Unser Jahresrückblick: Das war 2020 – unsere Wünsche für 2021

31. Dezember 2020 um 19:36

Unser Jahresrückblick: Das war 2020 – unsere Wünsche für 2021Ein ereignisreiches Jahr liegt hinter uns. 2020 hielt für uns alle so manche Überraschung parat. Bei manchen lief das Jahr ganz gut, bei anderen – vermutlich den meisten – weniger.

 

Fangen wir mit den weniger schönen Dingen an.

Wir mussten im Laufe des vergangenen Jahres viele schlimme Nachrichten schreiben. Ob Unfälle, Angriffe auf Kollegen, fehlende Wertschätzung (extern wie intern), fragwürdige Gerichtsurteile, Fehler aus verantwortlichen Reihen, verletzte und sogar getötete Kollegen.

Wir möchten ausdrücklich auf unserer Seite die gesamte Bandbreite der polizeilichen Arbeit, aber auch den Einblick in unser Denken und Fühlen darstellen. Uns persönlich, den Admins im Team, fällt es allerdings immer schwer, negative oder schlechte Nachrichten zu veröffentlichen.

Sie kosten Kraft, verursachen oft Unverständnis, auch wenn uns derlei aus dem täglichen Dienst selbst bekannt ist. Aber sie gehören dazu und zeichnen leider allzu oft ein negatives Bild vom Polizeiberuf, wogegen wir regelmäßig unsere Sicht der Dinge versuchen darzustellen und so um Verständnis zu werben.

Auch erhielten wir viele persönliche Zuschriften unserer Leser. Menschen, die Probleme hatten, die Hilfe oder einfach nur Verständnis suchten. In diesem Jahr bekamen wir aber auch überdurchschnittlich viel Kritik an der Polizei allgemein, was vermutlich an den Ereignissen des Jahres und daran lag, die Wege im Internet kurz und die Kontaktaufnahme leicht ist. Wir haben so gut es ging geholfen und zwar auf sämtlichen Seiten, namentlich auf Facebook, Twitter, Instagram, Youtube und per Email.

Falls wir mal jemanden vergessen haben sollten, was durchaus vorkommen kann: bitte nicht böse sein. Wir betreuen unsere Seiten in unserer knappen Freizeit und wir hoffen, dahingehend auf Verständnis, wenn uns auch mal ein Fehler unterläuft oder wir mal jemanden vergessen haben.

Allerdings wissen wir auch, dass bei einigen unserer Leser das Jahr 2020 ein schreckliches Jahr war, mit dienstlichen und/oder privaten Problemfeldern, Schicksalsschlägen, Krankheiten oder anderen Steinen, die ihnen in den Weg gelegt wurden. Manch einer hat sich uns ganz persönlich anvertraut, worüber wir nicht berichten durften. Wir danken für das uns entgegen gebrachte Vertrauen.

 

Das Jahr 2020 wird wohl für immer mit der Coronapandemie verbunden bleiben. Es war das beherrschende Thema und stellte die Polizeien von Bund und Ländern und jeden einzelnen Polizisten vor eine neue Herausforderung. Wurden anfangs die politisch beschlossenen Maßnahmen noch für notwendig und sinnvoll erachtet, wich diese Zustimmung mit der Zeit zusehends.

Noch während Behörden und Gesundheitssystem mit den Folgen des Virus kämpften, starb in den USA ein Schwarzamerikaner während einer polizeilichen Maßnahme. Der Tod George Floyds sorgte zunächst für Massenproteste in den USA, später dann befeuert durch die Black Lives Matter-Bewegung weltweit. Wir Polizisten in Mitteleuropa wurden plötzlich, und ohne Beleg, in den amerikanischen Sog gezogen, über einen Kamm geschert und für rassistisch per se angesehen. Mehrere Vorfälle im Verlauf des Jahres zeigten, dass man sich bewusst auf den schrecklichen Vorfall in den USA bezog, um Polizisten in einer ganz normalen Personenkontrolle als rassistisch darzustellen, obwohl dem überhaupt nicht so war.

Um eins klar zu machen: Rassisten und Extremisten haben in den Reihen der Polizei nichts, aber auch gar nichts verloren! Extreme Überzeugungen und Ausländerfeindlichkeit sind mit dem Grundgesetz und der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, die wir zu leben und zu verteidigen haben, nicht vereinbar. Aber verglichen mit den 320.000 Polizisten in Deutschland sind die paar aufgedeckten Fälle von rechtsextremen Chats im Promillebereich und können kein strukturelles Problem innerhalb der Polizeien belegen. Das wird vermutlich auch die Polizei-Studie belegen, die in diesem Jahr beschlossen wurde.

