Mit den Kollegen auf Streife: Ein tödlicher Verkehrsunfall, wir tun was wir tun müssen, doch dann fällt mir etwas auf

3. März 2019 um 19:22 Uhr

Mit den Kollegen auf Streife: Ein tödlicher Verkehrsunfall, wir tun was wir tun müssen, doch dann fällt mir etwas aufAus der Reihe Mit den Kollegen auf Streife haben wir eine Einsendung von Kollege Holger erhalten. Ein Einblick in die polizeiliche Arbeit und ein Hinweis darauf, warum es manchmal besser sein kann, Dienst zu haben, als feiern zu können.

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“Zum Frühdienst zu früh da zu sein ist oft nicht gut. So auch diesmal. Kaum hat man die Wache betreten, schlimmer Unfall mit schwerstverletzt oder verstorben.

Der Unfall ereignete sich auf einer großen Einfallstraße von der nächsten Großstadt. Beim Eintreffen finden wir ein großes Trümmerfeld vor. Den Insassen im scheinbar verursachenden Pkw ist auf den ersten Blick schon nicht mehr zu helfen.

Unterstützung anfordern, weil sich die ersten unbeteiligten Fahrzeuge ansammeln und sich erfahrungsgemäß bald die ersten Pkw quer durch die Unfallstelle bewegen werden, wenn die nicht abgesperrt wird.

Bei näherer Aufnahme kam der verursachende Pkw von außerhalb mit sehr hoher Geschwindigkeit an. Kurz vor ihm schaltete die Ampel für ihn auf Rotlicht um. Statt anzuhalten fuhr der Pkw weiter. Bremsen hätte wohl auch nicht mehr geklappt bei einer geschätzten Geschwindigkeit von gut 100 km/h.

Aus der rechten Seitenstraße fuhr dann ein VW-Bus-Taxi in die Kreuzung langsam ein.

Der Pkw stieß mit so hoher Geschwindigkeit in dieses Taxi, dass dessen Motorblock herausgetrennt wurde, der Pkw sich überschlagend ca. 15 Meter flog und auf der Motorhaube, zum Glück nicht auf dessen Dach, landete.

„Schöne Flugeinlage!“ denke ich und versorge weiter die verletzten Insassen bis der Krankenwagen eintrifft.
Die stehenden oder liegenden Pkw werden fotografiert und ausgemessen.

Die Insassen des verursachenden Pkw waren wohl beide nicht angeschnallt, aus ihrem Pkw dringt beißender Alkoholgeruch. Der Beifahrer ist mit seinem Kopf von innen gegen die Windschutzscheibe geknallt. Er hat mit seiner Stirn ein rund 10 cm großes Loch in der Scheibe verursacht. In der Stirn ist ein etwas kleineres Loch und der Inhalt des Kopfes ist durch beide Löcher auf die Straße geflogen und hat sich dort verteilt.

Nach den Maßnahmen werden die Abschlepper bestellt und sorgen dafür, dass die Straße wieder geräumt wird.
Das fehlende vordere Kennzeichen des verursachenden Pkw wird unter dem Taxi gefunden. Ich schreibe es mir auf. Bis dahin alles gemäß 30jähriger Routine.

Beim aufschreiben des Kennzeichens stutze ich, es kommt mir bekannt vor.

Nach einem Moment des Überlegens verstehe ich und laufe zum Leichenwagen. Ein genauerer Blick auf den Beifahrer bestätigt meinen Verdacht.

Es ist ein Bekannter von mir. Er wollte gestern Abend in die Disco und hatte mich noch gefragt, ob ich mitkommen wolle. Ich hatte abgelehnt, denn ich habe Frühschicht…”

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Der Kollege ist uns namentlich bekannt. Er versicherte uns, dass der Vorfall schon einige Jahre zurück liegt.