Falsche Polizisten: Sicherstellungen in Wermelskirchen, Festnahmen in Dortmund

8. August 2019 um 20:40

Falsche Polizisten: Sicherstellungen in Wermelskirchen, Festnahmen in Dortmund

Bilder: Kreispolizeibehörde Rheinisch-Bergischer Kreis

Für manchen scheint es erstrebenswert zu sein, zu den Uniformierten zu gehören, Kontrollen durchzuführen und – genau das disqualifiziert solche Leute als echte Kollegen – ihre angebliche Macht zu demonstrieren. Innerhalb eines Tages hatte es die echte Polizei in Nordrhein-Westfalen zweimal mit falschen Kollegen zu tun, was in Wermelskirchen zur Sicherstellung eines falschen Streifenwagens samt Waffenarsenal führte und in Dortmund zu drei Festnahmen.

Falscher Streifenwagen und Waffenarsenal sichergestellt

Am Dienstagnachmittag fiel Polizisten in Wermelskirchen ein Fahrzeug auf, dass wie ein Streifenwagen mit reflektierender Folie beklebt war. Doch bereits zu diesem Zeitpunkt war den Polizisten klar, zum offiziellen Fuhrpark der Polizei konnte dieses Fahrzeug definitiv nicht gehören.

Eine eingehende Verkehrskontrolle folgte und die Polizisten entdeckten einiges. Da wäre, zum Ersten, die reflektierende Folie, die Privatfahrzeuge nicht haben dürfen. Verboten 1! Dann wäre eine Leuchte auf dem Dach, für die keine Betriebserlaubnis vorhanden war. Verboten 2!

Falsche Polizisten: Sicherstellungen in Wermelskirchen, Festnahmen in Dortmund

Bilder: Kreispolizeibehörde Rheinisch-Bergischer Kreis

Auf der Kofferraumabdeckung befand sich eine Lichtleiste, die der Fahrer vom Sitz aus steuern konnte. Verboten 3! Der 27-jährige Möchtegern-Polizist hatte im Gürtel ein Einhandmesser stecken. Verboten 4, da generell verboten! Im Kofferraum lagen der Softair-Nachbau eines Maschinengewehrs G36 und einer Pistole P99. Verboten 5, da sogenannte, ebenfalls generell verbotene, Anscheinswaffen!

Und zu guter Letzt lag im Handschuhfach griffbereit eine Walther P99 als PTB-Waffe und da der Mann hierfür keinen kleinen Waffenschein vorweisen konnte, ihr ahnt es: Verboten 6! Und wie es sich für einen “guten” falschen Polizisten gehört, hatte er auch noch weitere Gegenstände, die ihr auf dem Bild sehen könnt, die ebenfalls, wie alles zuvor genannte, sichergestellt wurden.

Neben mehreren verkehrsrechtlichen Verstößen wird sich der 27-Jährige auch wegen mehrerer Verstöße gegen das Waffengesetz verantworten müssen. Und neben einer Strafe, die er hier zu erwarten hat, wird er die sichergestellten Abzeichen und Waffen wohl nicht mehr zurück bekommen. Wie es heißt, sei er schon einmal mit ein so beklebten Fahrzeug unterwegs gewesen.

Falsche Kriminalbeamte mit Schusswaffe festgenommen

Eine ganz andere kriminelle Energie bewiesen drei falsche Kriminalbeamte in Dortmund, die nicht nur jünger waren als der Täter im vorgenannten Fall, sondern eine Personenkontrolle durchführten und dabei mit ihren Waffen prahlten.

Demnach befanden sich zwei 20-Jährige nachts gegen 01:35 Uhr in Dortmund am Preußen Bahnhof, als sie plötzlich von hinten von einem Mann angesprochen wurden, der von sich behauptete ein Kriminalbeamter zu sein und dann von den beiden Personen ihre Ausweise verlangte.

Den beiden 20-Jährigen kam das komisch vor und sie verlangten den Dienstausweis zu sehen. Doch den konnte der falsche Polizist nicht vorzeigen und so rief er angebliche Verstärkung hinzu. Die Verstärkung soll einen Teleskopschlagstock in der Hand gehalten haben und der kontrollierende Fake-Polizist hantierte an seinem Hosenbund herum, bis er dann eine Schusswaffe hervor zog.

Mit diesen Meinungsverstärkern verlangte der erste Falschpolizist nochmals die Ausweise der 20-Jährigen, die aber weiterhin standhaft blieben und sich – völlig zurecht – weigerten. Unverrichteter Dinge stiegen die beiden falschen Polizisten in ein Auto ein, das von einer dritten Person gesteuert wurde, und wollten wegfahren.

Im Vorbeifahren zeigte einer der 20-Jährigen den unfreundlichen Finger in diese Richtung, so dass der Wagen stoppte, einer der Falschpolizisten ausstieg und dem 20-Jährigen ins Gesicht schlug. Daraufhin wurde die echte Polizei alarmiert.

Ein echter Streifenwagen mit echten Polizisten darin, die auf gesetzlich vorgeschriebene Weise ausgestattet und ausgebildet sind und im öffentlichen Auftrag handeln, fahndeten nach den Fake-Cops und konnte das Auto auch auffinden, mit zwei Personen im Alter von 15 und 17 Jahren darin. Der 24-jährige Dritte war bereits verschwunden.

Beim 17-Jährigen fanden die echten Polizisten 6.000 Euro Bargeld, dessen Herkunft der Jugendliche nicht erklären konnte und/oder wollte. Der polizeibekannte 15-Jährige gab zu eine Schusswaffe dabei gehabt zu haben, die er jedoch dem Dritten übergeben habe, den er “nicht näher kenne”.

Trotz dickem Seemannsgarn wurden die beiden Personen festgenommen und auch der Dritte konnte noch festgenommen werden. Außerdem gibt es Hinweise auf einen weiteren vierten Tatverdächtigen. Nur den Teleskopschlagstock und die Schusswaffe konnten die echten Polizisten bislang noch nicht finden und sicherstellen

Unsere Informationen über das Phänomen “falsche Polizisten” findet ihr hier: http://p-m.blue/23