Winnenden: Ein Polizist klagt an

11. März 2020 um 19:42

Der Amoklauf an der Realschule in Winnenden jährt sich heute zum elften Mal. Report München hat dazu gestern Abend in ihrer Ausgabe über einen Polizisten berichtet, der nach dem Polizeieinsatz seinen Beruf nicht mehr ausüben konnte und der um seine Therapie und die Anerkennung seiner Erkrankung kämpfen musste.

Ernst Kappel bezeichnet sich selbst als “Vollblutbulle” und so hat er das, was er tun musste auch gerne gemacht. Es war halt sein Job. Dann kam Winnenden und sein Leben gerät aus den Fugen.

Es war seine Aufgabe die Leichen zu identifizieren, die Verletzungen der Toten zusammen mit Rechtsmedizinern zu dokumentieren. Danach war Kappel traumatisiert und meldet dem Dienstherrn, dass er Probleme hat, das Erlebte zu verarbeiten. Doch der hält sich zurück, Kappel fühlt sich hilflos und verloren.

Dann kommt es knüppelhart für Ernst Kappel, seine Ehe scheitert nach Winnenden, er bekommt einen Hirntumor, verliert dabei sein linkes Auge. Er begibt sich selbst in Therapie und dort wird eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) diagnostiziert.

Doch anerkannt wird diese Krankheit nicht. Kappel musste für sein Recht vor Gericht ziehen und erst 2017 wird die PTBS offiziell anerkannt. Kappel freundet sich mit dem Vater eines Mädchens an, das beim Amoklauf getötet wurde. Die Freundschaft wird für beide Seiten wichtig und eine Stütze im Alltag.

Doch unterm Strich wird Kappel verlieren. Den Kampf gegen den Krebs wird er nicht mehr gewinnen und so sieht er sein Buch “System Polizei. Der Kommissar und der Amoklauf von Winnenden: Eine Spurensuche”, in dem er über das Erlebte berichtet, als sein Vermächtnis an.

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