Tödlicher Schuss beim Einsatztraining: Ex-Polizist zu Bewährungsstrafe verurteilt

4. September 2019 um 20:43 Uhr

Tödlicher Schuss beim Einsatztraining: Ex-Polizist zu Bewährungsstrafe verurteiltEnde November 2018 berichteten wir euch von einem Vorfall in Bonn (Nordrhein-Westfalen). Nach einem Einsatztraining im dortigen Polizeipräsidium hatte sich aus einer Waffe ein Schuss gelöst und das Projektil hatte einen 23-jährigen Polizisten getroffen. Der Beamte kam in ein Krankenhaus, wo er Mitte Dezember seinen Verletzungen erlag. In einer bewegenden Trauerfeier war Julian Rolf im Kreise der Familie und den Kollegen beigesetzt worden.

Der Vorfall wurde nun juristisch vom Landgericht (LG) Bonn bewertet. Drei Verhandlungstage später wurde am vergangenen Montag das Urteil verkündet. Doch die Beweisaufnahme konnte nicht vollständig aufklären, warum es zu der tödlichen Schussabgabe gekommen war.

Zur Debatte standen verschiedene Möglichkeiten. Der 22-jährige Angeklagte wies mehrfach die Möglichkeit von sich, dass er den Schuss absichtlich abgegeben hatte. Kurz nach dem Vorfall soll er zu einem Kollegen gesagt haben, dass er der Meinung, noch die sogenannte Rotwaffe (unscharfe Trainingswaffe) in der Hand zu halten. Die Schussabgabe fand jedoch im Spindraum statt und dort war die Rotwaffe gegen die normale Dienstwaffe bereits getauscht worden.

Als abwegig eingestuft wurde seitens des LG die Erklärung des Angeklagten, er hätte die Waffe ins Holster stecken wollen und weil er sich hierbei durch ein Geräusch erschreckt habe, habe er “unbewusst und reflexartig” abgedrückt. Diese Möglichkeit “ist außerhalb jeder Nachvollziehbarkeit”, so der Kammervorsitzende Klaus Reinhoff. “Innerhalb weniger Minuten will er sämtliche Polizeiregeln, die ihm antrainiert waren, verletzt haben”, ergänzt Reinhoff, da der Angeklagte von den Kollegen als “verantwortungsvoll” beschrieben wurde.

Staatsanwalt Timo Hetzel sah eine mögliche Verwechslung zwischen Rotwaffe und Dienstwaffe als Ursache, als der Angeklagte eventuell spielerisch oder in Nachstellung einer Trainingsszene die Waffe in der Hand hatte und abdrückte. Dies würde sich zumindest mit der Schilderung eines Zeugen decken, der zu seinem Eindruck kurz nach dem Einsatztraining aussagte: “Als ich den Schuss hörte, dachte ich: Was haben die sich denn jetzt schon wieder für uns ausgedacht.” Staatsanwalt Hetzel beantragte eine 3-jährige Haftstrafe.

Die Eltern des getöteten 23-jährigen Polizisten Julian Rolf wohnten der Verhandlung, wie auch der Urteilsverkündung, wortlos als Nebenkläger bei. Die Mutter hielt ein Bild ihres Sohnes in beiden Händen, während der Vater, ebenfalls Polizist, sich mehrfach die Tränen aus dem Gesicht wischen musste.

Das Urteil

Die 4. Große Strafkammer verurteilte den 23-jährigen Schützen, der zwischenzeitlich den Polizeidienst quittiert hatte, wegen fahrlässiger Tötung zu einer Freiheitsstrafe von 2 Jahren, die gegen eine Zahlung von 3.000 Euro an die Polizeistiftung NRW zur Bewährung ausgesetzt wurde. In seiner Urteilsbegründung wandte sich Richter Reinhoff auch an die Eltern des verstorbenen Polizisten mit den Worten: “Es tut mir leid, dass wir ihnen keine letzte Gewissheit verschaffen konnten, warum ihr Sohn sterben musste.”

Egal welches Urteil das Gericht hätte fällen können, es macht Julian Rolf nicht wieder lebendig. Es bedeutet zumindest ein (juristischer) Abschluss, so dass die Eltern sich auf ihre Trauerarbeit konzentrieren können. Wir sind in Gedanken bei den Eltern und den Kollegen, denen dieser Tage der Vorfall sicher noch in schlimmer Erinnerung sein wird.