Gedanken einer Leserin: Einsatzfahrten können gefährlich sein – Ein praktischer Job sollte auch praktisch gelehrt werden

2. März 2019 um 20:54 Uhr

Gedanken einer Leserin: Einsatzfahrten können gefährlich sein - Ein praktischer Job sollte auch praktisch gelehrt werdenEinsatzfahrten können gefährlich sein. Wir müssen leider regelmäßig über Verkehrsunfälle berichten, bei denen Polizeifahrzeuge beteiligt sind, teils auch mit Verletzten und wie zuletzt auch mit toten Kollegen.

Dazu haben wir die folgende Zuschrift erhalten:

——————

“Ich verfolge die Nachrichten und aus der Bewunderung für unsere Polizeibeamtinnen und -beamten in Deutschland fallen mir besonders in letzter Zeit die vielen Schlagzeilen über Verkehrsunfälle mit Einsatzfahrzeugen auf. Der tragische Fall, der sich erst vor kurzem in Saarbrücken abspielte, bei dem eine Polizistin ums Leben kam, ließ den Wunsch in mir aufkommen, dieses Thema anzusprechen. Und nun zuletzt wieder einmal ein Verkehrsunfall mit verletzten Polizeibeamten in Hannover. Ich muss nun meine Sorgen in Worte fassen.

Woran liegt es? Die Verkehrsunfälle häufen sich und sie ziehen tragische Folgen mit sich. Sie sind überall in den Nachrichten – die Verkehrsunfälle mit Beteiligung von Polizeifahrzeugen unter Verwendung der Sonder- und Wegerechte. Liegt es an dem medialen Interesse, das diesem Thema seit einiger Zeit mehr Aufmerksamkeit schenkt? Liegt es an den Straßen, die das hohe Verkehrsaufkommen nicht mehr aufnehmen können und es deshalb vermehrt zu Gefahrensituationen kommt?

Es sind alles Spekulationen. Man wird als Bürger dieses Landes vermutlich nicht herausfinden, wie es wirklich ist. Aber ich mache mir Gedanken. Einsatzfahrten sind oftmals mit höheren Geschwindigkeiten verbunden, die auf den Straßen erlaubt sind. Gibt es gesetzliche Regelungen, die vorschreiben, wie schnell ein Einsatzfahrzeug fahren darf?

Mit Sicherheit gibt es Rahmenbedingungen, aber alles was ich von Freunden höre, die bei der Polizei arbeiten ist: „so genau festgelegt ist das gar nicht“. Einerseits gut, da die Fahrer eigenverantwortlich fahren dürfen, andererseits würde es möglicherweise den ein oder anderen Unfall verhindern.

Weiter geht es bei dem Thema Fahrsicherheitstraining. Ich weiß, dass es im Land Berlin eine Vorschrift gibt, dass jeder Beamte, der Fahrzeuge der Polizei fahren darf, einmal im Jahr eine Auffrischung des Fahrsicherheitstrainings absolvieren muss. Wird das auch gemacht oder ist es ähnlich wie bei den Schießständen, dass das Personal nicht vorhanden ist und es gibt deshalb Grauzonen, in denen man sich bewegen kann?

Wie sieht das bei den jungen Kollegen aus? Reicht die Ausbildung aus, die sie für die Nutzung der Fahrzeuge genießen? Während es mir so vorkommt, als ginge die Ausbildung zum Polizisten heutzutage immer theoretischer von statten, mache ich mir Gedanken darüber, ob die praktische Ausbildung überhaupt noch ausreicht, um diesem so vielseitigen Job nachzugehen. Eine Woche Fahrsicherheitstraining für die angehenden Polizistinnen und Polizisten – reicht das? Ich stelle mir dabei immer zwei Szenarien vor:

Das erste ist die Person, die das begleitete Fahren mit 17 mitgenommen hat und seit sie 18 Jahre alt ist, ihr eigenes Auto besitzt. Sie benutzt das Auto jeden Tag und fährt damit zur Ausbildungsstätte im Stadt- und Berufsverkehr und besucht möglicherweise auch über Langstrecke ab und an die Eltern mit dem Auto. Eine Woche Fahrsicherheitstraining in der Ausbildung sind hier vermutlich ein Kinderspiel und eine kleine Erweiterung des Sicherheitsgefühls im Straßenverkehr.

Das zweite Szenario bezieht sich auf eine Person, die erst kurz vor Beginn des Fahrsicherheitstrainings ihren Führerschein erworben hat. Das Fahrsicherheitstraining stelle ich mir hier sehr überwältigend vor. Viele Infos, während das normale, automatisierte Fahren – wie man es sich nach langjähriger Fahrerfahrung nun mal angewöhnt hat – ist noch gar nicht vorhanden. Die zweite Person hat kein eigenes Auto und hat demnach kaum Praxiserfahrung.

Spinnen wir das Szenario mal weiter: Beide kommen nach der Ausbildung auf eine Dienststelle und sollen den Streifenwagen fahren. Wer von beiden hat wohl einen sichereren Umgang im Straßenverkehr? Ich will damit nicht sagen, dass die Person aus dem zweiten Szenario nicht Streifenwagen fahren darf, im Gegenteil. Ich hinterfrage durch die aktuellen Ereignisse nur, ob es nicht möglicherweise doch mehr Sinn macht, einen so praktischen Job doch auch wieder praktischer zu Lehren.

Fahrsicherheitstraining, der Umgang mit Blaulicht und Martinshorn, so etwas klingt banal aber ich empfinde es als so wichtig. Vielleicht könnte dann auch der ein oder andere Verkehrsunfall verhindert werden, wenn die Beamtinnen und Beamten sich mit dem Thema mehr auseinandersetzen dürften und es ihnen expliziter beigebracht werden würde.

Im Prinzip kann man das auf alle praktischen Themen beziehen, die mit „Polizei“ zu tun haben, aber ich finde, dass die Situation mit den Verkehrsunfällen die generelle Problematik gerade sehr gut darstellt.

Theorie ist die eine Sache, aber in der Praxis läuft es oft anders und DAS muss ein angehender Polizist/angehende Polizistin in der Ausbildung lernen – meiner Meinung nach.”

——————

Die Autorin ist uns namentlich bekannt, möchte jedoch anonym bleiben.