Risikobewertung: Polizei Berlin prüft Internetaktivitäten ihrer Polizisten

20. August 2019 um 12:05 Uhr

Risikobewertung: Polizei Berlin prüft Internetaktivitäten ihrer PolizistenWir sind Hauptstadt, das ist der Slogan der neuen Imagekampagne der Polizei Berlin, die sie sich von einer Werbeagentur für 200.000 Euro hat erstellen lassen. Man möchte sich, um mehr Nachwuchskräfte zu bekommen, ein besseres Image geben und von tatsächlichen und erfundenen Skandalen weg kommen.

Zeitgleich prüft die Innenrevision der Berliner Polizei nun die Internetaktivität ihrer Polizisten – und zwar ganz besonders derer, die auf Facebook, Twitter und Instagram recht erfolgreich sind. Darüber wurden vergangene Woche die Direktionsleiter unterrichtet und die Überprüfung ist bereits angelaufen.

Hintergrund sei angeblich, so wird berichtet, dass manche Beamte aus Berlin erfolgreicher seien als der offizielle Polizeiaccount. So hat zum Beispiel die aus Aserbaidschan stammende Polizistin Lana, die wir hier bereits vorgestellt hatten, auf Instagram über 65.000 Follower, die Polizei Berlin selbst nur über 44.000.

Zwar ist es Polizisten nicht verboten, einen eigenen Account zu betreiben - auch nicht in Uniform. Doch wie im realen Leben auch haben die Beamten sich an gewisse beamtenrechtliche Regeln zu halten, wie zum Beispiel das Mäßigungsgebot. Zudem müssen sie, wenn sie Einnahmen aus ihren Social Media-Accounts erzielen, diese anmelden und genehmigen lassen.

Doch es geht nicht nur um Einnahmen und Werbung. Auch stellt man sich in Berlin der Frage, wie die Unabhängigkeit der Polizisten gewahrt werden kann, wenn sie Bilder von sich in Uniform posten und tags darauf ein Bild beim privaten Sport aus einem bestimmten Fitnessstudio.

Polizeipräsidentin Barbara Slowik, die die Überprüfung angeordnet hat, geht es, so hat es den Anschein, um die Einhaltung beamtenrechtlicher Pflichten, Nebentätigkeiten, Korruptionsbekämpfung und mögliche Interessenkonflikte. Zumindest vordergründig. Ob andere Ziele hier auch noch verfolgt werden, ist nicht bekannt.

 

Unsere Meinung:

Gerade Berliner Kollegen sind stark, besonders auf Instagram, vertreten und haben teils sehr erfolgreiche Accounts. Doch auch uns ist schon aufgefallen, dass da teilweise etwas über das Ziel hinaus geschossen wird. Doch das sind Ausnahmen und ein Großteil der Kollegen, die sich dort in Dienstkleidung präsentieren, tun etwas für das Image der Polizei.

Gerade auf Instagram, wo bekanntermaßen viele junge Social Media-User unterwegs sind, kann man mit einem guten Bild und wenig Text Einblicke in den Polizeiberuf geben und Nachwuchswerbung betreiben - völlig kostenlos für die Behörde und teilweise mit großem Erfolg. Fanpages der Follower beweisen das.

Deswegen sollte die Polizei in Berlin nicht mit der Gießkanne über die Accounts gehen und sie reihenweise dicht machen lassen. Natürlich müssen die Kollegen sich an die ihnen bekannten Regeln halten. Das steht völlig außer Frage. Ansonsten sollte die Revision aber mit Maß, Ziel und Verhältnismäßigkeit vorgehen.

Denn eines ist sicher: Jede Kollegin, jeder Kollegen, der seriös aus seinem Leben als Polizist oder Polizistin berichtet, betreibt gewollt oder ungewollt Imagewerbung. So wie wir auch. Das ist kein Übel, das ist eine Chance.

Es wäre so langsam an der Zeit, wenn die Polizeibehörden in Bund und Ländern dies begreifen würden und ihre Beamten darin bestärken und fördern, selbst als Polizist im Internet aufzutreten, wenn sie das selbst möchten. Schulungen, die Medienkompetenz vermitteln, sollten in Aus- und Fortbildung wichtiger Bestandteil werden.

Wie das geht, zeigen die Niederlande und auch Schweden, wo Polizisten viele eigene Accounts betreiben, massenweise Bilder und Selfies posten, auch aus dem Einsatz, und damit die Polizei transparenter und bürgernäher darstellen. Übrigens sehr erfolgreich. Zudem kann sich ein solcher Auftritt für die niederländischen Kollegen positiv auf eine Beförderung auswirken.

Die wenigen offiziellen personalisierten Accounts aus Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz beweisen, dass es auch anders gehen kann und sollten als Vorbild im nicht mehr ganz so neuen Internetzeitalter angesehen werden. Denn die Digital Natives, also die Generation, die sich ein Leben ohne Internet gar nicht mehr vorstellen kann und damit aufgewachsen ist, tritt nun in den Polizeidienst ein.

Das könnte man sich doch Zunutze machen...