Fake oder kein Fake? Ein Bild und wie es instrumentalisiert wird

12. Juni 2020 um 19:16 Uhr

Zurzeit kursiert ein Bild in den sozialen Medien, welches uns auch schon zugsandt wurde mit der Frage, ob das ein Fake sei. Zugegeben, man kann es fehlinterpretieren, allerdings ist es nicht wie es scheint. Wir haben recherchiert.

Auf dem Bild sieht man den Leverkusener Basketballer Ron Mvouika, der dieses und noch drei weitere Bilder auf Twitter gepostet hat und der ein Shirt trägt mit der Aufschrift No Justice, No Peace. Vor ihm knien drei Polizisten und manch einer meint, dass die Kollege vor dem Basketballer niederknien und empören sich darüber.

Der Spruch auf dem Shirt des Basketballers stammt aus der Mitte der 1980er Jahre und ist ein Protestspruch aus den USA gegen gewalttätige Übergriffe auf Farbige. Entstanden ist der Spruch als eine Gruppe weißer Jugendlicher in New York (USA) drei Schwarze aus rassistischen Gründen attackiert hatten.

Doch die Kollegen auf dem Foto schauen nicht den Basketballer an, sondern schauen an ihm vorbei auf etwas, was hinter ihm geschieht. Zweifel waren angebracht, es könnte sich bei der Empörung mancher um eine Fehlinterpretation handeln. Also gingen wir auf Spurensuche.

 

https://twitter.com/Nitodreamchaser/status/1269400262403334144

 

Das Bild entstand am vergangenen Wochenende in Köln (Nordrhein-Westfalen) an der Deutzer Werft. Im Hintergrund sieht man die Severinsbrücke und die Kranhäuser am Rheinauhafen.

Nach uns vorliegenden Informationen handelt es sich um Kollegen der Einsatzhundertschaft aus Wuppertal, die zum Schutz einer Black Lives Matter-Demo in Köln eingesetzt waren.

Auf dem Instagramkanal koelnistkool wurde ein Video veröffentlicht, welches die Szene aus entgegen gesetzter Richtung aufgenommen hat. Dort ist zu sehen, dass eine Gruppe Demonstranten die Polizisten fotografieren, wie sie aus Solidarität zur Bewegung – und wie es weltweit ähnlich von Polizisten gehandhabt wurde – niederknien.

Zu diesem Zeitpunkt steht Basketballer Mvouika noch in derselben Blickrichtung wie die nun knienenden Polizisten. Dann dreht er sich um und es enstanden die Bilder, wie wir sie nun vom Twitteraccount des Sportlers her kennen. Währenddessen blicken die knienden Polizisten weiter in Richtung der anderen Demonstranten, die sie fotografieren und das als Zeichen der Solidarität auch würdigen.

 

Nun, man mag unterschiedliche Ansichten dazu haben, ob Polizisten diesen Kniefall in Uniform machen dürfen oder nicht. Ob damit die Neutralitätspflicht verletzt wird oder nicht. Zumindest ist es eine Gelegenheit sich Sympathie und Respekt zu verschaffen, was beim Verlauf einer Demonstration durchaus sinnvoll sein kann.

Und wer meint, die knienden Kollegen hätten die Eigensicherung oder ihren Einsatzauftrag vernachlässigt, auch den kann man beruhigen. Auf dem Video sieht man, dass weitere Kollegen in unmittelbarer Nähe stehen, nicht knien und die Lage weiter im Blick haben.

Die Aufregung, besonders in gewissen Kreisen, ist also völlig unangebracht und man sollte ein Bild, eine Momentaufnahme, nicht für falsche Absichten instrumentalisieren, ohne Kenntnis darüber, wie diese Momentaufnahme entstand. Das wird den Kollegen einfach nicht gerecht, die unserer Ansicht nach nichts falsch gemacht haben.