Statement: Worte können töten – Von einer permanenten ungeahndeten Grenzverletzung

3. August 2019 um 18:46 Uhr

Statement: Worte können töten - Von einer permanenten ungeahndeten GrenzverletzungBezugnehmend auf einen Vorfall in Frankfurt (Hessen), bei der eine Personenkontrolle eskaliert war, Polizisten angegriffen und verletzt wurden und in soziale Medien geteilte Videoschnipsel angebliche “Polizeigewalt” belegen sollten, hatten wir gestern die Gedanken eines Kollegen veröffentlicht.

Sein elfjähriger Sohn hatte auf sein Handy unter Hinweis auf diesen Vorfall eine Nachricht erhalten, mit dem Kommentar “ACAB” (All Cops Are Bastards), obwohl sein Vater bei diesem Vorfall überhaupt nicht eingesetzt war. Sippenhaft, die der Sohn nicht verstehen konnte und die ihn erschütterte.

Hierzu hatte unser Teammitglied TM einen Kommentar verfasst, dem wir uns als Team nur anschließen können und den wir an dieser Stelle als Statement mit euch allen teilen möchten:

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Ich habe schon vor über 5 Jahren, zum Anfang unserer Seite, gesagt, dass die Verrohung der Gesellschaft über die Sprache erfolgen wird. Leider habe ich damit Recht behalten. Ich hätte mich gerne geirrt aber schon zu der Zeit war mir das sehr klar.

Gewalt beginnt mit dem Wort, immer.

Zuerst steht immer das Wort. Beleidigungen, Diffamierungen, Respektlosigkeit wurde, unbewusst aber zum Teil auch bewusst, gefördert. Beleidigungen haben seit geraumer Zeit in der rechtlichen, staatsanwaltlichen und richterlichen Betrachtung kaum noch einen Status der über die Bagatelle hinaus geht.

Selbst höchstrichterlich, also durch unser Bundesverfassungsgericht, wurden Urteile/Entscheidungen getroffen, die der Respektlosigkeit den Weg weiter ebneten. Stichwort Kollektivbeleidigung. Zuvor schon im Fall “Soldaten sind Mörder”, später dann im Fall ACAB. Auch Bulle als Betitelung trug dazu bei.

Aber auch Beleidigungen ganz außerhalb von Polizei werden kaum noch als Straftat im eigentlichen Sinne gewertet bzw. werden kaum noch dementsprechend abgeurteilt. Man scheint sich nicht gefragt zu haben, was solche Beleidigungen mit Menschen machen können und man hat nicht bedacht, das jeder Mensch ein Individuum ist, auch wenn er sich in einer Gruppe befindet.

Der Ausspruch ACAB ist eine tief verletzende und entwürdigende Beleidigung. Höchstrichterlich wird einem Polizisten, der sich in einer Gruppe bewegt, jedoch abgesprochen sich dadurch beleidigt fühlen zu können. Ebenso verhält es sich bei Soldaten im Falle von Soldaten sind Mörder.

Höchstrichterlich wurde also entschieden, dass man seine Eigenschaft als Individuum verliert, sobald man sich als Polizist in einer nicht näher eingrenzbaren Gruppe befindet. Das kann jeder sehen wie er will, für mich ist das eine höchstrichterlich entschiedene Entmenschlichung von Polizisten und auch von Soldaten.

Mittlerweile schaut wohl fast jeder Polizist darüber hinweg, die Frage aber bleibt, ob sie das tun, weil es ihnen wirklich egal ist, oder ob es so ist, weil man einfach resigniert hat, es hinnimmt, weil einem ja nunmal nichts anderes übrig bleibt oder man es ausblendet, um sich selbst auch zu schützen, um so etwas nicht mit nach Hause zu nehmen.

Jedenfalls wurden so Grenzen eingerissen und Hemmschwellen herabgesetzt. Der Mensch ist ein vernunftbegabtes Wesen aber er wendet diese Begabung nur all zu oft nicht an. Der Mensch hat schon immer Grenzen eingerissen, das liegt in seiner Natur und deshalb hat man im gesellschaftlichen Zusammenleben eben rechtliche Grenzen geschaffen.

Diese wurden in dem Bereich immer weiter aufgeweicht und entsprechend seiner Natur hat der Mensch dann eben begonnen Grenzüberschreitungen vorzunehmen. Da ihm dabei dann nicht klar gemacht wurde, dass er mit seiner Grenzüberschreitung die Rechte anderer verletzt, geht er weiter und was haben wir heute?

Ein Mehr an Angriffen auf Polizisten und andere Blaulichter und, wie der Kollege beschreibt, einen Jungen der in seinem viel zu jungen Alter mit Dingen konfrontiert wird, die ihm schlicht als Kind nicht passieren sollten und ihn, wie seine Tränen zeigen, schwer verstören.

Wie soll er das auch verstehen, dass sein Vater, sein Held, sein Vorbild plötzlich zur Zielscheibe wird. Sorry, das ist von einem Kind schlicht zuviel verlangt. Ich weiß nicht wer das hier lesen wird, ist ja ein etwas längerer Text aber ich hoffe dennoch, dass es einige tun und dann einfach mal, auch wenn es sich schwülstig anhört, in sich gehen und sich darüber bewusst werden, dass Worte töten können, und wenn es nur bildlich gesehen eine kleine Kinderseele ist.

Geht in euch und überlegt, wie ihr mit Menschen sprecht und denkt daran wie ihr euch selbst schonmal gefühlt habt als ihr von jemandem beleidigt wurdet.

Worte können töten.