Gedanken einer Polizeiangestellten: Wertschätzung – Wie ein neuer Ausweis alles verändert

17. Januar 2020 um 19:57 Uhr

Gedanken einer Polizeiangestellten: Wertschätzung - Wie ein neuer Ausweis alles verändert

“Ich bin seit 1984 als Polizeihostesse jetzt PangVD (Polizeiangestellte im Verkehrsdienst) im Freistaat Bayern angestellt. Es ist nicht leicht für mich persönlich, weil ich Jahr für Jahr mehr ‘degradiert’ wurde. Früher war unser Aufgabenbereich breit gefächert, heute bin ich nur noch eines….ein Fußabtreter.

Warum ich heute besonders deprimiert bin? Ich habe heute, einen neuen Dienstausweis bekommen, weil mein Alter nicht mehr zu verlängern war. Aber diesmal bekam ich keinen grünen Dienstausweis der Landespolizei, sondern ich bekam einen grauen Beschäftigungsausweis.

Ich mache nun also keinen Dienst mehr, sondern Ich werde ‘beschäftigt’. Ich bin also jetzt da, ‘wo ich hingehöre’. Es tut so weh, weil als ich bei der Polizei anfing, war ich stolz darauf. Ich wurde von allen als ‘Kollegin’ angesehen. Jetzt, bin ich nur eine ‘Tarifangestellte’.

Eine ‘Beschäftigte’ die mehrmals am Tag, jeden Tag, beschimpft, bespuckt, angepöbelt und absolut respektlos behandelt wird. Als wir in Bayern vor 2 Jahren die neue Uniform bekamen, wurden auch wir PangVD mit der gleichen Uniform ausgestattet. Ich habe mich darauf gefreut, weil ich die Hoffnung hatte, wenn uns der Bürger nicht so schnell auseinander halten kann, das Arbeiten auf ‘der Straße’ vielleicht leichter wird.

So war das anfangs auch und es war wieder ein bisschen leichter. Was mich aber umgehauen hat, war die Reaktion meiner ‘Kollegen’, den Beamten, den Polizisten. Sie waren regelrecht empört, dass ICH so aussehe wie sie, wo ich doch keine ‘richtige’ Polizei bin. Das geht ja gar nicht.

‘Du kannst ja keinen Unfall aufnehmen’, sagte ein Kontaktbeamter zu mir…. ‘Du ja auch nicht’, war meine Antwort. Ich musste mich gegen ihren, ja schon fast ‘Standesdünkel’ erwehren. Das find ich ganz furchtbar.

Ich bin schon so lange bei der Polizei, da waren viele von denen noch gar nicht geboren. Als es noch keine weibliche Schutzpolizei gab, wurden wir zu Gegenüberstellungen, Durchsuchungen, Sicherheitskontrollen, als Lockvögel und auch für weniger beliebte Dienste wie Standposten, Schulwegsicherung und Kontrollen für die Siko herangezogen.

Heute bin ich nix. Nix in den Augen der Bürger und nix in den Augen der Kollegen. Das wurde mir heute auch noch mit meinem neuen Dienstausweis… oh falsch… Beschäftigungsausweis, klar gemacht.

Ich bin furchtbar traurig.”

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Die Autorin ist uns namentlich bekannt, möchte jedoch anonym bleiben.