“Wollen sie den Toten sehen? Nein? Warum machen sie dann Bilder?!”: Polizist greift bei Gaffern durch

22. Mai 2019 um 19:00 Uhr

Es sind widerliche Szene, die sich gestern Vormittag auf der A6 im Kreis Nürnberg (Bayern) abspielen. Mal wieder. Es war zu einem Verkehrsunfall mit drei beteiligten Lkw gekommen. Ein Lkw-Fahrer war nahezu ungebremst in einen anderen Lkw gefahren und starb noch an der Unfallstelle.

Gaffer hielten in beiden Fahrtrichtungen den Verkehr auf, hielten ihre Handys und Tablets in der Hand und filmten im Vorbeifahren die Szene. Ob für das eigene Videoarchiv oder zum Hochladen ins Internet: Das Verhalten ist nicht nur rechtswidrig, es ist widerlich. Es tritt die Rechte des Verstorbenen mit Füßen.

Doch ein Polizist lässt die vorbeifahrenden Gaffer nicht einfach gewähren. Er greift durch. Lautstark und bestimmt und führt den Gaffern ihr eigenes Verhalten vor.

Während seine Kollegen sich um die notwendigen Maßnahmen der Unfallsachbearbeitung kümmern, hält ihr Chef ihnen den Rücken frei und sorgt für Ordnung. Polizeidirektor Stefan Pfeiffer, Leiter der zuständigen Verkehrspolizeiinspektion Feucht, spricht die Gaffer an:

“Wollen sie den Toten sehen? Kommen sie her, ich bringe sie zu ihm. Nein, doch nicht? Warum machen sie dann Fotos? Schämen sie sich! Sie müssen jetzt 128,50 Euro Bußgeld bezahlen.”

Das Ganze geht mehrfach so und das sogar mehrsprachig. Dabei wird Kollege Pfeiffer auch mal laut und ruft über die Fahrbahnen in Richtung der Gaffer in Gegenfahrtrichtung:

“Sehen sie zu, dass sie weiter kommen. Fahren sie endlich weiter, wegen ihnen kommt es hier zum Stau!”

Pfeiffer findet es frustrierend, dass es immer wieder zu solchen Szenen kommt. Er ist der Meinung, dass es nicht einfach reicht Personalien zu erheben, damit der Bußgeldbescheid zugestellt werden kann. Einen Lerneffekt kann er nur erkennen, wenn er die Gaffer mit ihrem Verhalten direkt konfrontiert.

Angesichts dieses widerlichen Verhaltens der Gaffer finden wir die Reaktion von Kollegen Pfeiffer in doppelter Hinsicht bemerkenswert: Er kümmert sich um die Gaffer, während seine Kollegen sich um die wichtigen Dinge kümmern können. Denn oft lässt es die Personalsituation nicht zu, dass sich die Einsatzkräfte selbst um die Gaffer kümmern können.

Andererseits kann man den Kollegen wegen seiner klaren Ansage und Konfrontation, die aber stets sachlich bleibt, einfach nur feiern. Gerade als Chef der Truppe sich derart einzusetzen zeigt, dass er noch ganz genau weiß, wo er herkommt und ist sich auch nicht zu schade, selbst vor laufender Kamera seinen durchaus nachvollziehbaren Standpunkt klar zu machen. Wenn es sein muss auch mal etwas lauter.

Bravo! 👏