Unser Jahresrückblick: Das war 2019 – unsere Wünsche für 2020

31. Dezember 2019 um 19:57

Unser Jahresrückblick: Das war 2019 – unsere Wünsche für 2020Ein ereignisreiches Jahr liegt hinter uns. 2019 hielt für uns alle so manche Überraschung parat. Bei manchen lief das Jahr ganz gut, bei anderen weniger.

 

Fangen wir mit den weniger schönen Dingen an.

Wir mussten im Laufe des vergangenen Jahres viele schlimme Nachrichten schreiben. Ob Unfälle, Angriffe auf Kollegen, fehlende Wertschätzung (extern wie intern), fragwürdige Gerichtsurteile, Fehler aus verantwortlichen Reihen, verletzte und sogar getötete Kollegen.

Wir möchten ausdrücklich auf unserer Seite die gesamte Bandbreite der polizeilichen Arbeit, aber auch den Einblick in unser Denken und Fühlen darstellen. Uns persönlich, den Admins im Team, fällt es allerdings immer schwer, negative oder schlechte Nachrichten zu veröffentlichen.

Sie kosten Kraft, verursachen oft Unverständnis, auch wenn uns derlei aus dem täglichen Dienst selbst bekannt ist. Aber sie gehören dazu und zeichnen leider allzu oft ein negatives Bild vom Polizeiberuf, wogegen wir regelmäßig unsere Sicht der Dinge versuchen darzustellen und so um Verständnis zu werben.

Auch erhielten wir viele persönliche Zuschriften unserer Leser. Menschen, die Probleme hatten, die Hilfe oder einfach nur Verständnis suchten. Hier haben wir so gut es ging geholfen und zwar auf sämtlichen Seiten, namentlich auf Facebook, Twitter, Instagram, Youtube und per Email.

Falls wir mal jemanden vergessen haben sollten, was durchaus vorkommen kann: bitte nicht böse sein. Wir betreuen unsere Seiten in unserer knappen Freizeit und wir hoffen, dahingehend auf Verständnis, wenn uns auch mal ein Fehler unterläuft oder wir mal jemanden vergessen haben.

Allerdings wissen wir auch, dass bei einigen unserer Leser das Jahr 2019 ein schreckliches Jahr war, mit dienstlichen und/oder privaten Problemfeldern, Schicksalsschlägen, Krankheiten oder anderen Steinen, die ihnen in den Weg gelegt wurden.

Manch einer hat sich uns anvertraut, wie kürzlich ein Kollege, der über dienstliche Erlebnisse auf seinem eigenen Account geschrieben hat (freilich ohne Rückschlüsse auf Ort oder Person) und deswegen dienstliche Konsequenzen zu spüren bekam, die völlig aus der Luft gegriffen waren. Und das im Internetzeitalter. Zum Kopfschütteln. Wir hoffen, dass gerade für euch alle das Jahr 2020 eine positive Wendung bereit hält!

Das Jahr begann mit einer schlimmen Nachricht. Im Februar musste wir darüber berichten, dass ein Streifenwagen auf einer Einsatzfahrt im Saarland verunfallte, sich überschlug und gegen einen Laternenmast prallte. Der Fahrer wurde schwer verletzt, die Beifahrerin erlitt so schwere Verletzungen, dass sie noch an der Unfallstelle verstarb. Charly Braun starb nur wenige Tage vor ihrem 23. Geburtstag.

Ein weiterer Kollege starb bei einem Unfall auf einer Einsatzfahrt in Hessen auf der Autobahn, ebenfalls im Februar, als der Streifenwagen gegen eine Betonbegrenzung prallte. Auch hier wurde der Fahrer schwer verletzt, der Beifahrer wurde an der Unfallstelle reanimiert, verstarb aber später mit 33 Jahren im Krankenhaus.

