Die positive Geschichte: Von der Verkehrskontrolle zum Patchtausch

15. November 2020 um 20:16

Die positive Geschichte: Von der Verkehrskontrolle zum Patchtausch

“Ich bin heute den ersten Tag nach knapp 4, fast 5 Wochen ohne viel Pausen dazwischen endlich auf dem Heimweg vom Dienst (ich bin Soldat) in ein endlich mal wieder RICHTIGES Wochenende nur für mich, ohne viel Stress, natürlich mit Zwischenstopp bei einem Schnellrestaurant.

Entsprechend gut gelaunt, gepaart mit lauter Musik und der Vorfreude auf das anstehende Wochenende, bin ich über die Bundesstraße hinter einem schwarzen unscheinbaren Mercedes hinterher ‘geschlichen’ (80 erlaubt, 40 sind wir gefahren – meeeensch das neevt, ich möchte doch nur nach Hause). Vermutlich konnte er nicht einmal was dafür, da bin ich mir sicher, deshalb bin ich ruhig hinter ihm her, habe dann den Blinker rechts gesetzt und wollte abfahren – das tat auch der Mercedes, sehr zu meinem Leidwesen.

Nachdem dieser schööööön langsam um die Kurve ist, habe ich die Gelegenheit genutzt, bin ausgebrochen und habe mit hoher Geschwindigkeit überholt (jetzt 100 erlaubt), doch nach dem Einscheren, blieb der Mercedes plötzlich an mir kleben, was mich einerseits gewundert und andererseits ziemlich geärgert hat, was das denn jetzt sollte, setzte meine schnelle Fahrt allerdings unbeirrt fort.

Vor dem nächsten Ort, ich bremste wieder runter auf die erlaubten 50, ein paar Meter weiter dann gab es auf einmal Lichthupe von dem mir folgenden Fahrzeug, was mich nur umso mehr geärgert hatte, was mit dem Fahrer verkehrt ist, doch noch während ich in den Rückspiegel schaue wird mir klar, hier stimmt was nicht.

Ich bin mir nicht ganz sicher, doch vermutlich lag das daran, dass ein roter Schrift plötzlich ‘Polizei’ aufleuchtete und ein komisch blaues Blitzdings mir entgegenschien.

Scheiße, naja…

Rechts rangefahren, beide Fenster runter, meine super laute Musik und den Motor aus, Schlüssel auf die Armaturen gelegt.

Die Polizisten stiegen aus, kamen schnellen Schrittes rasch zum Fahrzeug und strahlten bereits eine entsprechende ‘Stimmung’ aus, die man nunmal hat, wenn einem solch ein Idiot ins Netz geht 😂 🤷

Die Türen wurden bestimmt geöffnet.

‘Grüß Gott, Fahrzeugschein, Führerschein, Ausweis! Jetzt!’

Ich blieb freundlich, musste dabei aber auch ein wenig über meine eigene Dummheit lachen, Karma existiert!

‘Servus, klar gerne. Dumm gelaufen, da hab ich wohl ne Kontrolle gewonnen! Hier, bitte schön.’

‘Wie mans nimmt, das ist allein Ihr Verdienst.’

‘Naja ich weiß schon, tut mir auch echt Leid.’

‘Mhm…’

Während der Beamte meine Papiere kontrolliert, merke ich, dass sein Kollege neben der geöffneten Beifahrertüre steht und total ignoriert wurde, was meiner Meinung nach überhaupt nicht geht!

Mit meiner anhaltend verdammt guten Laune (ich bin schließlich immer noch im Wochenend-Modus) beuge ich mich also rüber, lache dem Polizisten zu und sage freundlich:

‘Servus, wie gehts?’

Der Polizist war offensichtlich etwas perplex, dass ich nach ‘dieser Aktion’ noch so eine gute Laune an den Tag legte, musste aber kurz lachen und erwiderte ebenfalls mit einem netten ‘Servus’ und ging dann bereits seinen Pflichten nach:

‘Haben Sie irgendwelche verbotenen Gegenstände, von denen wir wissen sollten?’

‘Nein, nicht dass ich wüsste.’

‘Darf ich ins Handschuhfach schauen?’

‘Klar! Wollen wir noch an den Kofferraum?’

