Fiktive Polizeigeschichte: Wie im Zoo!

2. November 2019 um 20:16 Uhr

Fiktive Polizeigeschichte: Wie im Zoo!Ein frisch ausgebildeter Kollege und ich laufen auf einem Berliner Volksfest Streife. Dort sollen wir für Recht und Ordnung, vor allem aber auch für ein höheres Sicherheitsgefühl der Gäste sorgen.

Wir schlendern einmal an den Fressbuden, Karussellen und Verkaufsständen vorbei und kommen dann wieder an einem der Haupteingänge an.

Dann stellen wir uns an die Seite und beobachten die herein und heraus laufenden Menschenmassen.

“Weißt du, was mich total nervt?”. fragt mein Kollege.

“Ne”, sag ich. “Was denn?”

“Dass einen alle Menschen beobachten, wenn man Uniformiert ist.”

Ich lache.

“Daran gewöhnst du dich noch.”

“Fast so, als wäre man im Zoo. Nur auf der anderen Seite der Gehege.”

“Das ist jetzt aber doch ein Bisschen zu hart, oder?”, frage ich.

Ein junger Mann mit gepflegt aussehendem Bart hämmert 2 Meter neben uns ein Holzschild in den Boden.

“NICHT STREICHELN ODER FÜTTERN — BISSIG!”

Dann schnallt er sich einen Korb um den Bauch.

Eine Menschentraube sammelt sich um uns, ein paar haben sich für 1,50 € eine Tüte mit Popcorn aus dem Korb gegönnt.

Eine Zeitlang beobachten wir das Geschehen.

“Mama”, ruft plötzlich ein halbstarker Teenager. “Mama, die sind voll doof und langweilig. Die machen gar nichts.”

Dann greift er in seine kleine Papiertüte, holt eine Handvoll Popcorn heraus und schmeißt sie in unsere Richtung.

“Die Polizisten aus Berlin sind eine sehr merkwürdige Rasse unter den deutschen Polizisten”, fängt nun eine weibliche, mitte 40-jährige Person an zu erklären.
“Von Forschern werden sie auch ‘Überlebenskünstler unter den Polizisten’ genannt, da sie trotz der schlechten Versorgung der Pfleger jeden Tag aufs Neue überstehen. Das liegt auch daran, dass sie aufeinander gut aufpassen.”

Ich hole zwei Popcörner aus dem Jackenkragen meines Kollegen. Ich lasse sie fallen. Ich mag kein salziges Popcorn.

Der Teenager macht große Augen, lacht, und wirft noch eine Handvoll nach uns.

“Auch wenn sich dies bis in ein paar Jahren ändern soll, kämpfen Schützer weiter für ihre Rechte.” Ein Raunen geht durch die Menge.

Der Junge wird mutiger. Er schüttet den Rest aus seiner Tüte in seine freie Hand, stellt sich direkt vor uns. Erst hält er uns mit ausgestrecktem Arm das Popcorn entgegen. Da wir nicht reagieren, nimmt er ein Popcorn und wirft es meinem Kollegen genau ins Auge.

Mein Kollege findet das nicht witzig.

Er haut ihm das Popcorn von unten aus der Hand. Ein Blitzlichtgewitter erhellt die Nacht.

Der Teenager wirkt geschockt und rennt weinend zurück zu seine Mutter.

Diese ist empört und fängt gleich an, einen Beschwerdemail an die Zooleitung zu schreiben.

Es folgen Buhrufe, gefolgt von weiteren Popcornwürfen.

Kurz darauf sind alle Personen verschwunden.

In der Spätausgabe der hiesigen Zeitung sind auf dem Titelbild zwei uniformierte Personen zu sehen, von denen einer einem harmlos dreinblickenden 15-jährigen Jungen mit brutaler Polizeigewalt auf den Handrücken geschlagen wird.

©️ Mathieu Swoboda