Gedanken von Linda (Polizistin): Zurück zum Anfang – Die Ernennung

28. August 2019 um 19:23 Uhr

Gedanken von Linda (Polizistin): Zurück zum Anfang - Die Ernennung

Bild und Text: Kollegin Linda

Linda hatten wir euch kürzlich bereits vorgestellt. Sie ist Polizeimeisteranwärterin und studiert gerade an der Fachhochschule der Polizei Sachsen-Anhalt. Wir freuen uns, dass wir ihr die Möglichkeit geben dürfen, ihr Erlebnisse und Eindrücke aus dem Polizeistudium zu veröffentlichen.

In ihrem ersten Blogbeitrag berichtet sie über ihre Ernennung, was sie gedacht und gefühlt hat und warum dies ein ganz besonderer Tag für sie, ihre Kollegen und die Angehörigen war:

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“546 Tage ist es bei mir her, dass ich wie einige von euch bald morgens aufwachte und wusste: Heute ist es soweit. 546 Tage ist es her, dass ich total aufgeregt das Ballhaus in Aschersleben betrat. Vor 546 Tagen war mein großer Tag der Ernennung zur Polizeimeisteranwärterin.

Mein Wecker klingelte ziemlich früh. Sonst komm´ ich ja echt nicht so leicht aus dem Bett aber an diesem Tag gab’s für mich kein „Schlummern und auf den nächsten Wecker warten“.

Mein Outfit hab ich mir natürlich schon Tage vorher überlegt. Also ab unter die Dusche, frisch machen und frühstücken, obwohl ich vor Nervosität echt nichts runterbekommen habe.

Dann ein letzter Blick in den Spiegel. Die Bluse sitzt, die Haare liegen. Also los geht’s!

Mama war so lieb und hat mich zur Fachhochschule gefahren. Mein einziger Halt, wenn ich so aufgeregt bin wie an diesem Tag. Was wär ich nur ohne sie …

Während der Fahrt dorthin gingen die Gesprächsanfänge meiner Mutter fast völlig an mir vorbei. Ich hab lieber völlig gedankenversunken aus dem Fenster geguckt. Aber so aufgeregt ich auch war, die Freude auf den Tag war mindestens genauso groß.

Nach einer Stunde Fahrt war ich also angekommen. Ich ging durch’s Tor auf das Gelände. Überall schick gekleidete Leute, die genauso ahnungslos dort standen und nicht so recht wussten, wo sie hinmussten. Auf der Einstellungszusage stand, dass der Treffpunkt der Hörsaal sei. Also lief ich der Masse auf gut Glück hinterher und kam tatsächlich im Hörsaal an. 😀

So viele Menschen und mittendrin ein bekanntes Gesicht. Zum Glück! Ich setzte mich dazu, quatschte kurz und dann wurde es ruhiger. Die Prorektorin begrüßte uns alle und erklärte uns den Ablauf des Tages. Einige mussten nochmal zur Abschlussuntersuchung. Ansonsten gab es einige Unterschriften und Belehrungen, die noch gemacht werden mussten.

Die Uhr zeigte schätzungsweise 10 Uhr und die Feierstunde der Ernennung begann laut Plan erst 15.30 Uhr. Und nun? – Freizeit bis zur Stellprobe.

Im Foyer des Hörsaals wurden Listen ausgehängt. Die Klasseneinteilung. Also drängelte auch ich mich dann durch die Massen und suchte auf all den Listen meinen Namen. Und dann stand er da, umgeben von so vielen unbekannten Namen. Mein erster Gedanke: „Schade, ich kenne niemanden.“. Aber kein Problem. Die Gespräche ergeben sich doch meist von selbst. Das wird schon.

Die Zeit bis zur Stellprobe verging irgendwie absolut nicht, aber ändern konnte ich daran ja leider auch nichts. Irgendwann fanden wir uns dann im Ballhaus ein. Neben den Klassenlisten wurden im Foyer in der FH schon die Sitzpläne ausgehängt.

Dann wurde zur Stellprobe aufgerufen. Ich orientierte mich an dem Foto vom Sitzplan, das ich in der FH gemacht habe und suchte zwischen den vielen Sitzreihen meinen Platz. Am Pult vor der Bühne stand eine Frau und erklärte uns, wie wir dann nach vorn zur Bühne gehen sollten. Einmal durchgegangen, fertig! So schwer war es ja nicht.

