Personal-, Bewerber- und Geldmangel: Bremen weicht Auswahlverfahren auf

7. März 2019 um 18:59 Uhr

Personal-, Bewerber- und Geldmangel: Bremen weicht Auswahlverfahren aufDas Auswahlverfahren 2019 ist im vollen Gange und alle Polizeien suchen Hände ringend neue Polizisten. In den vergangenen Wochen wurde bei der ein oder anderen Polizei auch die Bewerbungsfrist verlängert, weil es nicht genügend geeignete Bewerber gibt. Oder man kann sich gleich, wie in Nordrhein-Westfalen, ganzjährig bewerben.

In Bremen hat man gleich mehrere Probleme und eines möchte man nun lösen. Doch die Lösung stößt auch auf Kritik. Abitur? Körperliche Fitness? Perfekte Deutschkenntnisse? Das sollte ein Bewerber bislang mitbringen, wenn er sich bei der Polizei in Bremen bewirbt.

Doch das muss nun nicht mehr unbedingt sein. Das jedenfalls entschieden Innensenator Mäurer und Polizeipräsident Müller und ernten dafür nicht nur Lob. Doch Bremen hat Probleme und befindet sich in der Zwangslage, irgendetwas zu unternehmen, damit der Personalmangel nicht noch schlimmer wird.

Einerseits schieben Bremens Polizisten über 300.000 Überstunden vor sich her, die nicht nicht ausgezahlt werden. Abfeiern ist angesichts des Personalmangels auch so eine Sache. Hinzu kommt, dass viele Beamte in Pension gehen. Die Polizei muss also neue Bewerber einstellen.

Doch wie soll sich die Bremer Polizei als attraktiver Arbeitgeber ins Gespräch bringen? Angesichts Personalmangel, Überstunden, Schichtdienst und mieser Bezahlung. Denn der Stadtstaat befindet sich in einer andauernden Haushaltsnotlage und bezahlt seine Polizisten im Bundesdurchschnitt mit am schlechtesten.

Und so wird eben das Auswahlverfahren aufgeweicht um mehr Bewerber anzulocken. René Möller ist einer der Kritiker dieser Entscheidung und er schrieb für Radio Bremen einen Kommentar, in dem es unter anderem heißt:

“Es entsteht der Eindruck: Die Polizei nimmt in Zukunft eigentlich jeden! Das ist fatal. Denn Polizisten haben einen der wichtigsten Berufe in unserer Gesellschaft. Die Polizei setzt geltendes Recht durch. Und das müssen Beamte kennen, verstehen und vermitteln. Es ist also zwingend nötig, dass die Auswahlverfahren für einen solchen Beruf besonders hart sind – und auch bleiben müssen.”

Damit hat er auch nicht Unrecht, denn was geschehen kann, wenn man das Einstellungsvoraussetzungen zu weit herabsetzt, kann man in Berlin beobachten. Die Polizeiakademie hat Probleme, ein Sonderermittler fertigte einen Bericht und nun wird mit verschiedenen Lösungsansätzen gegen gesteuert.

Das Auswahlverfahren wurde als untauglich angesehen und Sozialarbeiter müssen sich um die Härtefälle unter den Polizeischülern kümmern. Genau das könnte auch Bremen bevorstehen, denn die Voraussetzungen sind ähnlich wie in Berlin: kein Geld, kein Personal, zu wenige Bewerber – und auch Auswahlverfahren aufgeweicht.