Auf ein Wort: Was ist der befristete Verzicht auf Freiheiten gegen Menschenleben?

16. April 2020 um 19:17

Auf ein Wort: Was ist der befristete Verzicht auf Freiheiten gegen Menschenleben?Vorweg sei gesagt, dass auch wir die Beschränkungen überhaupt nicht mögen. Selbstverständlich nicht, denn wer lässt sich schon gerne in seiner Bewegungsfreiheit, in seinem sozialen Umfeld, einfach in seinem Alltag, einschränken.

Wem fehlt es denn nicht geliebte Menschen zu sehen und in den Arm zu nehmen? Wem fehlt es nicht Freunde zu treffen und mit diesen Spaß zu haben, im Cafè zu sitzen oder in der Kneipe oder im Biergarten gemütlich ein Bierchen zu trinken und über Gott und die Welt zu quatschen? Wem fehlt es nicht dem gemeinsamen Hobby zu fröhnen, ob nun im Fußballverein oder in der Strickgruppe oder beim Kaffeekränzchen oder dem gemütlichen Grillabend?

Wir Menschen sind so, wir brauchen einander, denn das ist unser soziales Wesen.

Unsere Freiheitsrechte sind ein hohes Gut, für die letztlich viele Menschen über Jahrhunderte hinweg ihr Leben gegeben haben. Darf man diese Rechte leichtfertig beschränken oder gar aufheben? Nein, natürlich darf man das nicht.

Es gibt jedoch auch hier ein “ABER”! Wobei das Wort gar nicht richtig passt, denn eigentlich müsste hier ein “AUCH” stehen.

Auch ist der Mensch nämlich eigentlich ein vernunftbegabtes Wesen. Eigentlich weiß er Gefahren einzuschätzen und entscheidet sich in aller Regel dagegen, sich in eine Gefahr zu begeben. “EIGENTLICH”, denn bei einem Virus ist das für den Menschen schwerer.

Einen Virus kann man nicht sehen, nicht hören, nicht riechen, nicht schmecken. Anders als bei anderen ganz offensichtlichen Gefahren wie Feuer, einem tiefen Abgrund oder verdorbenem Essen, fällt bei einem Virus unser wichtigstes Instrument zur Gefahrenerkennung weg. Die eigene Einschätzungsmöglichkeit einer Situation.

Wir sind also abhängig von anderen, wir müssen uns auf Aussagen und Einschätzungen anderer verlassen und das passt uns in der Regel überhaupt nicht, denn so sind wir eigentlich nicht gestrickt. Wir wollen selbst einschätzen und das ist uns weitestgehend, in so einer Situation wie der jetzigen, unmöglich. Das kratzt an uns.

Aber genau hier ist dann doch wieder unser Einschätzungsvermögen, gepaart mit unserem Sinn für Vernunft, gefragt.

Und noch mehr gefragt ist unser Sinn oder besser gesagt unsere Fähigkeit und unsere Natur zum sozialen Verständnis für andere. Gefragt ist, dass wir fähig dazu sind das “Ich” zurückzustellen, weil wir erkennen können, dass dieses “Ich” beizeiten auch mal einem “Wir” weichen muss.

Auch wenn zuvor beschrieben wurde, dass wir Schwierigkeiten haben bezüglich der Erkennung einer Gefahr, wenn wir diese nicht riechen, schmecken, sehen, fühlen oder hören können, so können wir doch sehen was geschieht.

Wir können alle sehen, dass an dem Virus Menschen erkranken und sterben. Wir können dies über alle Grenzen hinweg sehen. Wir wissen, dass dieser Virus bei uns bis jetzt weniger Todesopfer gefordert hat als in anderen Ländern.
Aber gerade an den Zahlen anderer Länder können wir sehen, wie schlimm dieser Virus die Menschen betreffen kann und vielleicht haben wir bis jetzt einfach nur “Glück” gehabt, aber vielleicht tragen auch einfach die einschränkenden Maßnahmen dazu bei, dass wir besser dastehen als andere.

Dabei verbieten sich eigentlich Quervergleiche zu anderen Virenwellen wie beispielsweise der Grippe, wenn diese lediglich dazu dienen Stimmung zu machen oder gar eine Gefahr zu verharmlosen. Natürlich sterben auch an der Grippe Menschen und deswegen gibt es keine Ausgangsbeschränkungen.

Auch stimmt es, dass beispielsweise in der Grippesaison 17/18 zwischen 20.000-30.000 Menschen in Deutschland mutmaßlich an der Grippe gestorben sind. Aber was niemand derjenigen sagt, die dies immer gerne anführen, um Corona zu verharmlosen, ist, dass es in der Saison auch mutmaßlich 9 Millionen Infizierte gab und daher die Sterblichkeit wesentlich niedriger war als heute bei Corona, auch wenn man die genauen Zahlen noch gar nicht umfassend bewerten kann.