Allmählich trudelten die Angehörigen ein. Von meinen Eltern war noch nichts zu sehen.
An einer Bank saßen zwei Mädels und haben sich unterhalten. Ich bin dann einfach zu ihnen hingegangen. Hab mich vorgestellt und gefragt, in welchen Klassen sie sind. Natürlich in der Hoffnung, dass eine von beiden in meiner Klasse ist. Zum Glück waren Tanja und ich in derselben Klasse und wir haben uns sofort gut verstanden!

Ein Blick aufs Handy und die Feierstunde rückte immer näher. Die Aufregung breitete sich so langsam wieder in mir aus. Meine Eltern waren inzwischen auch da und nahmen mich nochmal in den Arm bevor sich alle auf ihre Plätze begaben.

Rektor und Innenminister betraten nacheinander das Pult, hielten ihre Begrüßungsreden. Um mich herum so viele Menschen. Über 500 Anwärter und die ganze Tribüne voller Eltern, Großeltern und Freunden. Ich hab nochmal kurz zu Mama und Papa geschaut, während das Polizeiorchester spielte.

Reihe für Reihe ging es für die einzelnen Anwärter dann nach vorn. Und dann war meine Sitzreihe an der Reihe. Ich stand auf, richtete meine Bluse und stellte mich mit den anderen an die Linie vorn. Der Rektor und der Innenminister fingen ganz links an und übergaben jedem die Ernennungsurkunde. Währenddessen nannte die Dame am Pult alle Namen. Das war schon echt komisch, seinen eigenen Namen durch das Mikrofon so laut zu hören. Aber gleichzeitig auch super cool. Insgeheim hoffte ich, dass meine Eltern nicht zu jubeln anfangen. Zugetraut hätte ich’s ihnen. 😀

Ich schüttelte Herrn Stahlknecht, dem Innenminister die Hand und war so unglaublich glücklich, endlich diese Urkunde in der Hand zu halten. Die Aufschrift auf dem Umschlag „Fachhochschule Polizei Sachsen-Anhalt“ hat mich schon so unglaublich stolz gemacht.

Im Publikum hab ich wieder nach den Gesichtern meiner Eltern gesucht. Die beiden standen hinten am Geländer und haben natürlich alles gefilmt!

Zurück auf meinem Platz hab ich mir meine Ernennungsurkunde gefühlt 100 Mal durchgelesen.
Während ich das hier gerade schreibe, schau ich rüber zur Wand. Da hängt sie, eingerahmt. Fühlt sich plötzlich so an als würde ich wieder dort im Saal sitzen und gerade frisch ernannt worden sein.

Die Feierstunde war dann nach „musikalischer Umrahmung“ (wie es immer so schön in den Programmheften steht) zu Ende. Überall strahlende Gesichter. Doch ein Strahlen ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Das meiner Eltern. Auch, wenn sie anfänglich etwas skeptisch waren.. Man konnte ihnen ansehen, wie stolz sie sind und das hat mich nur noch mehr bestätigt.

Aufgeregt war ich inzwischen gar nicht mehr. Dafür aber umso glücklicher. Meine Eltern und ich haben schnell noch ein paar Fotos gemacht. Zur Feier des Tages waren wir anschließend noch gemeinsam essen und haben den Abend ausklingen lassen.

Und das war sie .. Meine Ernennung zur Polizeimeisteranwärterin. Heute, 546 Tage später, kann ich sagen: Es gab bisher keinen Moment, in dem ich bereut habe, mich bei der Polizei beworben und die Ausbildung begonnen zu haben. Natürlich kommt es auch mal vor, dass absolut nicht mein Tag ist. Aber das gehört dazu. Insgesamt bin ich super glücklich und freue mich auf alles, was noch kommt!

Deshalb für alle, die sich bewerben wollen und vielleicht genauso unsicher sind, wie ich es zu Beginn war: Trau dich! Nimm es in die Hand und kämpfe für deine Träume. An alle anderen, die demnächst ernannt und in die Polizeifamilie aufgenommen werden: Freu dich und genieß die Zeit! Ich wünsche dir von Herzen ganz viel Spaß und Erfolg in der Ausbildung/im Studium! Sei offen für Neues und stay safe! ♥”

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