Nur wenige Tage später starb im März in der Bereitschaftspolizeiabteilung Würzburg ein Polizeischüler, als es durch einen Kollegen zu einer unbeabsichtigten Schussabgabe kam. Im Juli starb ein Beamter des SEK Frankfurt, als er bei der Verfolgung eines Straftäters von einem Zug erfasst wurde. Im November mussten wir von Diensthund Grimm aus Oldenburg Abschied nehmen, der im Dienst vermutlich einer Lungenembolie erlag.

Im März bat ein Kollege um “Briefe für Kalle“. Kalle befand sich bereits seit Herbst 2018 im Krankenhaus, die Genesung verzögerte sich und der lange Krankenhausaufenthalt nagte an seiner Zuversicht. Ein Kollege wollte durch positive Zuschriften erreichen, dass Kalle wieder hoffnungsvoll auf seine Genesung blickt. Es kamen sehr sehr viele Briefe zusammen, wofür wir dankbar sind! Doch leider verstarb Kalle, der als ein echter “Bulle” positiv beschrieben wurde, im April im Krankenhaus.

Den zahlreichen verletzten Kollegen, die im Einsatz teils so schwer verletzt wurden, dass sie auch ins neue Jahr hinein dienstunfähig sein werden, wünschen wir eine möglichst schnelle und vollständige Genesung!

Für die Kollegen, die wir in diesem Jahr verloren haben, erheben wir die Hand zum Salut. Wir denken an euch, wir fühlen mit den Angehörigen und stehen an der Seite der Kollegen. Ihr seid mit eurer Trauer nicht alleine.

 

Demgegenüber gab es aber auch viele schöne Momente.

So lernten wir im Laufe des Jahres einige Polizisten kennen. Ihre Geschichten könnt ihr in unseren Rubriken “Mit den Kollegen auf Streife” noch einmal nachlesen. Auch haben uns viele Kollegen, aber auch Angehörige von Polizisten, in persönlichen Zuschriften ihre Gedanken- und Gefühlswelt offenbart, die wir in Form von Leserbriefen veröffentlicht haben – unter anderem auch in unserer Rubrik “Die positive Geschichte“. Vielen Dank dafür!

Über so einige Kuriositäten und lustigen Momente haben wir zusammen gelacht. Manche unserer Leser haben wir auch ins Herz geschlossen und würden es missen, keinen regelmäßigen Kontakt zu haben. Und sogar einige Freundschaften hat uns der Kontakt über die Seite beschert, bei manchen “nur” virtuell, bei anderen auch persönlich. Dafür sind wir sehr dankbar!

Auch im Jahr 2019 blieb Polizist=Mensch die größte inoffizielle Polizeiseite für den gesamten deutschsprachigen Raum und wir danken allen, die dazu beigetragen haben, durch Zuschriften, Bildgrüße, Kommentare oder durch ihren Like. Ohne euch wären wir nicht das, was wir heute sind…

Im Dezember riefen wir zu einer weiteren Aktion auf. “Briefe für Steve” soll einem Kollegen aus München Zuspruch bringen, der am dortigen Hauptbahnhof feige von hinten niedergestochen wurde und seit dem im Krankenhaus liegt. Wie wir erfahren haben, ist der Kollege auf dem Wege der Besserung und wir wünschen ihm auf diesem Wege alles Gute!

Mehrfach wurde Polizist=Mensch im vergangenen Jahr in den Medien zitiert. So kam es im Mai zu einem emotionalen Moment bei der Europawahl vor der rumänischen Botschaft in München. Ein Kollege des USK zeigte sich von seiner menschlichen Seite und erntete dafür großen Applaus. Das Ganze wurde auf Video aufgenommen und uns zugespielt. Nachdem wir darüber berichtet hatten, wurde die Presse in Deutschland und Rumänien ebenfalls darauf aufmerksam und es wurde über “diesen deutschen Polizisten” äußerst positiv berichtet.

Im August wurden wir von einer Tageszeitung in Sachsen-Anhalt interviewt und auch in der Mitarbeiterzeitung der Landespolizei Sachsen-Anhalt, dem Polizeikurier, durften wir zu Wort kommen. Vielen Dank dafür!