Während er das Handschuhfach inspiziert sagt er:

‘Ja, bitte’

Ich schwinge meine Beine aus dem Auto, besinne mich dann aber eines Besseren.

‘Darf ich denn überhaupt einfach aussteigen? Ich hatte noch nie eine Kontrolle…’

‘Ja, dürfen Sie, wir weisen Sie schon darauf hin, wenn etwas nicht passt!’

Okay, der Kollege scheint noch etwas schlecht gelaunt und mir skeptisch gegenüber zu sein…

Ich steige also aus, laufe zum Kofferraum, öffne diesen. Dabei vergaß ich, dass in diesem noch ein Haufen Pfandflaschen herumfliegen, sowie meine Uniform – peinlich…

Beim Anblick der Uniform und vermutlich auch zusammen mit meiner freundlichen, zuvorkommenden Art, merke ich, wie auf einmal beide Beamte sich entspannten, selbst der eher steife Kollege, der noch meine Papiere in den Händen hielt.

‘Sie müssen wohl mal wieder Pfand wegbringen?’ (Lacht)

‘Joa, nach 4 Wochen Dienst hat sich ein bisschen was angesammelt, tut mir Leid.’

‘Es ist eher verwunderlich, dass dort nur ausnahmslos Wasserflaschen rumfliegen und nichts anderes.’ (auch der Kollege lacht laut)

Wir kommen also ins Gespräch, über unsere Dienste, vor allem meinen persönlichen Einsatz während der Corona-Zeit.

Wir lachen dabei viel, es ist eine extrem lockere Situation.

Nach einer Weile verabschieden wir uns, gemeinsam mit der Aussage, dass sie bei so einem Fahrstil wie meinem eigentlich ‘schlimmeres’ erwartet hätten (innerorts weiter ‘durchknallen’ zB, aber ich habe ja ordentlich runtergebremst) und dementsprechend die Kontrolle früher ansetzten, normalerweise hätten sie noch entsprechend abgewartet wie ich weiter fahre.

Und sie könnten natürlich auch nachvollziehen, wie sehr ich mich auf Zuhause freue, ich aber bitte solche dummen Aktionen in Zukunft unterlassen sollte! Natürlich entschuldigte ich dies und beteuerte, dass das nicht nochmal vorkommen wird – zumindest nicht mehr heute! Wieder Gelächter.

Während wir dann einstiegen, kam dann aber doch nochmal der Kollege vom Beifahrerfenster und fragte mich, ob ich zufällig ein Patch bei mir hätte.

Ich überlegt kurz, musste aber schweren Herzens verneinen, mein Patch liegt leider Zuhause.

‘Kein Problem, danke trotzdem.’

Doch ich überlegte weiter und meinte dann:

‘Unser Patch ist echt was Besonderes, Echtleder, wo wollt ihr denn hin?’

‘Wir würden jetzt wieder umdrehen.’

‘Ich wohne nur die 2-3 Kilometer weiter im nächsten Ort, alsooo…’

Er schaute hoffnungsvoll seinen Kollegen an, der lacht.

‘Klar, komm, wir fahren mit.’

Gesagt getan, fuhr ich mit der Polizei im Schlepptau zu mir nach Hause auf den Hof. Ich sprang schnell aus dem Auto, sagte ich bin sofort wieder da, lief hoch und schnappte mir das Patch.

Als ich runter kam und dem Beamten das Patch in die Hand drückte, sah er recht glücklich aus und übergab mir im Gegenzug sein eigenes.

Wir bedankten uns, wünschten uns noch ein schönes Wochenende und verabschiedeten uns voneinander, dann fuhren sie vom Hof und waren auf und davon.

 

Ich bin dankbar, dass diese Polizisten ihren Job so gewissenhaft durchführen, gleichzeitig aber auch froh, dass hinter dem harten Gesichtsausdruck und in der Uniform immer noch Menschen mit Herz stecken! Es hätte auch gänzlich anders ausgehen können.

Ich wünsche an dieser Stelle auch allen Uniformträgern, dass sie stets heil nach Hause kommen in dieser unbeständigen Zeit!

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Der Autor ist uns namentlich bekannt, möchte jedoch anonym bleiben.

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