Reportage: Die Wunden der Ermittler

29. April 2019 um 18:45 Uhr

Polizisten und Staatsanwälte schauen täglich in die Abgründe der Gesellschaft. Schwere Unfälle, Suizide, Vergewaltigungen, Kindesmisshandlungen, Morde und tätliche Übergriffe. Sich um diese Fälle, um die Opfer und Täter zu kümmern, ist Aufgabe der Ermittler von Polizei und Justiz.

Es gehört also zum Berufsbild dazu, belastende Situation zu meistern. Doch wie gehen die Ermittler persönlich mit den Eindrücken, mit Verletzungen um? Was stellen die Fälle, die sie erleben, mit ihrer Seele an? Und wie sehr interessiert es den Dienstherrn, die Gesellschaft, ob ihre Ermittler gesund sind?

Getreu dem Motto “Ihr seid die 110. Nach euch kommt niemand mehr” ist die Erwartungshaltung der Gesellschaft an die Ermittler groß. Sie erwartet zurecht, dass diese neutral und unvoreingenommen ihre Fälle bearbeiten, Verbrechen aufklären, Opfern Empathie entgegen bringen.

Doch manchmal ist das einfach nicht mehr möglich. Zwar gibt es kaum Forschung zu diesem Thema, die zeigt, wo der Schuh drückt, wie viele Polizisten mit der Zeit psychisch erkranken, wo die Ursachen liegen und wie man Abhilfe schaffen könnte. Doch eine Studie zeigt, dass zwischen fünf und acht Prozent aller Polizisten traumatisiert sind. Meist im Alter zwischen 45 und 55 Jahren, wenn man also schon viele Dinge wegstecken konnte und ein Fall plötzlich die Seele ins Wanken bringt.

Selbst wenn sich Polizisten oder Ermittler dazu überwinden können, über ihr Problem zu reden, stoßen sie oft auf Ablehnung. Es wird beschwichtigt. Das wird schon alles wieder, heißt es dann. Doch meist trauen sie sich nicht offen darüber zu sprechen, zu sagen, wie es ihnen damit geht. Zu groß ist die Angst, dienstliche Nachteile erfahren zu müssen.

Und immer wieder machen Ermittler die Erfahrung, dass traumatische Erlebnisse, sogar tätliche Übergriffe, als Dienstunfall nicht anerkannt werden. Jahrelang müssen sie dafür kämpfen und klagen, was zur Traumatisierung noch hinzu kommt. Es scheint am Geld und am Verständnis von Vorgesetzten und Dienstherren zu liegen, diesen Anschein hat es jedenfalls.

Die folgende Reportage gibt einen sehr sehenswerten und außerordentlich wichtigen Einblick in das Seelenleben von Polizisten und Staatsanwälten.

Wann: heute, 23:40 Uhr
Wo: Das Erste
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