Finger weg vom Alkohol: Polizei mietet komplette Tankstelle, um Alkoholverbot bei Rechtsrock durchzusetzen

4. Juli 2019 um 19:16 Uhr

Finger weg vom Alkohol: Polizei mietet komplette Tankstelle, um Alkoholverbot bei Rechtsrock durchzusetzenIn den östlichen Bundesländern scheint sich eine Strategie durchzusetzen, um bei Musikveranstaltungen der rechten Szene ein Alkoholverbot durchzusetzen und so die Anwohner vor den zu erwartenden Auswirkungen zu schützen. Nachdem im Juni in Sachsen so erfolgreich das Alkoholverbot durchgesetzt wurde (bereits angeliefertes Bier wurde komplett beschlagnahmt, wir berichteten) gibt es nun einen ähnlichen Vorfall in Thüringen.

Im dortigen Hildburghausen soll am kommenden Wochenende ein Rechtsrockkonzert stattfinden. Von der Versammlungsbehörde des Landkreises Hildburghausen wurde die Veranstaltung zwar genehmigt, allerdings unter strengen Auflagen. Darin verfügt wurde unter anderem ein gänzliches Alkoholverbot.

Dagegen wehrte sich der Veranstalter, doch das Verwaltungsgericht Meiningen bestätigte – ganz im Gegensatz zu den vorigen Jahren – dieses Alkoholverbot. Allerdings befindet sich ganz in der Nähe des Veranstaltungsortes eine Tankstelle, wo sich die Teilnehmer problemlos außerhalb vom Gelände mit Alkohol versorgen könnten und das bereitete einigen Anwohnern Sorgen.

In einer Bürgerversammlung stellte der Vizepräsident der Landespolizeidirektion, Thomas Quittenbaum, vor vollem Hause das Einsatzkonzept vor und darin befindet sich ein wichtiger Punkt. Die Polizei werde die Tankstelle komplett anmieten und für eigene Zwecke nutzen. “Die Tankstelle ist quasi geschlossen für die Öffentlichkeit”, sagte Quittenbaum.

Das bedeutet kein Sprit und kein Alkohol für die Rechtsrock-Teilnehmer. Das verhindert allerdings nicht die Veranstaltung selbst, wegen der die Anwohner weiterhin besorgt sind. Der Bürgermeister der 2800-Einwohner-Stadt, Hubert Böse, nannte die Botschaft, die durch das Konzert ausgesandt würde, “geistige Brandstifterei” und weiter: “Das, was hier passiert, das, was hier transportiert wird, das ist purer Hass, das ist menschenverachtend.”

Und so wird es wohl am Wochenende offenen Protest gegen die Rechtsrock-Veranstaltung geben. Aber auch hierzu äußerte sich Vize-Landespolizeidirektor Quittenbaum, der unterstrich, die Thüringer Polizei werde für das bürgerliche Lager mehr Freund, Helfer und Auskunftsperson als Eingriffspolizei sein.

“Die Eingriffspolizei richtet sich gegen Störer unserer Demokratie”, bekräftigte Quittenbaum das Einsatzkonzept.

Durch solche Aktionen kann man zwar leider den Extremismus in den Köpfen nicht abschaffen, aber zumindest klar machen, dass solche Veranstaltungen nicht gewünscht sind und Bürger und Polizei sich gemeinsam wehrhaft vor die Demokratie stellen. Gut so!