Hinzu kommt, dass Corona schlicht ein neues Virus ist, das in dieser Form noch nicht bekannt war und es deswegen eben noch keine echte Behandlungsmethode geschweige denn Impfung gibt. Allein das macht das Ganze schon gefährlicher, denn gegen die Grippe gibt es sowohl Medikamente als auch Impfungen.

Man vergleicht also die berühmten Äpfel mit Birnen, wenn man Grippe und Corona in den Vergleich setzt.

Es ist verständlich, dass Menschen Probleme damit haben sich einschränken zu müssen. Der Alltag ist eben derzeit nicht mehr derselbe wie vorher und sich darauf einzustellen kann schwer fallen. Viele sind auch schlicht in ihrer finanziellen Existenz bedroht und das führt zu Angst und auch Wut.

Dafür haben wir Verständnis und wir sehen es als Aufgabe für unsere gesamte Gesellschaft dafür zu sorgen, dass so wenig Menschen wie möglich ihre finanzielle Existenz verlieren und ja, auch wenn das persönlich etwas Geld kosten sollte. Wer wäre beispielsweise gerne dazu bereit, bei der nächsten Gehaltsrunde auf eine Erhöhung zu verzichten? Denn es gibt ja auch noch andere Dinge die zum Vorteil geändert werden könnten außer nur mehr Geld zu bekommen. Geld ist nicht alles und wenn das dabei helfen könnte die Existenz anderer zu sichern, könnte man doch sagen: “Nur zu, macht das”.

Und dennoch halten wir die derzeitigen Beschränkungen bei uns für gerechtfertigt und auch für verhältnismäßig.
Was viele nämlich vergessen ist, dass es außer unseren Freiheitsrechten auch noch die Rechte auf körperliche Unversehrtheit und Leben gibt und es Aufgabe des Staates ist, diese Rechte zu schützen.

Und ja, wenn wir die Rechtsgüter gegeneinander stellen, dann haben das Recht auf Leben und das Recht auf körperliche Unversehrtheit klaren Vorrang vor den Freiheitsrechten, welche ja nicht dauerhaft beschränkt sind, sondern vorübergehend.

Bei allen Problemen die die Einschränkungen mit sich bringen, sollte jeder Mensch sich die ganz persönliche Frage stellen, ob er es möchte, dass er selbst oder eben geliebte Menschen in diese vorgenannte “unsichtbare”, aber eben vorhandene Gefahr kommt/kommen und damit in die Gefahr sein/ihr Leben zu verlieren.

Jeder sollte sich fragen, ob er nicht lieber eine Weile sein “Ich” zurückstellt und damit dafür sorgen kann, dass das “Wir” die Chance hat die Gefahr für uns alle so klein wie möglich zu halten. Da ist jeder einzelne gefragt, ob er fähig ist, Worten wie Empathie und Wirgefühl Leben zu verleihen oder ob ihm sein “Ich” wichtiger ist.

Und mal abgesehen von all dem, muss man doch auch mal sehen, dass niemand eingesperrt ist, außer denjenigen, die eben derzeit eine Gefahr für andere darstellen oder selbst derart gefährdet sind, dass eine Isolation erforderlich ist.

Wir können nach wie vor unsere lebenswichtigen Einkäufe machen, wir können nach wie vor in die Natur gehen und uns somit auch draußen bewegen. Ja, wir können derzeit nicht im Cafè sitzen oder im Biergarten. Wir können derzeit nicht ins Kino oder Klamotten shoppen in Läden.

Was ist der befristete Verzicht darauf aber gegen Menschenleben? Die Frage darf sich gerne jeder selbst beantworten.

Wir wünsche uns, dass diese Zeit so schnell wie möglich vorüber ist. aber nicht, weil die Leute dann wieder in die Cafès, Läden und Biergärten strömen können. sondern damit Familien wieder Familien sein können und die Menschen ALLE wieder ihrer Arbeit nachgehen können.

Bleibt Zuhause so gut es geht, geht aber trotzdem auch raus an die frische Luft, aber eben nur zur zweit, sucht Kontakt zueinander in der Distanz, sprecht miteinander, macht euch gegenseitig Mut und gebt euch gegenseitig Optimismus.

Wir müssen uns jetzt gegenseitig stützen und uns nicht gegenseitig das Leben noch zusätzlich schwer machen.

Zeigen wir, dass Menschsein nicht nur ein Wort ist sondern zeigen wir unsere Menschlichkeit im besten Sinne des “WIR”.

Wir wünsche allen Gesundheit und uns allen einen schnellen Sieg über das Virus.

Euer Polizist=Mensch-Team