Gedanken eines Polizisten aus Berlin: Rotationsverfahren für Polizisten – Warum werden wir als potentiell rechtsradikal vorgeführt?

21. Juli 2019 um 18:39 Uhr

Gedanken eines Polizisten aus Berlin: Rotationsverfahren für Polizisten - Warum werden wir als potentiell rechtsradikal vorgeführt?Heute vor einer Woche haben wir uns in einem Statement zu den momentan dauerhaft schwebenden Vorwürfen geäußert, die Polizei wäre rechtsradikal und die Ursache dazu sei systemimmanent. Dass dieser pauschale Vorwurf völliger Blödsinn ist legten wir dar, stellten aber auch fest, dass es einige wenige Kollegen gibt, die einen Rechtsruck vollzogen haben.

Wir forderten in diesem Zusammenhang dazu auf, dass die Kollegen aufmerksam sind, was im Kollegenkreis geschieht, damit diese Einzelfälle nicht für die gesamte Organisation Polizei zum Schaden wird. Auch stellten wir klar, dass es dazu eine Polizeiführung braucht, die mit Maß und Ziel bei solchen Vorfällen vorgeht und nicht aus vorauseilendem Gehorsam mit Kanonen auf Spatzen schießt.

Nun, gerade einmal eine Woche später, bekommt man den Verdacht, dass genau dies in Berlin geschieht. Dort soll das sogenannte Rotationsverfahren auf Polizisten ausweitet werden, die in Problemkiezen ihren Dienst versehen. Rotation bedeutet hier, dass Kollegen in den entsprechenden Abschnitten mit Kollegen anderer Abschnitte tauschen müssen.

Offenbar ist dies nicht freiwillig, sondern zwingend und geht auf eine Anordnung von Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik in der vergangenen Woche zurück. Auch wenn sie eifrig dementiert, es gäbe rechte Strukturen innerhalb der Berliner Polizei, möchte sie so einer möglichen Radikalisierung vorbeugen.

Was die Berliner Kollegen davon halten, dazu hat uns heute dieser Leserbrief erreicht:

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“Am Meisten stört mich dieser Generalverdacht. Alle Polizisten, die zu lange mit unserer ‘Stammkundschaft’ zu tun hatten, werden Nazis!?

Es ist ja mal so, dass wir den normalen Menschen aus Aleppo…einen Bäckermeister, der einfach nur froh ist, aus dieser Hölle entkommen zu sein, der sich anpassen möchte, ein normales Leben führen möchte…gar nicht zu Gesicht bekommen.

Es sind halt nur diese Verbrecher, die wir treffen…und die uns angrinsen. Und schon wird man ein Nazi? Oder wohl doch eher Politikkritiker, hm?

Und wenn man regelmäßig schön die Leute die Dienststelle wechseln lässt (mangelnde Orts- und Szenekenntnis der ‘neuen’ Kollegen…soziale Unruhen in bestehenden Polizeistrukturen gibt es ja nicht), merken die einzelnen Polizisten nicht, wo es seitens der Politik hakt…? Blödsinn.

Anstelle das Problem zu bekämpfen (Verbrechen werden gesühnt,egal, woher man kommt), werden die eigenen Kollegen als Nährboden für Rechtsradikalismus medienwirksam präsentiert.

Das macht man nicht!

Ich habe geschworen, die freiheitlich-demokratische Grundordnung zu beschützen… Ich bin Familienvater…Stehe Tag für Tag dafür auf….gegen Rechts… gegen Links, gegen Terroristen und Verbrecher… und kriege von meiner obersten Chefin eine auf dem Kopf…

Die Dame sollte mal eher nen Monat auf einem Schwerpunktabschnitt Dienst verrichten… dann können wir noch mal ihre Ansichten überprüfen.

Und ja, ich möchte aus Angst vor Repressalien seitens diesem ‘rückendeckenden’ Arbeitgeber…anonym bleiben.

Ein Schupo aus Berlin-Tempelhof”