Überheblich: Vizepolizeidirektor staucht Notrufbeamten rüde zusammen

27. November 2019 um 18:59 Uhr

Überheblich: Vizepolizeidirektor staucht Notrufbeamten rüde zusammenRespekt, Anerkennung und einen fairen Umgang miteinander. Das ist es, was wir immer wieder einfordern müssen, weil diese Eigenschaften in den letzten Jahren merklich abgenommen haben. Aber wie soll wir Polizisten das von Bürgern erwarten können, wenn das schon innerhalb der Polizei nicht funktioniert?

In der Steiermark (Österreich) sorgt ein aufgezeichnetes Telefonat für Unmut, nicht nur unter den Kollegen. Was passiert war:

Der stellvertretende Landespolizeidirektor Alexander Gaisch hatte in seinem Wohnort Anfang September ein Feuerwerk festgestellt. Er wollte wissen, ob dies ein genehmigtes Feuerwerk sei und rief daher die örtlich zuständige Dienststelle an. Da diese unbesetzt war, wurde der Anruf an die Landesleitzentrale automatisch weitergeleitet und ein dortiger Notrufbeamter nahm den Anruf entgegen.

Der Verlauf dieses Telefonats lässt einen fragend zurück und ist im Artikel des ORF nachzuhören. Insgesamt dauerte das Telefonat knapp 3 Minuten, von denen der Anrufer Gaisch den Notrufbeamten 2 Minuten lang von oben herab zusammen staucht und wie einen Schulbuben behandelt. Erst danach sagte er, warum er überhaupt angerufen hatte.

Zwar stellt sich Gaisch namentlich vor und fügt sogleich hinzu, dass er der stellvertretende Landespolizeidirektor sei. Darauf folgt sofort die Frage, ob der Notrufbeamte ihn kenne, was dieser verneint. Am Telefon kann schließlich jeder von sich behaupten irgendeine Person zu sein. Wenn man sich nicht persönlich kennt, bleibt diese Angabe immer fraglich.

Im weiteren Verlauf des Telefonats bestellt Gaisch den Notrufbeamten für den darauffolgenden Montag um 8 Uhr morgens in sein Büro und dann müsse dieser sämtliche Namen der Führungskräfte auswendig aufsagen. Könne er das nicht, drohte Gaisch dem Polizisten ein Disziplinarverfahren an.

Landespolizeidirektor Gerald Ortner wollte den Vorfall nicht kommentieren, ließ aber über Polizeisprecher Fritz Grundnig ausrichten, dass Gespräche mit den beiden Beteiligten stattgefunden hatten. Gegen den Notrufbeamten sei kein Disziplinarverfahren eingeleitet worden. Weiter möchte sich aber auch Grundning nicht zur Sache äußern:

“Dieser Hofrat ist auch mein Vorgesetzter, und ich bitte um Verständnis, dass ich diese Aussagen nicht kommentieren und bewerten möchte. Dass dieses Gespräch sehr emotional abgelaufen ist, kann man bestätigen.”

Aus dem Innenministerium heißt es, dass man erst gestern Abend von dem Vorfall erfahren habe. Der Sachverhalt und auch mögliche dienstrechtliche Konsequenzen würden geprüft. Als erste Maßnahme sei der stellvertretende Polizeidirektor bis auf weiteres in die Landesstelle des Bundesamtes für Asyl- und Fremdenwesen versetzt worden.