Gewaltbereitschaft wächst: Angriffe auf Polizisten in Köln in sieben Jahren verdoppelt

15. August 2019 um 19:04 Uhr

Gewaltbereitschaft wächst: Angriffe auf Polizisten in Köln in sieben Jahren verdoppeltErschreckende Zahlen, die uns da aus Köln (Nordrhein-Westfalen) erreichen. Zwar ist das Phänomen schon länger bekannt und auch bundesweit zu beobachten, doch das Ausmaß der wachsenden Gewaltbereitschaft gegenüber Polizisten bekommen wir in Köln vor Augen geführt.

Mehr 2.000 Mal pro Jahr werden Polizisten in der Rheinmetropole angegriffen und damit haben sich die Zahlen seit 2012 mehr als verdoppelt. Das bedeutet, 5 Übergriffe täglich. Die Täter kommen dabei aus allen Bevölkerungsschichten und aus jeder Altersgruppe.

Besonders im Kölner Kneipenviertel und bei Routinekontrollen im Straßenverkehr werden Polizisten angegriffen. Doch warum ist das so?

Klaus-Stephan Becker, Leiter der Kölner Kriminalpolizei, sieht in der steigenden Gewaltbereitschaft eine zunehmende Verwahrlosung der Gesellschaft. Das Gewaltmonopol des Staates werde immer weniger akzeptiert und so würden seine Kollegen in vielen Fällen nicht einmal von den Personen angegriffen, die von Polizisten kontrolliert werden, sondern von Unbeteiligten.

Doch es ist nicht nur eine immer öfter fehlende Akzeptanz in der Gesellschaft, oft schließen sich Gerichtsverfahren an, die einen Übergriff auf Polizisten zur Bagatelle werden lassen, wie im folgenden Beispiel.

Marius Rehbach ist Polizist und er hat schon kurz nach dem Ende seines Studiums feststellen müssen, wie gefährlich der Polizeiberuf sein kann. Nur wenige Wochen, nachdem er auf Streife war, versuchte ihm jemand bei einer Kontrolle ein Messer in den Bauch zu rammen. Zum Glück blieb es beim Versuch.

Doch wenige Jahre später erlebte Rehbach einen Angriff, der ihn ein Leben lang verfolgen wird. Bei einem Einsatz an Karneval wollte er Wildpinkler stellen. Einer von ihnen flüchtete und stieß den Polizisten auf der Flucht um. Rehbach stürzte und zog sich mehrere Bandscheibenvorfälle zu.

Er musste seinen Dienst in der Einsatzhundertschaft quittieren und auch auf Streife gehen kann er nicht mehr. Der 28-Jährige ist dazu verdammt Innendienst zu schieben und wird ein Leben lang Rückenschmerzen haben.

Das Strafverfahren gegen den Täter wurde gegen eine Geldauflage von 500 Euro an die Staatskasse eingestellt und bei einer Zivilklage konnte sich Rehbach 500 Euro Schmerzensgeld erklagen.

Die Polizei in Nordrhein-Westfalen reagiert durch bessere Ausstattung und Trainings auf diese Entwicklung. So wurden die Streifenwagen nun mit Kameras ausgestattet und in der Fortbildung bekommen die Beamten gezeigt, wie man sich gegen solche Angriffe schützen kann.

Auch eine Beratungsstelle wurde gegründet, die Polizisten psychologisch und rechtlich beraten soll. Doch das alles verhindert solche Angriffe und die teils schweren gesundheitlichen Folgen nicht. Denn im Straßenkampf wird es immer ein Ungleichgewicht geben, wenn wir Polizisten uns an die Regeln halten müssen, der Gegner dies zwar auch sollte, es meist aber nicht tut.