Aus dem Schießstand-Skandal nichts gelernt: Bereitschaftspolizisten giftigen Schadstoffen ausgesetzt

2. März 2020 um 19:55 Uhr

Aus dem Schießstand-Skandal nichts gelernt: Bereitschaftspolizisten giftigen Schadstoffen ausgesetztDie Sache hat frappierende Ähnlichkeiten mit dem in Berlin bekannt gewordenen Schießstand-Skandal, bei dem die Luftanlagen den Schießstaub zu den Schützen zurück bliesen, über Jahre hinweg, die Behördenführung jahrelang untätig blieb und dann Polizisten teilweise daran starben. Die Sache wurde ein Fall für den Staatsanwalt (wir berichteten mehrfach).

Zwar nicht so lange, aber dennoch sehr ähnlich, verhält es sich nun mit der Schadstoffbelastung in einer Unterkunft der Berliner Bereitschaftspolizei. Dort treten in der Direktion Einsatz am Standort Schulzendorf aus dem Boden giftige Schadstoffe aus, sogenannte polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK).

Diese Schadstoffe kommen in Klebstoffen für Parkettböden vor und können neben Erbgutveränderungen und Gefährdung der Zeugungsfähigkeit auch Krebs verursachen. Zwar wurde in 2019 ein einziger der betroffenen Räume saniert, allerdings wurde die Sache nur verschlimmbessert.

Denn der alte Boden wurde nicht heraus gerissen, sondern ein anderer darüber angebracht, der die Schadstoffe eigentlich einschließend sollte. Die Arbeitssicherheit der Polizei hat nach der Sanierung im betroffenen Raum allerdings eine noch höhere Schadstoffbelastung gemessen als vor der Sanierung.

Nun wurde für den sanierten Raum eine Zugangsbeschränkung erlassen. Betreten dürfen ihn Schwangere, chronisch Erkrankte oder Beamte mit schwachem Immunsystem nicht mehr, für alle anderen wird die Schadstoffbelastung als ungefährlich angesehen. Alle anderen Räume, die ebenfalls belastet sind, dürfen auch weiterhin von jedem Mitarbeiter betreten werden.

Der Personalrat der Direktion Einsatz beschäftigt sich schon eine Weile mit dem Thema und hatte Ende Januar gefordert, dass zumindest alle belasteten Räumlichkeiten aus Fürsorgegründen geschlossen werden. Da dies bislang nicht geschehen ist, hat der Personalrat Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet. Die Sache wird, wie der Schießstand-Skandal, ein Fall für die Justiz.