Gedanken von Christoph: Seit Jahren Missstände angeklagt – Wird es nach dieser Coronakrise für uns so weitergehen?

28. März 2020 um 18:59

Gedanken von Christoph: Seit Jahren Missstände angeklagt - Wird es nach dieser Krise für uns so weitergehen?

“Seit Jahren haben wir gewarnt, hingewiesen, gebeten, gebettelt, angemerkt und alarmiert.

Wir, das sind alle die, die man immer dann benötigt, wenn das Leben im Kleinen, oder im ganz Großen aus den Fugen gerät. Leider sind wir auch die, die man danach sehr schnell wieder vergisst. Wir sind von Feuerwehr und Rettungsdienst, sind in Pflege, Betreuung und Medizin, beim THW, Bundeswehr und Polizei.

Wenn man uns braucht und ruft, dann helfen wir. Ein Dank hören wir selten, aber wenn‘s gut läuft werden wir nicht angegriffen oder angepöbelt.

Seit Jahren also warnen wir. Unser Personal ist so wenig, dass selbst der alltägliche Dienst kaum möglich ist. Wir planen nach statistischen Durchschnittswerten, die schon auf dem Papier kaum funktionieren. Ein Puffer für außergewöhnliche Lagen ist kaum vorhanden.

Arbeitszeitregelungen gelten als lose Richtschnur und Überstunden gehören zur Regel. Die Bezahlung ist sowieso schlecht, was auch der Nachwuchs merkt und halt lieber ‘in die Wirtschaft’ geht, um dort richtig zu verdienen. Eigentlich nur logisch.

Auf all das weisen wir seit Jahren, in allen Formen und an allen Stellen hin. Aber keiner hat zugehört.

Wann immer man die 112 und 110 wählte, wurde schnell und souverän geholfen und danach geht der Alltag weiter. Dann gibt es keinen Anlass mehr hinter die Kulissen zu schauen.

Hinter den Kulissen aber sieht man die wahren Zustände: Hier wird alles irgendwie möglich gemacht. Hier wird auf Arbeitnehmerrechte, Privat- und Sozialleben verzichtet. Hier bringt man sich selbst und (gerade jetzt) auch Angehörige in Gefahr. Alles selbstverständlich.

Warum aber machen wir das dann? Weil wir unsere Tätigkeit lieben. Nicht den Job, die Umstände, Rahmenbedingungen und Steine im Weg, aber den Kern der Aufgabe, das Helfen. Darum verrenken wir uns bis zur Selbstaufgabe. Darum machen wir alles möglich, anstatt einfach mal den Karren gegen die Wand fahren zu lassen, in der Hoffnung, dass man danach unsere Klagen hört.

Liebe Leute: Macht euch keine Sorgen. Auch in dieser Krise werden wir da sein. Auch wenn unsere eigenen Reihen durch Krankheit und Quarantäne dezimiert werden. Wir sind da und wir bleiben. Nicht bis zum Ende des 8 Stunden Tags und nicht bis zum Ende der 40 Stunden Woche. Wir sind da solange wir gebraucht werden. Zur Not halt in Mehrfachschichten. Und irgendwie machen wir‘s; wie immer. Solange, bis auch diese Krise durchstanden ist.

Und dann? Dann wird der Alltag wieder einsetzen. Es gibt ein paar nette Worte und vielleicht sogar Zeichen der Anerkennung.

Aber keine Angst: auch das geht vorbei und danach kann alles weitergehen, wie es vorher war. Dann braucht sich niemand mehr mit uns zu befassen. Die Missstände können dann weiter stehen bleiben und getrost darauf verwiesen werden, dass doch alles irgendwie geklappt hat… wie immer!

Christoph”