Körperverletzung, Gefangenenbefreiung, Widerstand: Partygesellschaft verletzt sechs Polizisten, einen davon schwer, und darf anschließend weiter feiern

17. Juli 2019 um 19:25 Uhr

Körperverletzung, Gefangenenbefreiung, Widerstand: Partygesellschaft verletzt sechs Polizisten, einen davon schwer, und darf anschließend weiter feiernEs ist einfach unglaublich, was in der vergangenen Nacht in einem kleinen Eifelort in Rheinland-Pfalz geschehen ist. Bislang berichtet nur die Lokalpresse darüber. Am Ende des Einsatzes waren sechs Polizisten verletzt, einer davon schwer. Auch ein Warnschuss wurde abgegeben.

Es begann mit einer Verkehrskontrolle gegen Mitternacht in der Nähe des Ortes Hauroth. Einer Streife war ein Wagen aufgefallen, der Schlangenlinie fuhr und auf einen sogenannten Promilleweg einbog. Als die Polizisten Haltezeichen gaben, gab der Fahrer Gas.

Die Verfolgungsfahrt führte bis zu einer Sackgasse, wo der flüchtende Autofahrer den Wagen stehen ließ und davon lief. Die Polizisten ließen sich nicht abschütteln und konnten ihn dann vor einer Hütte am Ortsrand stellen, wo der Autofahrer zuvor mit seinem Freunden gefeiert hatte.

Das bekamen die Freunde des nun in Gewahrsam genommenen mit und sie wurden den Beamten gegenüber sofort aggressiv. Die Polizisten brachten den Festgenommenen in den Streifenwagen, zogen sich selbst ebenfalls dorthin zurück und alarmierten Unterstützungskräfte.

Fünf weitere Streifen kamen zum Einsatzort und nun sollten die Personalien der zehnköpfigen Personengruppe festgestellt werden. Doch die weigerte sich, Personalien anzugeben und schlug stattdessen mit Fäusten und Flaschen auf die eingesetzten Beamten ein.

Die Polizisten konnten einen der Rädelsführer festnehmen, doch die verbliebenen neun Personen versuchten mit aller Gewalt, diesen wieder aus dem Gewahrsam zu befreien. Als die Situation für die Polizisten so brenzlig wurde und das bereits eingesetzte Pfefferspray keinerlei Wirkung auf die Gewalttäter zeigte, setzte einer der Polizisten seine Dienstwaffe ein und gab einen Warnschuss ab.

Aus sämtlichen umliegenden Dienststellen wurden nun weitere Streifen zur Unterstützung geschickt und erst mit gemeinsamen Kräften war es möglich, die Situation in den Griff zu bekommen. Sechs Polizisten der Dienststellen Cochem und Mayen wurden verletzt, einer davon trug schwere Gesichtsverletzungen davon und wurde in einem Krankenhaus stationär aufgenommen.

Am Ende des Einsatz konnten zwar mehrere der Gewalttäter identifiziert und fotografiert werden, doch die Polizisten musste dann wieder unverrichteter Dinge abziehen. Es habe keine Rechtsgrundlage für eine vorläufige Festnahme gegeben, heißt es. Die Gewalttäter feierten daraufhin munter weiter.

Oberstaatsanwalt Rolf Wissen verweist lediglich auf die Polizei: “Zur Klärung des Sachverhaltes hat das Polizeipräsidium eine Ermittlungsgruppe bei der Kriminalinspektion Mayen eingesetzt.”

In seinem Kommentar zu diesem Einsatzverlauf schreibt Mario Zender vom Wochenspiegel:

“Ich frage mich, was muss passieren, bis hier durchgegriffen wird? Muss erst ein Beamter zu Tode kommen? Wer mit Flaschen auf Polizeibeamte losgeht und diese erheblich verletzt, greift nicht nur Polizeibeamte an, sondern den Rechtsstaat. Wenn einem solchen Angriff nicht eine Inhaftierung folgt und die mutmaßlichen Gewalttäter weiterfeiern können, verlieren diese und andere, die davon erfahren, jeglichen Respekt vor der Polizei.”

Offenbar wurde seitens der Justiz nicht einmal der Verhinderungsgewahrsam angeordnet. Eine Nacht in der Zelle hätte den Gewalttätern sicher gut getan. Dass sie einfach weiter feiern durften ist das völlig falsche Signal, an die Kollegen, die damit einen weiteren Schlag ins Gesicht erhalten, aber auch, wie Zender richtig schreibt, an jeden, der Polizisten tätlich angreift. Es geschieht dem Täter nichts.

Wir wünschen den verletzten Kollegen eine schnelle und vollständige Genesung und möchten die Gelegenheit nutzen, uns bei Herrn Zender vom Wochenspiegel zu bedanken, dass er in diesem Zusammenhang bei den Tätern nicht von Chaoten oder dergleichen schreibt, sondern sie so bezeichnet, was sie wirklich sind: Gewalttäter.