Gedanken eines Polizisten: Trotz Kontaktverbot nehmen es einige in Kauf, sich, andere und uns zu gefährden

26. März 2020 um 19:26

Gedanken eines Polizisten: Trotz Kontaktverbot nehmen es einige in Kauf, sich, andere und uns zu gefährden

Hallo an alle die dies nun lesen mögen.

Ich bin Polizist in Nordrhein-Westfalen. Welche Dienststelle ich nunmehr fast täglich aufsuche spielt keine Rolle, da es denke ich vielen, wenn nicht sogar allen Kollegen und Kolleginnen, gleich ergeht.

Seit Anfang diesen Jahres ist bekannt, dass sich der Coronavirus stark und rasant verbreitet hat und wir sogar einen Aufruf der Bundeskanzlerin verfolgen konnten. In diesem Aufruf wird an die Menschlichkeit appelliert. Soweit so gut.

Kommen wir zu dem täglichen Dienstgeschehen, welches auf den Straßen unverändert vonstatten geht.

Gerade in den letzten Tagen, mit angenehmen Temperaturen und Sonnenstrahlen, haben wir vermehrt Einsätze im Bereich von Freizeitanlagen, Grünflächen, öffentlichen Plätzen und Spielplätzen.

Durch meine Kollegen musste ferner eine Eisdiele im Auftrag des Ordnungsamtes bei Hochbetrieb geschlossen werden. Durch die Betreiberin wurde natürlich versucht noch so viele Personen wie nur irgendmöglich in die Eisdiele zu locken.

Vermutlich auch aus exestenzieller Angst. Aber es kann nicht sein, dass diese Angst und teilweise leider auch diese Profitgier und der Pöbel gegen die Polizei dies alles dominieren. Die Betreiberin fing an Personen zu solidarisieren und schrie, dass die Polizei die Eisdiele schließen will. Helft mir…

Man kann von Glück sagen, dass es zu keinerlei Ausschreitungen gekommen ist. Denn auch hier war es wieder ein treffende Beispiel, dass die Polizei im Allgemeinen für alles mögliche verantwortlich gemacht wird.

Es sind noch dutzende weitere Beispiele und der Mensch in Deutschland versteht es anscheinend nicht und nimmt es billigend in Kauf, seine Gesundheit und die anderer zu gefährden.

Ich liebe meinen Beruf, in welchem ich ständig Bürgerkontakt habe. In diesen Zeiten ist es umso wichtiger, dass die Menschen dort draussen sich einfach zusammenreißen und uns somit helfen. Je weniger Einsätze provoziert werden oder gar passieren, desto eher die Wahrscheinlichkeit, dass uns ebenso wenig passiert wie allen anderen.

Ich liebe aber auch meine Frau und meine Familie, welche durch die Einsätze und den Bürgerkontakt natürlich einer höheren Ansteckungsgefahr ausgesetzt sind als andere.

Ich möchte die ganzen Beispiele gar nicht mehr aufgreifen. Es ist einfach schon soweit gekommen, dass die Ausgangssperre kurz vor der Durchsetzung steht. Ich gehe davon aus, dass diese auch dann nicht von Bürgern eingehalten werden wird.

Denkt an Euch und Eure Mitmenschen. Bleibt Zuhause!

In anderen Gesprächen auf Spielplätzen wurde uns versucht glaubhaft zu machen, dass man von der Lage ja gar nichts gewusst hätte. Ich denke jeder denkt sich das gleiche zu solchen Aussagen. Und zu so etwas kann einem beim besten Willen einfach nichts mehr einfallen.

Die Gesundheit steht für viele an oberster Stelle, das zeigen Umfragen der letzten 50 Jahre.

Dann fangt doch bitte an etwas dafür zu tun.

Bleibt Zuhause und wir versuchen es irgendwie möglich zu machen, weiterhin für Euch uneingeschränkt da zu sein.

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Der Kollege ist uns namentlicht bekannt, möchte jedoch anonym bleiben.