. Aber mir fällt nichts anderes ein.

Die Uniform ist toll. Sie verschafft einen – in den meisten Fällen – Respekt. Einkaufen im Dienst – alle quatschen mit einem. Man wird angegrinst (natürlich ganz ganz doll abhängig davon, in welchen Teilen Berlins man unterwegs ist – aber die positiven Sachen überwogen in meinem Praktikum zum Glück immer) – man grinst zurück. Das kleine Kind im Kinderwagen guckt einen mit großen Augen an.

Vielleicht ist das auch eine Sache der eigenen Einstellung, aber ich habe mich in Uniform immer respektiert gefühlt. Viele Polizisten berichten leider auch über das Gegenteil, aber ich weiß auch, dass es Kollegen gibt, die selbst keine positive Ausstrahlung haben. Deshalb kann ich dazu nichts sagen, solang ich es nicht erlebt habe.

Ich habe die Aufmerksamkeit genossen, da bin ich ehrlich. Ich fühle mich pudelwohl in meiner Uniform und ich habe sie jeden Tag unfassbar gerne angezogen. Mit einem Grinsen als Uniformträger kann man so viele glückliche Gesichter entdecken.

Natürlich kann die Uniform auch das Gegenteil.

Einen Blick zu einem Fahrradfahrer, der auf dem Gehweg fährt und er fährt meist ohne Umwege auf die Straße, lächelt noch ertappt zurück und hofft einfach nur, nicht angehalten zu werden. Nur als kleines Beispiel. Die Uniform kann viel. So viel. Und dessen muss man sich bewusst sein. Nicht jeder ist dafür gemacht, Uniform zu tragen. Das weiß ich. Nicht jeder mag es. Ich liebe es.

Dennoch muss man sich immer bewusst machen, dass man nicht unschlagbar ist, nur weil man eine Uniform anhat. Man kann schnell übermütig werden. Manche Bürger beschreiben das Verhalten als überheblich und angeberisch. Manchmal hat das was mit dem Charakter zu tun (dazu schreibe ich vermutlich in meinem neuen Blogpost (Thema: PTBS, der Umgang mit schlimmen Erlebnissen und wie es für Außenstehende ist, wenn ein Polizist über seinen Job redet)), manchmal ist es aber wirklich diesem großen “Machtgefühl” der Uniform zuzuschreiben.

Man muss sich immer vor Augen halten – als Polizeibeamter – dass es eine Uniform ist, die uns durch unseren Job gewisse Aufgaben und Pflichten auferlegt – schlicht-hoheitliches Handeln. Diesen Aufgaben müssen wir nachkommen. Wir müssen uns merken, dass wir das nicht tun, um jemanden zu ärgern, sondern weil es unser Job ist.

Dennoch muss der Respekt vor der Uniform da sein. Es ist wie mit der Waffe – auch der richtige Umgang mit der Uniform muss gelernt sein. Das klingt vielleicht blöd aber wir sind alles nur Menschen. Und das sollten wir niemals vergessen, auch wenn wir Uniform tragen und unserem Job nachgehen. Nur Mensch. Wie jeder andere.

Deshalb hoffe ich, dass alle Kolleginnen und Kollegen sich das immer vor Augen halten. Die Uniform ist wichtig. Sehr wichtig. Aber man muss nicht die ganze Zeit böse gucken, nur weil man eine Uniform trägt. Man muss nicht immer auf harten Macker machen, nur weil man eine Uniform trägt. Man kann auch mal lachen, in Uniform. Und man kann sich wohlfühlen, in Uniform. Ohne seine Rolle zu übertreiben.

Die Uniform hilft uns im Job, im täglichen Dienst. Doch sie macht uns zu nichts besserem als das, was hinter der Uniform steckt. Also seid menschlich und missbraucht die Uniform nicht. Sie ist toll, sie fühlt sich toll an, das ist das schöne an ihr. Vergesst euren eigenen Charakter nicht, nur weil ihr eine Uniform tragt. Niemals darf man sich in Uniform als was besseres fühlen. Man darf sich gut fühlen. Man darf sich selbstbewusst fühlen und ja, man darf auch stolz sein.

Aber der schmale Grad von selbstbewusst zu “etwas besserem” ist schmal. Das Geheimrezept, diesen nicht zu überschreiten: Selbstreflexion.

Ich liebe meine Uniform. Und ich fühle mich wohl in ihr. Ich hoffe ich darf sie noch sehr sehr lange tragen und mit meinem Charakter füllen, der ich nun mal bin. Und ich hoffe, dass mich mein Gegenüber auch so wahr nimmt, wie ich bin. Und meine Art erkennt, ohne sich von der Uniform blenden bzw. negativ beeinflussen zu lassen. Der Uniformträger ist immer nur so stark, wie der Charakter der in ihr steckt.

Ich kenne sehr wenige, die in ihrer Uniform zu 100% der selbe Mensch sind, wie im Privatleben. Ich glaube auch, dass das in einem gewissen Grad gut und richtig ist. Aber man sollte sich trotzdem immer irgendwo treu bleiben = kein komplett anderer Mensch in der Uniform werden. Die Veränderung zum Selbstschutz ist gut, aber alles was darüber hinausgeht ist unnötig und wird negativ wahrgenommen.

Ganz ehrlich. Das war bisher der schwierigste Blogpost. Ich habe ihn mir eben nochmal durchgelesen und festgestellt: er sagt gar nicht das aus, was ich sagen wollte. Verwirrung. Verzweiflung. Wenn Wörter nicht das ausdrücken, was man empfindet. Ich poste es trotzdem. Bin unzufrieden. Mit meinem Text. Bin gespannt was ihr sagt. Es ist nicht ganz das was ich fühle, aber näher beschreiben kann ich es nicht.

Das Gefühl der Uniform ist unbeschreiblich. Ich liebe sie. Ich bin stolz, sie tragen zu dürfen.”

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Die Kollegin, von der Text und Bild stammen, ist uns bekannt, möchte namentlich aber nicht erwähnt werden.

Sie hat auch einen eigenen Blog, in dem sie weitere interessante Gedanken teilt. In ihrem Instagramkanal könnt ihr sie durch ihr Tagebuch begleiten.