Tödlicher Verkehrsunfall auf Einsatzfahrt: Polizist zu Geldstrafe verurteilt

13. Juni 2019 um 12:19 Uhr

Tödlicher Verkehrsunfall auf Einsatzfahrt: Polizist zu Geldstrafe verurteiltIm Oktober 2017 berichteten wir von einem tödlichen Verkehrsunfall auf einer Einsatzfahrt. Eine Streife der Polizei Potsdam (Brandenburg) war mit eingeschaltetem Blaulicht und Martinshorn zu einem Einsatz unterwegs. Ihre drei Kollegen, die am Bahnhof im Einsatz waren und von einem Randalierer verletzt worden waren, hatten um Unterstützung gerufen.

Beim Überqueren einer Kreuzung war der Streifenwagen mit einem anderen Fahrzeug zusammen gestoßen. Das kreuzende Auto wurde gegen die Straßenbegrenzung geschleudert, überschlug sich und blieb auf der Seite liegen. Trotz sofortiger Erster-Hilfe-Maßnahmen eines Zeugen verstarben die beiden 60- und 70-jährigen Insassen noch am Unfallort.

Die beiden Polizisten im Streifenwagen waren schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht worden. Vor dem Amtsgericht Potsdam wurde der Vorfall nun verhandelt und zentraler Teil der Beweisaufnahme war die Frage, wie es zu diesem folgenschweren Unfall kommen konnte.

So wurde festgestellt, dass der Streifenwagen in den Kreuzungsbereich mit einer Geschwindigkeit von 74 bis 87 km/h eingefahren war. Die Ampel soll für beide Beteiligte zum Unfallzeitpunkt auf Rot gestanden haben.

Warum der 70-jährige Fahrer trotz Rot zeigender Ampel in die Kreuzung einfuhr, dafür konnte der ortskundige Zeuge eine Erklärung liefern. Laut dem 64-Jährigen befänden sich in diese Fahrtrichtung zwei Ampeln, eine für die Geradeausfahrer und eine für die Abbieger.

Laut dem Zeugen komme es dort häufig vor, dass die Autofahrer die Ampeln verwechselten und, wie der 70-jährige Autofahrer, der geradeaus fahren wollte, die Abbiegerampel beachtet hatte, die vermutlich Grün gezeigt hätte.

Der Zeuge selbst habe das Martinshorn gehört, dann habe es den Knall gegeben und er sei sofort zur Kreuzung geeilt.

Das Urteil

Das Amtsgericht Potsdam verurteilte den 27-jährigen Polizisten, der den Streifenwagen gefahren hatte, wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 70 Euro. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Beamte zu schnell in die Kreuzung eingefahren war.

Auch wenn das Blaulicht und das Martinshorn eingeschaltet gewesen sei, habe er Sorgfaltspflichten, gegen die der Polizist hier verstoßen habe. Damit folgte das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

Zu Verhandlungsbeginn hatte sich der Polizist noch beim Sohn des getöteten Ehepaares, der als Nebenkläger auftrat, entschuldigt. Während er mit den Tränen kämpfte, erklärte der Beamte, dass er mit den Gedanken an diesen schlimmen Unfall abends zu Bett gehe und morgens aufwache.

Ob Verteidigung oder Nebenklage Berufung einlegen werden ist unbekannt.