Gedanken von Chris zu unserem Statement “Onlinepranger”: Trunkenheitsfahrt nicht nachweisbar – Die wilden Gerüchte lassen einem die Haare zu Berge stehen

17. Februar 2019 um 20:31 Uhr

Gedanken von Chris zu unserem Statement "Onlinepranger": Trunkenheitsfahrt nicht nachweisbar - Die wilden Gerüchte lassen einem die Haare zu Berge stehenVor einer Woche haben wir unser Statement Onlinepranger: Wie ein Polizist von Medien und Onlinenutzern vorverurteilt wird zu dem Vorfall in Berlin veröffentlicht, als bekannt wurde, dass bei dem Polizist, der in einen tödlichen Verkehrsunfall während einer Einsatzfahrt verwickelt war, Alkohol im Blut gefunden wurde.

Hierzu hat unser treuer Leser und Kollege Chris seine Gedanken mitgeteilt, die wir euch nicht vorenthalten möchten. In diesem Zusammenhang möchten wir auch auf unser Schlusswort weiter unten hinweisen.

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“Meiner Ansicht nach sollte diese eure Seite ein Stück weit ein Brückenschlag sein, zwischen Mensch-Bürger und Mensch-Polizist. Es fehlt vielen an der Einsicht auf teils komplizierte Gesetzeslagen und Eingriffsbefugnisse.

Es ist ja für uns schon teilweise nicht immer nachvollziehbar und man muss den Gesetzestext dreimal lesen und auch noch die Ausführungsbestimmungen und Urteile der höchstrichterlichen Rechtsprechung, sprich Urteile mindestens auf OLG-Ebene. Auch hier ist eure Seite ganz hervorragend dazu geeignet, dem geneigten Leser ein bisschen Einsicht und Verständnis zu schaffen.

Andererseits bietet eure Arbeit auch ein Forum für Kollegen, die sich für ein Miteinander und gegenseitigem Verständnis einsetzen, damit es eben nicht mehr ganz so “preußisch” zugeht. Ihr macht sehr gute Arbeit.

Das jetzige Thema ist verständlicherweise sehr emotional besetzt und ich mag mir gar nicht vorstellen, wie es wäre, eins meiner Kinder so zu verlieren. Aber diese Emotionalität darf eben nicht zu einer Spaltung der Gesellschaft führen. Da kochen schon viel zu viele ihr eigenes Süppchen und instrumentalisieren sogar diesen extrem tragischen Vorfall.

Die Artikel in der Presse spiegeln oft nur noch die Intention der Schreiberlinge auf ihre eigene politische Überzeugung und die Politiker, die sich bisher zu dem Vorfall geäussert haben, wollen damit auch nur ihre Ziele besser erreichen. Bei aller Emotionalität sehe ich euer Statement als nötig an, um nämlich genau da den Brückenschlag zu schaffen.

In die polizeiliche Handlungsweise und das uns teils per Gesetz gar keine andere Möglichkeit bleibt, als eben so zu handeln, wie wir es tun. Diese ganzen, teils wilden Gerüchte, dass zB bei jedem Unfall ein Alkotest gemacht wird, ist schon so hanebüchen, dass einem, der nur den Gesetzestext liest, die Haare zu Berge stehen.

Ich habe es mir gestern mal angetan und die Artikel, die bisher in diversen Zeitungen und Onlineportalen zu dem Unfall erschienen sind, durchgelesen. Da wird behauptet, gelogen, spekuliert, Wut und Hass geschürt, Öl ins Feuer gegossen und nichts zur Aufklärung beigetragen.

Auch und gerade die Eltern, der so tragisch ums Leben gekommenen jungen Frau werden dort rücksichtslos mit falschen Informationen gefüttert und um die Chance gebracht, ein Stück in die Realität zurück zu kehren, wenn das nach einem solchen Verlust überhaupt möglich ist.

Der verursachende Kollege ist mir völlig unbekannt und ich habe keinen Kommentar von ihm gelesen, kann also in keinster Weise über ihn urteilen oder mir eine Meinung bilden. Aber selbst wenn er tatsächlich unter Alkoholeinfluss gefahren sein sollte, hat er die junge Frau nicht absichtlich getötet.

Es war ein tragischer Unfall, der eventuell hätte vermieden werden können oder eben auch nicht. Ihn deshalb Mörder zu nennen, mag emotional weiter helfen und Wut die Trauer überdecken lassen, rechtlich ist er das augenscheinlich nicht und das wird denen, die Gerechtigkeit für die Tragik suchen, nicht weiterhelfen.

Diejenigen, die am meisten unter dem Verlust leiden, werden mit dem Gefühl der Ungerechtigkeit zurück gelassen und die Medien werden dann leider auch das Interesse verloren haben und in keinster Weise hilfreich für die Verarbeitung sein.

Die Admins hier haben bisher immer gute Arbeit gemacht, können es bei diesem emotionalen Thema und den vielen Menschen, welche Ungerechtigkeit durch polizeiliche Massnahmen meinen erlebt zu haben, nicht gerecht werden. Gerade mit einem der Admins war ich manchmal sehr kontrovers drauf, aber es blieb immer sachlich und fair und das ist es, was mir an dieser Seite gefällt.

Das Bemühen um Sachlichkeit und auch Aufklärung im Bezug auf das Verhältnis Bürger-Polizei. Natürlich kann man, und gerade als Polizist, nicht everybodys darling sein, aber, nach FJS, auch nicht everybodys Rindvieh.

Genau das sollten so manche überlegen, bevor sie meinen, ihren Frust hier abzulassen. Da wäre dann eine offizielle Seite der jeweils zuständigen Polizeidienststelle die eindeutig bessere und richtigere Wahl.”

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Schlusswort:

Wie die Polizei Berlin vergangene Woche mitteilte, sei es anhand der Blutprobe, die dem Kollegen im Krankenhaus entnommen wurde, nicht möglich, eine Trunkenheitsfahrt des Kollegen nachzuweisen. Aus diesem Grund sei auch eine Suspendierung nicht möglich.

So bewegt sich nunmehr jeder, in Medien und Onlineforen, der behauptet, die Trunkenheitsfahrt sei ein Fakt, den man nicht leugnen könne, selbst am Rande der Strafbarkeit.