Mit Blasrohr und Pfeil: Bremerhavener Polizisten können Tiere betäuben

18. August 2019 um 13:32 Uhr

Wenn Polizisten einen Tiereinsatz haben bleiben ihnen meist nicht viele Optionen. Entweder müssen sie das Tier mit per Hand einfangen oder befreien oder sie müssen ihre Dienstwaffe einsetzen. In Bremerhaven haben die Beamten noch eine weitere Option: Sie betäuben das Tier mit Blasrohr und Betäubungspfeil.

Bereits seit 15 Jahren sind die Bremerhavener Polizisten in der Lage Tiere zu betäuben. Ursprünglich für Einsätze mit aggressiven Hunden gedacht, werden die Betäubungspfeile immer öfter auch bei Haus- und Wildtieren eingesetzt.

Erst kürzlich wurde ein Hund auf diese Weise narkotisiert, wie Polizist Christian Pöpke, einer der ausgebildeten Beamten, erläutert: “Ein Hund war auf einem Spielplatz angebunden. Er war aggressiv und hat niemanden an sich herangelassen.” Auch eine Katze wurde schon betäubt, weil sie sich nicht einfangen ließ und ein Fuchs und ein Reh, die sich in einem Zaun verfangen hatten, konnten so ruhig gestellt und dann gefahrlos befreit werden.

Die Polizisten tun das allerdings nicht ohne zu wissen, was sie da tun. Drei Polizisten wurden von einem Tierarzt im Zoo am Meer ausgebildet und diese wiederum haben ihr Wissen in Fortbildungen an weitere Kollegen weitergegeben, so dass mittlerweile 20 Polizisten diese Fähigkeit besitzen. So wird sichergestellt, dass praktisch immer ein Polizist im Dienst ist, der zu solchen Einsätzen heran gezogen werden kann.

Sowohl Theorie und Praxis gehören hier zu den Fortbildungsinhalten. Dazu gehört auch das Narkosemittel entsprechend dem Körpergewicht des jeweiligen Tieres zu mischen und den Pfeil aus einer bestimmten Entfernung in eine Muskelgruppe per Blasrohr zu platzieren.

Das Blasrohr kommt aber nicht nur zu Befreiung oder zum Einfangen von Tieren zum Einsatz. Auch bei Wildunfällen mit verletzten Wildtieren, wenn der Jäger unterwegs ist und die Polizisten vor Ort warten, hat man Mitgefühl mit den leidenden Tieren. “Dann setzen wir das Blasrohr aus Tierschutzgründen ein” und “können dem Tier mit der Betäubung zumindest die Schmerzen nehmen”, erklärt Polizist Pöpke.

Vom Igel bis zum Braunbär könne so jedes Tier narkotisiert werden, wenn dies aus verschiedenen Gründen notwendig sein kann. Nur bei Pferden ist man vorsichtig, da die sogenannten Fluchttiere durch den Schmerzreiz des Pfeils die ungeplante Flucht antreten könnten, mit unabwägbaren Folgen.