Mit den Kollegen auf Streife: Freitagmorgen und eine “leckere” Überraschung

16. März 2019 um 18:50 Uhr

Mit den Kollegen auf Streife: Freitagmorgen und eine "leckere" ÜberraschungZum Beruf eines Polizisten gehören nicht nur Strafverfolgung (Repression) und die Verhinderung von Straftaten (Prävention). Die Aufgaben sind breit gefächert und gerade diese Breite, die uns das Leben (und den Tod) in seiner Vielfältigkeit zeigt, sorgen dafür, dass jeder Dienst Überraschungen bereit halten kann.

Kollege Holger zeigt uns hier, dass eine unscheinbare Situation eine makabre Wendung finden kann und dann in Sachen Empathie und Sozialarbeit alles von uns abverlangt:

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“Es ist Freitagmorgen, das Wochenende steht vor der Tür – Frühschicht.

Heute holt unsere Streifenbesatzung Frühstück, denn das muss ja auch irgendwann zwischendurch mal stattfinden, wenn die Einsätze uns Zeit dazu lassen.

Unsere Leitstelle gibt uns einen Einsatz. Wir haben die Brötchen auf der Rücksitzbank, aber das ist dann halt so.

Auf einem Bahnübergang hat sich ein Mensch einen makabren Scherz erlaubt und ein Stück Fleisch auf die Schienen gelegt.

Wir sind gleich da, es ist nicht weit. Ein Bahnübergang am Ende der Straße, dahinter ist nur noch ein Fußweg in einer Parklandschaft.

Mitten zwischen den Gleisen liegt ein Stück Fleisch zwischen den Schienen auf dem Asphalt. Genau sowas lag auch beim Fleischer, wo wir gerade waren. Weit und breit ist nichts Auffälliges zu sehen. Komisch, sowas kostet doch richtig Geld, wer legt sowas da hin um Leute zu ärgern?
Kein Blut, nichts zu sehen.

Ein Fußgänger mit Hund an der Leine nähert sich uns aus dem Park. Der Kollege befragt den Fußgänger nach Auffälligkeiten oder Beobachtungen. Ich beuge mich zum Hund hinunter um ihn zu streicheln. Der Hund schnuppert einen Meter weiter an den dort beginnenden Schottersteinen, kein Problem, ich gehe hin.

Beim Streicheln hebt der Hund den Kopf und schaut mich an, er hat etwas im Maul. Ich stutze, sehe genauer hin, dann wende ich mich dem Hundehalter zu.

„Entschuldigung, können sie ihrem Hund sagen, er möge das Ohr loslassen!“

Der Hundehalter wird ruckartig bleich und zuckt wie unter einem Schlag zusammen. Er schaut zum Hund und schlägt sanft, aber voller Panik auf den Hund ein. „Lass los, lass doch endlich los! Aus! Pfui!“

Der Hund lässt das Ohr los. Daran hängt noch ein Büschel blonder Haare.

Der Hundehalter flüchtet mit seinem Hund regelrecht vom Ort.

Der Kollege und ich schauen uns genauer um. Zwischen den Schottersteinen liegen Zähne, offensichtlich menschliche Zähne. Eine Bahnleiche – na toll. Hunger habe ich jetzt nicht mehr.

In etwa 300 Metern Entfernung liegt ein abgerissenes Bein, der Zug muss sehr schnell gewesen sein. In einem nahen Gebüsch liegt ein Rucksack mit darauf drapiertem Personalausweis. Ein junger Mann, wie verzweifelt muss man sein um so etwas zu machen?

Zusammen mit den Kollegen von der Kripo, die ausgebildet sind, den Todesort qualifiziert aufnehmen, suchen wir die Bahnstrecke ab. Uns fällt die Aufgabe zu, den Eltern vom Tod ihres Sohnes zu berichten und sie aufzufangen. Scheiß Wochenende!”