Gedanken einer Beamtin: Beamte sind keine Leibeigenen

26. Juli 2020 um 19:04

Gedanken einer Beamtin: Beamte sind keine Leibeigenen

“Beamte wurde nie von der Gesellschaft gemocht. Sie sind unkündbar, haben Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, sind privat krankenversichert. Wenn ich es mir recht überlege, sind das in unserer jetzigen Zeit auch die einzigen ‘Vorteile’, die ein Beamter noch hat.

Keiner spricht davon, dass die unteren Gehaltsklassen A5 und A6 im mittleren Dienst weggefallen sind, da sie unter dem Sozialhilfeniveau lagen bzw. das Sozialhilfeniveau hatten. Keiner spricht davon, dass Beamte 41 Stunden in Schleswig-Holstein arbeiten müssen, Angestellte 39. Keiner spricht über die Nullrunden der Beamten, wo Angestellte noch eine Gehaltserhöhung rausgehandelt hatten.

Ich habe eine Diskussion verfolgt, da ging es um die Öffnung der Zulassungsstellen in Schleswig-Holstein und um die Wartezeiten auf einen Termin. Mir stellte sich ernsthaft die Frage, ob der Beamte Leibeigenener der Gesellschaft ist. Es wird über Hygienekonzepte in der Gastronomie, im Fitnessstudio und beim Friseur gesprochen, aber der Beamte, der muss nach Auffassung vieler Bürger zügig für diesen da sein, zur Not auch ohne Schutz.

Der Bürger hat das Recht den Beamten zu beleidigen, zu bespucken, verbal anzugehen oder zur Not seinen Unmut auch per Gewalt auszudrücken. Schließlich wird der Beamte ja von ‘seinen Steuergeldern’ bezahlt. Dass ein Beamter im mittleren Dienst zunächst sich selbst bezahlt, ist dem Bürger nicht klar.

Hat der Beamte nicht auch ein Recht auf Schutz? Kann er den Virus nicht auch in sich tragen und weitergeben? Kann er nicht auch zur Risikogruppe gehören oder Angehörige haben, die besonders geschützt werden müssen? Ist der Beamte nicht einfach MENSCH und Teil dieser Gesellschaft? Hat er nicht gleiche Rechte und Pflichten wie jeder andere Bürger in Deutschland zunächst auch?

Warum werden wir so gehasst? Jeder hat zunächst das Recht, sofern er die Voraussetzungen nach Landesbeamtengesetz erfüllt, Beamter zu werden. Warum der Neid? Warum das Anspruchsdenken, dass der Beamte funktionieren muss und Leibeigenener ist? Warum werden Beamte anders in der Gesellschaft angesehen als der Friseur, die Kassiererin oder der Apotheker?

Respekt ist das Wort. Wir im öffentlichen Dienst treten dem Bürger mit Respekt gegenüber, aber der Beamte darf erwarten, dass er auch respektvoll behandelt wird. Und um gleich jeder Kritik vorzugreifen, auch ein Beamter kann mal unfreundlich sein, denn auch er ist ein MENSCH!

Ich wünsche Euch einen ruhigen Dienst, passt auf Euch auf! Danke, dass Ihr Euren Kopf für unsere Sicherheit hinhaltet.

Liebe Grüße, Karen”