Viel Meinung, wenig Ahnung: Polizei Wien wilden Anschuldigungen ausgesetzt

5. Juni 2019 um 21:00 Uhr

Viel Meinung, wenig Ahnung: Polizei Wien wilden Anschuldigungen ausgesetztEs ist ein wahrer Shitstorm, der da über die Kollegen in Wien (Österreich) herein gebrochen ist. Die wilden Anschuldigungen, die zum Teil geäußert werden, zeugen von unheimlich viel Meinung, ohne wirklich Ahnung zu haben.

Wir werden an dieser Stelle weder das, was da geschehen ist, zurecht rücken, noch werden wir Vermutungen anstellen, wie und warum das geschehen ist. Wir können allerdings auch nicht fassen, welche Vorwürfe erhoben und nicht Vermutungen angestellt, sondern als Tatsachen dargestellt werden.

Zurzeit kursiert ein Video in den sozialen Medien, welches Polizisten bei einer Klimademonstration in Wien zeigt. Zwei Polizisten bringen eine Person zu Boden, ziehen sie für die Fesselung in eine andere Position, wobei der Kopf der Person unter einen Polizeibulli vor das Hinterrad gerät.

Kurze Zeit später wird das Martinshorn des Polizeibulli aktiviert und der Fahrer setzt an los zu fahren. Im letzten Moment können die beiden Beamten, die die Person festgenommen haben, diese wegziehen, so dass es zu keinem Personenschaden kommt. Gleichzeitig hat aber offenbar auch der Fahrer abrupt angehalten.

Das ist es, was man in dem Video sehen kann. Nicht mehr, nicht weniger. Und das Socialmedia-Gericht hat sich bereits zusammen gefunden und verurteilt das Geschehen als absichtliche Aktion, als “Folter” und als “Scheinhinrichtung“.

Es ist einfach unglaublich, wie man auf solche Ideen kommen kann. Dass hier Fehler geschehen sind, die fast in einem schrecklichen Ereignis hätten Enden können, steht außer Frage. Den Kollegen aber Absicht zu unterstellen ist derart aus der Luft gegriffen, dass man ein Schleudertrauma vom Kopfschütteln bekommen könnte.

Doch solch wildes Fabulieren scheint mittlerweile en vouge zu werden und für manchen reicht es hier sogar zum Experten. Ein “Kollege” (die Anführung ist absichtlich gesetzt) hat sich auf Twitter zu folgender Äußerung hinreißen lassen:

“Mir fällt kein Grund für ein ‘Versehen’ ein.”

Damit unterstellt er den Polizisten in Wien absichtlich, also vorsätzlich, gehandelt zu haben. Ein sehr schwerer Vorwurf, obwohl er, wie er selbst zugibt, nur das Video kennt, welches gerade kursiert.

Mit dieser Äußerung und einer Glaskugel bewaffnet, hat er damit derart hellseherische Fähigkeiten bewiesen, dass es für ihn bei der Tagesschau im Faktenfinder zum Experten reicht. Dort wiederholt er seinen absurden Vorwurf zwar nicht mehr, stellt aber in den Raum, dass im Nachhinein nicht mehr feststellbar sei, “ob die Polizisten dem Festgenommenen absichtlich Angst machen wollten”.

Ist es wirklich schon soweit, dass Kaffeesatzlesen im Faktenfinder als Expertenmeinung taugt? Das lässt tief blicken, was die deutsche Medienlandschaft angeht.

All jenen, die meinen, mit ihren absurden Schuldvorwürfen diesen Shitstorm weiter zu nähren, sei folgende Frage gestellt:

Wenn die Kollegen die fixierte Person, im Wissen, dass der Bulli gleich losfährt, absichtlich vor dem Rad des Polizeibulli platziert hätten UND wenn der Bullifahrer absichtlich, im genauen Wissen über diese Tatsache, losgefahren ist, warum hätten die Polizisten die Person so schnell aus dem Gefahrenbereich herausziehen sollen? Und warum hält der Bulli abrupt wieder? Zudem im Wissen, dass bei einer solchen Veranstaltung hunderte Videokameras und Smartphones das polizeiliche Vorgehen aufmerksam filmen.

Natürlich sind hier Fehler geschehen, die aufgeklärt und aufgearbeitet werden müssen, damit so etwas nicht noch einmal geschieht. Natürlich darf auch darüber diskutiert werden, das muss es auch in einem Rechtsstaat. Wilde Anschuldigungen, Unterstellungen und Vorwürfe gehören nicht dazu und damit kann man sich schnell selbst einer strafrechtlichen Ermittlung aussetzen.

Die Meinungsfreiheit hat Grenzen und wenn man eben keine Ahnung hat, dann sollte man seine Meinung entweder zurück halten oder wenigstens vorsichtiger formulieren.

Doch überhaupt auf solche Ideen wie “Folter” oder “Scheinhinrichtung” zu kommen, zeugt beim Schreiber von einer Entkopplung von der Realität, einem völlig verzerrten Bild von einer rechtsstaatlichen Polizei oder Wahnvorstellungen. Spekulantentum ist es allemal und die Kollegen können einem leid tun, wie sie in den sozialen Medien verrissen werden.

Michael Lepuschitz, Landespolizei-Vizepräsident von Wien, erklärte bereits dem ORF, dass der Kopf der Person NICHT unter dem Bulli war. Und weiter: “Keinem Polizisten würde es einfallen, so etwas mit Absicht zu machen, wie es nun in sozialen Medien dargestellt wird. Solche Vorwürfe sind absurd.”

So schreibt auch die Polizei Wien in einem Statement:

“Die medialen Darstellungen der Ereignisse entbehren teilweise dem Grundsatz einer objektiven und faktenbasierten Berichterstattung. Insbesondere die Kommentare und Vorwürfe des gestern in den Medien veröffentlichten Videos rund um eine Festnahme neben einem Polizeibus lassen sich mit diesem Grundsatz nicht in Einklang bringen.

Betont wird in diesem Zusammenhang auch, dass die Unschuldsvermutung nicht nur für alle angezeigten Personen, sondern auch für Polizistinnen und Polizisten im Dienst gilt.

Die teils absurden Anschuldigungen gegen die Wiener Polizei, die in diversen sozialen Netzwerken kursieren, werden aufs Schärfste zurückgewiesen.”

Dem haben wir nichts mehr hinzuzufügen.