Fiktive Polizeigeschichte: Blackbeer(t)

10. November 2019 um 18:57 Uhr

Fiktive Polizeigeschichte: Blackbeer(t)Heute zu Dienstbeginn erwartete mich und meine Kollegen eine Überraschung. Wir haben einen Satz neue Uniformen bekommen.

Der Haken: Die Uniformteile sind bespickt mit Logos von mehr oder minder bekannten Marken. Dies sei eine gute Möglichkeit, das geringe Gehalt aufzustocken. Man müsse nur bei den polizeilichen Maßnahmen einen Werbespruch einer Marke aufsagen.

“Nicht nur, dass das Grundgesetz mit Füßen getreten und unsere Uniform verschandelt wurde. Unser Auto mussten die auch noch mit prostituieren.”

Beim Besteigen des Funkwagens habe ich mich wieder gefühlt, wie ein Kind, dass zwecks regionalem Fußball- Auswärtsspiel in den mit Sponsoren zugespickten Sprinter steigt.

“Wir sehen doch total lächerlich aus. So wird man doch nicht mehr ernst genommen.”

Das erste mal, seid ich auf der Straße bin, wurde ich gebeten, der Fahrer zu sein. Was sich wie ein Kompliment anhört ist aber nur Faulheit meines Kollegen.
Er fährt nicht gerne.

“Swob, ich fahre zwar echt nicht gerne, aber wenn du jetzt nicht mal langsam ein bisschen schneller fährst, sehe ich mich gezwungen,…”

Mein Kollege wird vom Funk unterbrochen. Wir sollen doch mal zu einem Verkehrsunfall, nur Blechschaden, fahren.
Mein Kollege notiert sich die Straße und Zeit für die Aufnahme und bestätigt unseren Auftrag. Bei der nächsten Gelegenheit wende ich und fahre zurück. Die Fahrt verging ohne ein gesprochenes Wort im Funkwagen.

Viel mehr konzentrierte man sich auf die plötzlich stehenbleibenden Passanten, die mehr denn je auf unseren Funkwagen schauen.

Ein Touristenpärchen knipst Selfies mit uns im Hintergrund und ein “Hop on-Hop of”-Touristenbus hält neben uns an, um zu erklären, warum wir es scheinbar nötig haben, Sponsoren anzuheuern. Ein erneutes Blitzlichgewitter aus dem Bus prasselt auf uns nieder.

Kurze Zeit Später kommen wir beim Unfallort, einer Landstraßen ähnlichen Straße, an. Eine schwarze Mercedes S-Klasse ist einem weißen VW-Polo hinten drauf gefahren. Sie sind scheinbar noch fahrbereit. Die Unfallbeteiligten stehen rechts neben den PKW und diskutieren lautstark.

Ich schaue mir noch einmal den Zettel an, der bei meiner neuen Uniform bei lag. Dann steigen mein Kollege und ich aus.

“Guten Tag, Polizei Berlin”, stellt er uns vor.
“Erzählen sie uns doch erst einmal, was…”

“Dieser Polizeieinsatz wird präsentiert von ‘Onlisino’, ihrem Onlinekasino”, unterbreche ich meinen Kollegen.
“Zahlen sie jetzt 50 € ein und wir verfünffachen ihre Ersteinzahlung. Onlisino, möge das Glück steht’s auf eurer Seite sein.”

Die Unfallbeteiligten schauen abwechselnd auf mich und meine Uniform, meinem Kollegen und dem “Sponsored by… ” Funkwagen. Mein Kollege guckt ebenfalls zu mir und schüttelt seinen Kopf.

“Wer waren sie noch gleich?”, fragt der Mercedes-Fahrer.
“Wir sind von der Polizei Berlin”, wiederholt sich mein Kollege.
“Erzählen sie uns doch erst einmal, was passiert ist.”

Die VW Fahrerin räuspert sich: “Ich bin die Landstraße entlang gefahren, als ein Fuchs vor mir über die Straße lief. Ich bremse und dann ist mir dieser S-klassige Fahrer auch schon drauf gefahren.”

“Selber S-klassig”, sagt die S-Klasse.

“Das war natürlich unglücklich für sie”, sagt mein Kollege.
Ich nicke und zeige auf den Onlisino-Schriftzug auf meiner Uniform.

“Lass das, bitte.” Er zieht meinen angewinkelten Arm runter.

“Und wie haben sie den Vorfall wahrgenommen?”, wende ich mich nun an den Mercedes-Fahrer.

“Ich bin ganz normal gefahren, ich war schon zu spät für mein Termin, als die Polo-Tante hier ganz urplötzlich, ohne Vorwarnung, gebremst hat.”

Ohne wirklich nachdenken zu müssen erklärt mein Kollege dem Mercedes-Fahrer:

“Wir werden sie jetzt erst einmal als Unfallverursacher notieren, da sie scheinbar nicht genügend Abstand zum vorherfahrendem Fahrzeug gehalten haben.”

Nun wendet er sich an die VW Fahrerin:

“Aber sie trifft eine Teilschuld. Sie dürfen nicht einfach so für ein Tier bremsen, wenn so eine Person zu Schaden kommen könnte.”

Ich gebe meinem heutigen Kollegen zu verstehen, in den Funkwagen zu steigen und den Verkehrsunfallvordruck inklusive Ordnungswidrigkeitenanzeige auszufüllen. Als ich damit fertig bin gehe ich wieder zurück.

“Wir werden Ordnungswidrigkeiten gegen sie beide schreiben. Dazu können sie sich äußern, müssen es aber nicht”, belehrt mein Kollege die Querulanten.

“Diese Ordnungswidrigkeiten werden präsentiert von Blackbeer(t.) ‘Das starke unter den Dunklen!’ (Jetzt auch alkoholfrei genießen.)”

Die Beteiligten tauschen ihre Daten aus und steigen in ihre PKW. Mein Kollege tut es dem gleich und setzt sich auf den Beifahrer.

Auf der Tür ist der braun gebrannte Körper einer attraktiven, schlanken Frau im Bikini zu sehen. Sie wirbt für ein Solarium.
Der durchaus sexy Körper wird abgeschlossen von einem im Auto sitzenden, mies drein blickenden, bärtigen Mann, der genervt von seiner Uniform und seinem Kollegen ist.

Ich lache und steige dann ein.

“Diese Streifenfahrt wird präsentiert von der DB”, sage ich. “Jetzt die BahnCard 25 kostenlos ausprobieren und…..”

“Halt die Klappe und fahr einfach!”

©️ Mathieu Swoboda