Auf ein Wort: Brief an die taz

21. Juni 2020 um 20:12 Uhr

Auf ein Wort: Brief an die taz

Sehr geehrte Chefredaktion, liebe Journalisten*/_innen der taz,

wir wissen nur zu gut, dass Ihr Euch gerne an der Polizei reibt. Wo Reibung entsteht, wird Hitze erzeugt. Und manchmal kommt es einem so vor, als ob der Feuersturm, der entsteht, ganz clever und bewusst von Euch entfacht wurde. So wie kürzlich bei Eurer Polizisten sind Müll-Kolumne.

Es ist Euch ein Herzensanliegen, deutschen Polizisten*/_innen Versagen vorzuwerfen. Nur dann ist die taz-Seele und die linke Leserschaft zufrieden. Oder Ihr gebt uns hilfreiche Vorschläge, wie wir unseren Job zu erledigen haben. So wie aktuell im Fall des Schusswaffengebrauchs in Bremen, wo ein Angreifer mit einem Messer in der Hand auf Polizisten*/_innen zugestürmt war.

Dafür sind wir unendlich dankbar, haben wir in unserer Ausbildung oder unserem Studium massive Defizite zu verzeichnen. Auch ist unser Job nicht sonderlich sozial, selbst wenn wir viel mit Menschen zu tun haben. Da die Beamtenseele unbelehrbar ist, wie Ihr meint, lernen wir natürlich nicht dazu.

Soziale Kompetenz geht uns völlig ab, genauso wie interkulturelle Kompetenz. Selbst die Migranten*/_innen unter unseren Kollegen*/_innen sind mit Entgegennahme ihrer Ernennungsurkunde quasi eingedeutscht worden und fügen sich dem, was man unter den hergebrachten Grundsätzen des Berufsbeamtentums versteht.

Dazu gehören Müdigkeit, Bewegungsunlust, um nicht zu sagen Faulheit, Kreativität beim Verfassen von Polizeiberichten um dem polizeilichen Gegenüber alles Mögliche unterzujubeln, Schießwütigkeit und der Drang zum Lügen. Da kommt Euer Vorschlag, dass Polizisten*/_innen zukünftig vielsprachig so Sätze wie „Lassen sie das Messer fallen“ aufsagen können gerade recht.

 

Nur, wie soll man so etwas in den dummen Beamtenschädel hinein bringen? Der Vorschlag ist ja schön und gut, allein die Umsetzung dürfte zum Problem werden. Wenn schon Migranten*/_innen-Kollegen*/_innen, zum Beispiel aus Russland, bei Ernennung zu Polizeianwärter*/_innen vergessen, wie man einen bestimmten Satz in der Muttersprache ausspricht und nur noch im Beamtendeutsch daher quasseln, was ja schon kaum ein Deutscher versteht.

Dabei befindet sich die Polizei bei Euch in bester Gesellschaft. Vor einem Jahr habt Ihr die Kameraden*/_innen in Rot als Komplettversager bezeichnet. Aber Ihr habt Recht, was will man von einem Verein verlangen, der nichts gelernt hat, uniformgeil jeder Blaulichtfahrt entgegen fiebert und ums Feuer tanzt, teils aus Beamten‘/_innen und vielen Freiwilligen besteht, sich die Nächte um die Ohren haut und für was? Ein bisschen Ehre? Kein Nachwuchs für die Feuerwehr! Wie schön, dass den Feuerwehrkameraden*/_innen und uns das mal vor Augen geführt wird.

 

Liebe taz, nichts für ungut, aber Eure Ideen scheitern an der Umsetzung. Ansonsten lassen wir uns aber gerne von Euch erklären, wie man dies richtig macht und warum man jenes besser lassen sollte. Als Experten für alles Staatliche seid Ihr unverzichtbar, wenn es darum geht, kritisch mit den Behörden umzugehen. Es macht ja sonst keiner und wer, wenn nicht IHR…

Und Teile Eurer Leserschaft werden die aufklärenden Worte ebenso dankbar aufnehmen und wenigstens fähig sein, Worte in Taten umzusetzen. Ein bisschen Ausschreitungen hier, etwas Feuer dort, in der Hoffnung, dass keiner der Uniformträger*/_innen auftaucht und wenn doch, werden sie standesgemäß empfangen. IHR gibt dem Ganzen endlich einen Sinn und auch wenn diesen Aktivisten*/_innen, wie sie nett genannt werden, eine Legitimation egal ist, können sie sich nun auf prominente Unterstützung freuen. Herrlich!

In diesem Sinne, macht bitte weiter so! Lasst Euch von den Kritikern nicht vorschreiben, wie Ihr Euren Job zu erledigen habt. Wir Polizisten*/_innen freuen uns auch weiterhin unheimlich auf Eure Expertenmeinung.

 

PS: Hoffentlich haben wir diesen Gendergap richtig eingesetzt. Bei so vielen Varianten blicken wir nicht mehr durch und deshalb dachten wir, wir gehen einfach auf Nummer Sicher. Falls nicht, könnt Ihr uns gerne etwas Nachhilfe geben.

PPS: Keine Satire, weder offenkundig, noch verdeckt. Wer aber Sarkasmus findet, darf ihn behalten.