Später folgten dann die Querdenker-Demos, die nicht nur für Unverständnis sorgten, da die Maßnahmen in Deutschland weniger drastisch waren als in so manchen anderen Ländern. Das Grundgesetz wurde wie ein Gebetbuch hoch gehalten, Polizisten wurden beschworen Befehle zu hinterfragen, sie wurden an ihren Eid erinnert und später dann als „Prügeltruppe der Merkel-Diktatur“ beschimpft. Vergleiche mit der SS des Dritten Reiches waren auch nicht selten. Und warum? Weil wir Polizisten als Exekutive die beschlossenen Maßnahmen durchsetzen mussten. Ob es uns passte oder nicht, ob wir sie vollumfänglich unterstützten oder nicht. Es ist unser Job und solange die Anordnungen nicht ganz offensichtlich gegen Gesetze verstoßen, gibt es keinen Grund zu Remonstrieren.

Die Wut, die uns da teilweise entgegenschlug, in Beschimpfungen, tätlichen Angriffen und durch Bespucken, die aggressive Stimmung und die Halbwahrheiten, denen das polizeiliche Gegenüber Glauben schenkte, waren bezeichnend und gipfelten im Herbst in dem Versuch, den Reichstag in Berlin zu stürmen. Drei mutigen und unnachgiebigen Polizisten gelang es, die Meute abzudrängen und die Stürmung des Parlaments zu verhindern.

Dann kam der Einsatz im Dannenröder Forst, mit all seinen negativen Schlagzeilen. Die Kollegen wurden tätlich angegriffen, geschlagen, getreten, mit Steinen und mit Fäkalien beworfen. Fallen wurden gestellt und der Einsatz hielt mehrere Wochen lang kurz vor Weihnachten nicht nur die Polizei in Hessen in Atem, sondern sämtliche Einsatzkräfte bundesweit, die zum Einsatz nach Hessen entsandt wurden. Auch hier kochten die digitalen Emotionen hoch und die Polizei war mal wieder das Feindbild. Die Bilder, die man zu sehen bekam, ähnelten sehr denen, die wir zwei Jahre zuvor aus dem Hambacher Forst zu sehen bekamen.

Und neben all diesen schwierigen Einsätzen gilt es zu berücksichtigen, dass auch immer die Infektionsgefahr durch Corona über jedem einzelnen Kollegen schwebte und so manches polizeiliches Gegenüber die Gesundheit von uns Polizisten bewusst durch sein Handeln in Gefahr brachte.

 

Mehrere Kollegen mussten wir auf ihrem letzten Dienstweg begleiten. So starb im Januar der Fernseh- und Hamburger Ehrenpolizist Jan Fedder, im Februar beging ein niedersächsischer Kollege Suizid auf der Dienststelle. Ebenfalls im März verunglückte ein bayerischer Kollege auf dem Heimweg vom Dienst tödlich und ein Zielfahnder des Landeskriminalamtes Hamburg starb im Krankenhaus, als er während der Vollstreckung eines Haftbefehls in einen Unfall verwickelt wurde, bei dem er lebensgefährlich verletzt wurde.

In Österreich kam ein Alpinpolizist bei einem Lawinenabgang ums Leben. Im April wurde ein Beamter des Spezialeinsatzkommandos während einer Durchsuchungsmaßnahme erschossen. Zum Jahresende starben gleich drei Polizisten, weil sie von Autofahrern umgefahren worden waren. Im November war es ein Polizist aus der Steiermark und im Dezember waren es zwei bayerische Polizisten.

Hinzu kamen mehrere Kollegen, die an den Folgen des Coronavirus starben.

Den zahlreichen verletzten Kollegen, die im nun ablaufenden Jahr im Einsatz teils so schwer verletzt wurden, dass sie auch ins neue Jahr hinein dienstunfähig sein werden, wünschen wir eine möglichst schnelle und vollständige Genesung!

Für die Kollegen, die wir in diesem Jahr verloren haben, erheben wir die Hand zum Salut. Wir denken an euch, wir fühlen mit den Angehörigen und stehen an der Seite der Kollegen. Ihr seid mit eurer Trauer nicht alleine.

 

Demgegenüber gab es aber auch viele schöne Momente.

So lernten wir im Laufe des Jahres einige Polizisten kennen. Ihre Geschichten könnt ihr in unseren Rubriken Mit den Kollegen auf Streife noch einmal nachlesen. Auch haben uns viele Kollegen, aber auch Angehörige von Polizisten, in persönlichen Zuschriften ihre Gedanken- und Gefühlswelt offenbart, die wir in Form von Leserbriefen veröffentlicht haben – unter anderem auch in unserer Rubrik Die positive Geschichte. Vielen Dank dafür!

