Gedanken eines Polizisten zum LADG: Diskriminierung per Definition oder Teil der Polizeiarbeit?

24. Juni 2020 um 20:00 Uhr

Gedanken eines Polizisten zum LADG: Diskriminierung per Definition oder Teil der Polizeiarbeit?Wir haben schon einige Male über das Landesantidiskriminierungsgesetz (LADG) in Berlin berichtet, insbesondere auch deswegen, weil u.a. Polizisten in ihrer Arbeit dadurch behindert werden und Verstöße gegen das Gesetz auch jeden Beamten treffen könnte, der von außerhalb Berlins zum Unterstützungseinsatz in Berlin eingesetzt wird.

Die Kritik ebbt nicht ab und die Meldungen dazu werden von uns Polizisten aufmerksam verfolgt. Doch nicht nur deutsche Polizisten beobachten die Lage, auch im Ausland macht man sich über das Warum Gedanken. Dazu erhielten wir den folgenden Leserbrief eines Kollegen aus dem europäischen Ausland:

 

“Diskriminierung per Definition oder doch vielleicht nur Teil von Polizeiarbeit?

Wie schwer die Polizeiarbeit ist, möchte ich ihnen mit diesem Beispiel erklären. Danach können sie selbst entscheiden.

Stellen sie sich vor, sie sind mit ihrer Arbeitskollegin oder Kollegen auf einer Patrouillenfahrt. Sie befinden sich in der Nähe des Markplatzes. Über Funk werden sie nun informiert, dass ganz in der Nähe eine ältere Frau überfallen würde. Laut Beschreibung des Opfers, handelt es sich beim Täter um

– eine männliche Person zwischen 25-30 Jahre
– kurzes blondes Haar
– blaues T-Shirt.

Laut Opfer ist der Täter Richtung Marktplatz geflüchtet. Da sie in der Nähe sind, kontrollieren sie jetzt diesen Marktplatz.

Vor Ort sehen sie nun 3 männliche Personen zwischen 25-30 Jahren, kurzes blondes Haar und ein blaues T-Shirt.

 

Was machen sie? Sie haben 3 Optionen.

Option 1:
Sie kontrollieren alle 3 Personen und stellen ihre Identität fest. Danach lassen sie alle 3 gehen. Sie haben zwar die Identität der Personen, die Möglichkeit, dass einer der 3 der Täter war besteht zwar, aber es kann ebenfalls sein, dass sie alle 3 Personen diskriminiert haben, weil sie männlich sind, zwischen 25-30 Jahre alt sind, kurzes blondes Haar haben und ein blaues T-Shirt trugen. Wenn einer der 3 der Täter ist, kann es sein, das dieser sich absetzt und sie nie wieder die Möglichkeit bekommen ihn zu verhören. Den Fall zu lösen wird somit erschwert.

 

Option 2:
Sie kontrollieren die 3 Täter, stellen die Identität fest und berauben alle 3 kurzfristig ihrer Freiheit, um die 3 mit zum Opfer zu nehmen, damit sie den Täter vielleicht erkennt.

Jetzt besteht die Möglichkeit, dass keiner der 3 der Täter ist, also haben sie alle 3 diskriminiert und kurzfristig ihrer Freiheit beraubt.

Es besteht jedoch auch die Möglichkeit, dass einer der 3 der Täter war, also haben sie den Fall gelöst und trotzdem haben sie 2 der 3 Personen diskriminiert und kurz ihrer Freiheit beraubt.

 

Option 3:
Sie sehen die 3 Personen, da sie jedoch niemanden diskriminieren wollen, schliessen sie die Augen und gehen weiter. Jetzt haben sie zwar keinen diskriminiert, sie habe jedoch auch keinen Fall gelöst.

Stellen sie sich jetzt noch vor, nachdem sie die Augen geschlossen haben, kommen sie zur Dienststelle zurück und es wird ihnen mitgeteilt, dass die ältere Frau beim Überfall dermassen verletzt wurde, dass sie später verstorben ist.

Jetzt haben wir zwar niemanden diskriminiert, haben jedoch einen Überfall mit Todesfolge. Kann ihr Gewissen ihnen dies jemals verzeihen, da sie ja wissen, dass die Möglichkeit bestand, den Täter zu schnappen?!

 

Jetzt ersetzen sie die Hautfarbe der Täter. Dann begehen sie bei allen Beispielen nicht nur eine Diskriminierung, sondern es wird ihnen auch noch Rassismus vorgeworfen. Da sie ja zwei oder vielleicht 3 unschuldige Personen nur wegen ihrer Hautfarbe und der passenden Beschreibung kontrolliert haben.

 

Schlussfolgerung:
Wie entscheiden sie sich nun? Wollen sie ein Polizist sein, der seine Arbeit macht und gegebenenfalls Personen wegen ihrem Aussehen und der passenden Beschreibung ‘diskriminieren’ muss oder wollen sie ein Polizist sein, der niemanden diskriminiert und es vorzieht keine Probleme zu bekommen. Es liegt an ihnen. So oder so, die Arbeit und die dazugehörenden Entscheidungen sind nicht einfach.”

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Der Autor ist uns namentlich bekannt, möchte jedoch anonym bleiben.