Ein besonderer Dank geht an unsere regelmäßigen Leser und Kommentatoren, Bildeinsender und Geschichtenerzähler. Auch möchten wir allen danken, die uns im Laufe des Jahres durch ihre positiven Zuschriften gezeigt haben, dass wir mit Polizist=Mensch etwas Besonderes auf die Beine gestellt haben, was gefällt und uns bestätigt, dass wir unser Ziel erreichen: Austausch zwischen Polizisten und Bürgern auf Augenhöhe und die Polizei menschlicher zeigen.

 

Was wir uns wünschen

Wir wünschen uns zum Jahresabschluss, dass ihr, unsere Leser, uns erhalten bleibt und vielleicht der oder andere noch zu uns findet und sich bei uns wohl fühlt. Die vielen positiven Zuschriften, die wir erhalten, zeigen uns, dass wir hier das Richtige tun und bestärkt uns darin, weiterhin den Menschen in der Uniform zu zeigen.

Wir wünschen uns, dass alle Kollegen/innen stets gesund ihren Dienst beenden können, dass weniger Gewalt und dafür mehr Respekt herrscht; nicht nur uns Uniformierten gegenüber, sondern gegenüber jedem Mitmenschen.

Wir wünschen uns nicht nur von Teilen der Gesellschaft mehr Anerkennung, sondern insbesondere auch von der politischen, juristischen und der Führungsebene. Wir alle sind Menschen und wir haben mit Menschen zu tun. Wir sind nicht einfach nur eine Personalnummer und wir haben es nicht einfach nur mit Fällen zu tun. Hinter jeder Nummer steckt ein Mensch, hinter jedem Fall ein Schicksal.

Denkt bitte daran, dann wäre uns Polizisten und auch so einigen Bürgern schon viel geholfen!

Apropos Führungsebene: Wertschätzung erbitten wir uns nicht nur vom polizeilichen Gegenüber, auch intern sollte diese Wertschätzung für unseren Dienst vorhanden sein, was leider nicht immer der Fall ist. So berichteten wir Anfang Dezember von einem Gerichtsverfahren, bei dem ein Vertreter der Polizeiführung der Bundespolizei im Gerichtssaal zu verstehen gab, dass der Einsatzzweck über allem stehe und: “Sollte der Beamte dabei am Leben bleiben, wird das als positiver Nebeneffekt mitgenommen”.

Entmenschlichung findet also nicht nur “auf der anderen Seite” statt, wenn wir Polizisten als “Schweine”, “Bullenfotze” oder “Drecksbulle” bezeichnet werden. Sie findet manchmal auch intern statt und das darf nicht sein! Wir Polizisten sind keine Einsatzmittel wie das Pfefferspray oder die Handschellen, wir sind Menschen mit Emotionen, mit Familien, Sorgen und Ängsten. Das sollte auch in der Führungsebene, egal welcher Polizei, ankommen und zu einem entsprechenden Umgang führen.

Abschließend, wenn es sich einrichten lässt, wünschen wir uns mehr Personal und eine durchdachtere und optimierte Ausstattung, ausgerichtet an den Belangen derjenigen, die damit arbeiten müssen. Bodycams und Taser sind hier zu nennen, die nicht überall zur Standardausstattung gehören, doch unsere Einsatzmittelauswahl sinnvoll ergänzen würden.

In diesem Sinne wünschen wir für hier und jetzt allen einen guten Ausklang des Jahres 2019, rutscht gut hinein ins neue Jahr und den in dieser Nacht aktiven Einsatzkräften wünschen wir, wo auch immer ihr eingesetzt seid, einen möglichst ruhigen Dienst, damit auch für euch noch etwas Zeit bleibt, gemeinsam anzustoßen oder das Feuerwerk zu genießen.

Rutscht gut rein, wir lesen uns nächstes Jahr…

Herzlichst
Euer Polizist=Mensch Team