Gerichtsurteil: Weil er die Polizei hasst, wollte er “einen beliebigen Polizisten erstechen”

3. Dezember 2020 um 19:24

Gerichtsurteil: Weil er die Polizei hasst, wollte er "einen beliebigen Polizisten erstechen"Es ist fast ein Jahr her, als ein Unbeteiligter einen Polizisten während einer Personenkontrolle am Hauptbahnhof München (Bayern) von hinten niederstach. Der Vorfall wurde bundesweit bekannt, da die Tatausführung sehr brutal war. Nun erging das Urteil.

Wir wir damals berichteten, ereignete sich der Vorfall gegen 06:30 Uhr, als zwei Polizisten der Polizeiinspektion 16, ein 30-jähriger Polizeiobermeister und ein 40-jähriger Polizeihauptmeister, gerade dabei waren eine Person zu kontrollieren, als ein 23-jähriger Münchner, der mit der Personenkontrolle nichts zu tun hatte, einen der Polizisten von hinten angriff.

Das Messer wurde dem 30-jährigen Beamten im Halsbereich in den Körper getrieben, die Klinge brach dann vor dem Schaft ab und musste in einer komplizierten Operation entfernt werden. Während der Verhandlung beschrieb der Polizeiobermeister seine Wahrnehmung so, dass er einen “dumpfen Schlag” und ein “lautes Klirren” wahrgenommen habe und wie er dann unter Schmerzen zusammen brach.

Zeugen sagten aus, dass der 24-jährige Täter den viel größeren Polizisten von hinten angesprungen hatte und ihm ein Küchenmesser mit 9,5 cm Klingenlänge mit ungeheurer Wucht in den Nacken getrieben hatte.

Ein Sachverständiger hielt den Täter für zum Tatzeitpunkt schuldunfähig. Der Verteidiger erklärte zum Gesundheitszustand seines Mandanten, dass dieser unter paranoider Schizophrenie leider und unter einem “leichten hirnorganischen Defekt” als Folge eines Unfalles vor drei Jahren.

Der Täter soll laut Gerichtsprotokoll gegen 04:30 Uhr seine Sozialwohnung verlassen und den Hauptbahnhof aufgesucht haben, “da er davon ausging, dort auf Polizeibeamte zu treffen”, so die Anklagevertretung. Der 24-Jährige sprach davon Stimmen in seinem Kopf gehört zu haben, die ihn so fertig machten, dass er sterben wollte.

Die Staatsanwaltschaft ging in ihrem Plädoyer davon aus, dass der 24-Jährige die Polizei hasst und deswegen “einen beliebigen Polizeibeamten erstechen” wollte, um anschließend von einem Polizisten erschossen zu werden (suicide by cop).

 

Das Urteil

Das Landgericht München I verurteilte den 24-Jährige nicht, da es ihn für schuldunfähig hielt. Es wurde die zeitlich unbeschränkte Unterbringung in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik angeordnet. Die Verteidigung geht davon aus, dass man keine Rechtsmittel einlegen werden, womit das Urteil rechtskräftig würde.

Der damals schwer verletzte Polizist leidet bis heute unter der Attacke und ist noch immer dienstunfähig.

 

Wir wünschen dem Kollegen auch weiterhin eine möglichst vollständige Genesung und dass er physisch wie psychisch bald wieder ein ganz normales Leben führen kann!