Gewalt gegen Polizisten auf neuem Höchststand: Berlin richtet Beratungsstelle für Polizisten ein

9. Juli 2019 um 19:34 Uhr

Gewalt gegen Polizisten auf neuem Höchststand: Berlin richtet Beratungsstelle für Polizisten einDie Gewalt gegen Polizisten steigt von Jahr zu Jahr. Das Bundeskriminalamt hatte kürzlich ihre Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) für 2018 vorgestellt und darin heißt es, dass bundesweit die tätlichen Angriffe auf die Ordnungshüter von 2017 auf 2018 um 8,8 Prozent zunahmen.

So wurden in 2018 rund 38.000 Gewalttaten gegen Polizisten registriert. Fast 20.000 Mal wurde Widerstand gegen insgesamt rund 44.000 Vollstreckungsbeamte geleistet. Tätliche Angriffe nach dem neuen Schutzparagrafen wurden 10.761 Fälle zum Nachteil von 21.651 Polizisten registriert.

Herunter gebrochen auf zum Beispiel Bayern bedeutet, dass 17.367 Polizisten beleidigt, bespuckt, bedroht, geschlagen oder verletzt wurden. Eine Zunahme von 800 Fällen im Vergleich zum Vorjahr.

Unter den insgesamt 7.689 Fällen von Gewalt gegen Polizisten in Bayern befinden sich rund 3.000 Beleidigungen, 4.382 tätliche Angriffe durch körperliche Gewalt, 28 Angriffe mit Waffen und 11 versuchte Tötungsdelikte.

Und falls es jemand in Frage stellen sollte: Auch Beleidigungen sind eine Form der Gewaltausübung, weil damit eine gezielte Entehrung oder Entmenschlichung der Uniformträger erreicht werden soll. Wir Polizisten haben schließlich das Recht auf körperliche Unversehrtheit durch das Anlegen der Uniform nicht abgegeben, ebenso wenig das Recht nicht Opfer einer Ehrverletzung zu werden.

Einzige Konstante in der Statistik ist das Täterprofil: Zu 86 Prozent sind die Täter männlich, zu 28,7 Prozent waren es Ausländer. In zweidrittel der Fälle standen die Täter unter dem Einfluss von Alkohol und/oder Drogen und die größte Wahrscheinlich besteht für Polizisten, Opfer von Gewalttaten zu werden, nachts, am Wochenende in größeren Städten.

Die Statistik für Berlin sieht nicht besser aus. Demnach wurden in 2018 6.959 Polizisten während ihrer Dienstausübung angegriffen, im Vorjahr waren es 6.811. 1.608 Beamte wurden durch diese Gewaltausübung leicht oder schwer verletzt.

Um ihre Polizeibeamten nach einer solchen Attacke zu unterstützen, hat Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik nun ankündigt, eine Beratungs- und Betreuungsstelle für Polizisten einzurichten. “Ansprechstelle Gewalt gegen Polizisten” soll sie heißen und weiter erklärt Slowik wie folgt:

“Dort können sich unsere Kollegen hinwenden, wenn sie Gewalt erfahren. Ich halte das für sehr wichtig, weil die Zahlen steigen. Es gibt einen dringenden Bedarf, das brauchen wir für unsere Leute, davon bin ich überzeugt.”

Hier sollen Polizisten nicht nur beraten, sondern auch betreut werden, was von Gesprächen über psychologische Unterstützung bis hin zur Vermittlung von tiefergehenden Betreuungsangeboten reichen soll. Auch rechtliche Fragen der Absicherung, der Beihilfe und dem möglichen Wunsch den Einsatzbereich oder die Dienststelle zu wechseln, sollen hier Raum und Zeit bekommen können.