Einmal Polizist, immer Polizist: Pensionierter Kripo-Beamter nimmt flüchtenden Drogenschmuggler fest

29. Juni 2020 um 11:00 Uhr

Einmal Polizist, immer Polizist: Pensionierter Kripo-Beamter nimmt flüchtenden Drogenschmuggler fest

Bild: Kreispolizeibehörde Viersen

Eine filmreife Festnahme gelang der Bundespolizei mit Unterstützung eines pensionierten Kriminalpolizisten aus Nordrhein-Westfalen, das Drehbuch hätte sich kein Regisseur besser ausdenken können. Fast schon klischeebehaftet, doch der Vorfall belegt, dass ein Polizist immer ein Polizist bleiben wird.

Demnach wollten Bundespolizisten ein Berliner Auto in Nettetal (Nordrhein-Westfalen) kontrollieren, welches aus den Niederlanden eingereist war, doch der Fahrer – das wird unseren regelmäßigen Lesern bekannt vorkommen – dachte nicht daran den Weisungen der Polizisten zu folgen und gab Gas.

Mit stark überhöhter Geschwindigkeit ging es durch den Ortskern. Während der Verfolgungsfahrt hatten die beiden Fahrzeuge der Bundespolizei untereinander einen Auffahrunfall, bei dem vier Beamte leicht verletzt wurden.

Doch auch für den Flüchtenden war die Fahrt nun unfreiwillig beendet. Er fuhr sich in der Fußgängerzone durch bauliche Gegebenheiten fest und musste seine Flucht zu Fuß fortsetzen. Hier kommt nun der pensionierte Kriminalpolizist aus Viersen ins Spiel, der mit ein paar Freunden eine Fahrradtour unternahm und eine kurze Rast in der Fußgängerzone eingelegt hatte.

Der 67-jährige Pensionär Rainer Wende hatte sich nämlich das Spektakel mit angesehen und für ihn stand außer Frage, dass er den Flüchtigen verfolgen würde. Er bestieg sein Ross, neudeutsch E-Bike, und “galoppierte” dem Flüchtigen hinterher.

Der Flüchtige sprang dann über eine recht hohe Mauer und die konnte der Pensionär nicht ohne weiteres und so schnell überwinden, so dass er kurz kombinierte. Denn der Kripo-Mann kannte sich in Nettetal aus und mit seinem E-Bike konnte er geschwindigkeitstechnisch mithalten.

Und so überlegte Wende kurz, wo er den Flüchtigen am Wahrscheinlichsten werde wieder aufnehmen können, gab seinem Elektroross die Sporen und drehte eine Runde um den Block. Und tatsächlich, der Fluchtweg des Flüchtigen traf sich wieder mit dem des Pensionärs.

“Auch aus den Einsatztraining hatte der pensionierte Nettetaler auch nach Jahren Ruhestand nichts vergessen und auch die Autorität aus den aktiven Dienstjahren war offenkundig nicht verloren gegangen”, heißt es weiter im Polizeibericht. Denn Rainer Wende sprach den Mann freundlich, aber sehr bestimmt an und konnte den 28-Jährigen sogar dazu bewegen, zu Boden zu gehen.

Pensionär Wende fixierte den Mann und ein Passant, der die Situation folgerichtig erkannte, half dem Kripo-Mann dabei. Kurze Zeit später waren die Kollegen der Bundespolizei an Ort und Stelle und ließen die Handschellen klicken.

Vom Passanten, der Pensionär Wende half und dann seines Weges ging, fehlt leider jede Spur. “Daher an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön für dessen Zivilcourage”, so die gemeinsame Feststellung der Kollegen aus Viersen und von der Bundespolizei.

Doch wer denkt, dass dies das Ende des Polizeiberichts war, der täuscht sich. Denn den Polizisten, egal ob aktiv oder pensioniert, war ein großer Fisch ins Netz gegangen. Im Fahrzeug des Geflüchteten fanden und stellten die Beamten sicher: 8,5 kg flüssiges Amphetamin, 400 Gramm Ecstasy-Tabletten, Kokain, Marihuana und 8,7 kg einer bislang noch nicht eindeutig festgestellten Flüssigkeit.

Und weil der Haftrichter den polizeibekannten 28-jährigen Moldawier, ohne festen Wohnsitz in Deutschland, schlussendlich in Untersuchungshaft befahl, kann man diesen Polizeieinsatz als äußerst erfolgreich bezeichnen.

Das Bild zeigt den pensionierten Kripo-Kollegen Rainer Wende auf seinem Drahtesel. Ganz großes Kino, lieber Kollege. Danke!