Messerangriff auf Polizisten: Anwärter muss Dienstwaffe einsetzen – Angreifer wird getroffen und stirbt

6. Januar 2020 um 20:49 Uhr

Messerangriff auf Polizisten: Anwärter muss Dienstwaffe einsetzen - Angreifer wird getroffen und stirbtGestern Abend kam es zu einem tätlichen Angriff auf Polizisten, unmittelbar vor der Polizeiwache Gelsenkirchen Süd (Nordrhein-Westfalen), bei dem ein Polizeikommissaranwärter seine Dienstwaffe zur Eigensicherung einsetzen musste. Der Angreifer wurde getroffen und starb.

Am frühen Abend schlug ein Mann mit einem Knüppel auf einen Streifenwagen ein, der vor der Wache geparkt stand. Polizisten versuchten den Mann davon abzubringen und sprachen ihn an. Der genau Geschehensablauf ist noch nicht ganz klar und ist Gegenstand der aktuellen Ermittlungen.

Bislang ist bekannt, dass der Angreifer, ein 37-jähriger Deutschtürke, mit einem Messer hantierte und die beiden Polizisten (23 und 41 Jahre alt) damit bedrohte. Der 23-jährige Polizeikommissaranwärter setzte daraufhin gegen 19:41 Uhr seine Dienstwaffe ein und schoss viermal auf den Angreifer.

Der 37-Jährige wurde getroffen und verstarb noch an Ort und Stelle. Die Hintergründe des Verhaltens des Angreifers sind noch völlig unklar. Angeblich soll er während der Tatausführung “Allahu Akbar” gerufen haben, was aber auch noch unbestätigt ist.

Der 37-jährige Deutschtürke ist der Polizei bereits bekannt, so soll er zurückliegend verschiedene Gewalttaten verübt haben, auch Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte geleistet haben. Es liegen Hinweise auf eine psychische Erkrankung vor.

Aus Neutralitätsgründen wurde die Einsatzleitung dem Polizeipräsidium Münster übertragen. Die Ermittlungen zur Rechtsmäßigkeit des Schusswaffengebrauchs erfolgen durch das Polizeipräsidium Krefeld. Die eingesetzten Polizisten blieben bei diesem Einsatz zumindest körperlich unversehrt.

Wie die Staatsanwaltschaft Essen, die Polizei Gelsenkirchen und die Polizei Münster in einer gemeinsamen Erklärung bekannt geben, gehe man derzeit von einem Anschlag aus. Ein terroristischer Hintergrund kann vermutlich jedoch ausgeschlossen werden, da man bei der Wohnungsdurchsuchung des Angreifers keine entsprechenden Hinweise finden konnte. Endgültige Gewissheit bestehe allerdings erst nach Auswertung der sichergestellten Datenträger.

Bestimmte politische Kreise nutzen den Vorfall für ihre eigenen Zwecke und verbreiten dazu auch Fakenews. So behauptet die AfD-Vorsitzende Alice Weidel auf Twitter, dass es sich um einen Terroranschlag gehandelt habe, was allerdings von der Polizei als nicht zutreffend öffentlich kommuniziert wurde.

Hierzu muss man wissen, dass es einen großen Unterschied darstellt, ob ein Vorfall als Anschlag oder als Terroranschlag eingestuft wird. Danach richten sich alle Folgemaßnahmen der Polizei, die je nach Einstufung unterschiedlich ausfallen können. Zudem würden bei einem Terroranschlag mit hoher Wahrscheinlichkeit die Ermittlungen vom Generalbundesanwalt übernommen, was hier nicht geschehen ist.

Ein schwerer Einsatz für alle Einsatzkräfte, besonders aber für den jungen Schützen. Wir wünschen ihm eine gute Verarbeitung dieses tragischen Einsatzverlauf und auch, dass er hierzu jede notwendige Unterstützung erhält.

Den Angehörigen des Verstorbenen gilt unser Mitgefühl.