Über so einige Kuriositäten und lustigen Momente haben wir zusammen gelacht. Manche unserer Leser haben wir auch ins Herz geschlossen und würden es missen, keinen regelmäßigen Kontakt zu haben. Und sogar einige Freundschaften hat uns der Kontakt über die Seite beschert, bei manchen “nur” virtuell, bei anderen auch persönlich. Dafür sind wir sehr dankbar!

 

Auch im Jahr 2020 blieb Polizist=Mensch die größte inoffizielle Polizeiseite für den gesamten deutschsprachigen Raum und wir danken allen, die dazu beigetragen haben, durch Zuschriften, Bildgrüße, Kommentare oder durch ihren Like. Ohne euch wären wir nicht das, was wir heute sind…

Gleich mehrere Schallmauern konnten wir in diesem Jahr durchbrechen. So knackten wir auf Facebook die Marke von 100.000 Followern, auf Twitter überschritten wir die 10.000er Marke und auf Instagram können wir seit kurzem mehr als 70.000 Follower begrüßen.

Mehrfach wurde Polizist=Mensch im vergangenen Jahr in den Medien zitiert. Unter anderem stieß der offene Brief von Kollege Lothar Riemer an die SPD-Vorsitzende Saskia Esken auf Interesse, die erst gegenüber der Presse von einem „latenten Rassismus bei der Polizei“ schwadronierte, dann aber wieder relativieren musste.

 

Auch wenn wir gerne die gesamte Bandbreite des polizeilichen Alltags darstellen möchte, hat sich im Laufe des Jahres doch etwas bei uns geändert. Dem ein oder anderen wird es vielleicht aufgefallen sein. Wir sind zunehmend dazu übergegangen, mehr positive, witzige oder schöne Momente des Polizeiberufs darzustellen.

Da es in Teilen der Medien und der Internetuser ein immenses Anliegen zu sein scheint, die Polizei in ein möglichst schlechtes Licht zu rücken, das Vertrauen der Gesamtbevölkerung von zuletzt 82 Prozent in die Polizei zu untergraben, und das nur um Klicks zu generieren, Aufmerksamkeit zu bekommen oder aus ideologischen Gründen, und hierbei oft auch ungeprüfte oder totale Falschmeldungen dabei sind, sind wir mehr und mehr dazu übergegangen, das Positive herauszustellen.

Denn nicht das Negative, sondern das Positive macht aus unserer Welt einen schöneren Ort, macht aus dem Polizeiberuf einen vielfältigen, aufregenden und erstrebenswerten Beruf. Zwar werden wir auch weiterhin kritische Beiträge schreiben und auch über schlechte Dinge berichten. Doch das Positive soll bei uns nun hervor gehoben werden. Für alles andere haben wir die üblichen Verdächtigen.
Daher unsere Bitte an die Pressestellen der Polizeien: Berichtet auch weiterhin über schöne, witzige und besondere Dinge, die den Polizeiberuf darstellen wie er ist, und nicht, wie ihn sich manche wünschen, nur weil er dann die eigene engstirnige Weltsicht bestätigt.

 

Ein besonderer Dank geht an unsere regelmäßigen Leser und Kommentatoren, Bildeinsender und Geschichtenerzähler. Auch möchten wir allen danken, die uns im Laufe des Jahres durch ihre positiven Zuschriften gezeigt haben, dass wir mit Polizist=Mensch etwas Besonderes auf die Beine gestellt haben, was gefällt und uns bestätigt, dass wir unser Ziel erreichen: Austausch zwischen Polizisten und Bürgern auf Augenhöhe und die Polizei menschlicher zeigen.

 

Was wir uns wünschen

Wir wünschen uns zum Jahresabschluss, dass ihr, unsere Leser, uns erhalten bleibt und vielleicht der oder andere noch zu uns findet und sich bei uns wohl fühlt. Die vielen positiven Zuschriften, die wir erhalten, zeigen uns, dass wir hier das Richtige tun und bestärkt uns darin, weiterhin den Menschen in der Uniform zu zeigen.

Wir wünschen uns, dass alle Kollegen/innen stets gesund ihren Dienst beenden können, dass weniger Gewalt und dafür mehr Respekt herrscht; nicht nur uns Uniformierten gegenüber, sondern gegenüber jedem Mitmenschen.

Wir wünschen uns nicht nur von Teilen der Gesellschaft mehr Anerkennung, sondern insbesondere auch von der politischen, juristischen und der Führungsebene. Wir alle sind Menschen und wir haben mit Menschen zu tun. Wir sind nicht einfach nur eine Personalnummer und wir haben es nicht einfach nur mit Fällen zu tun. Hinter jeder Nummer steckt ein Mensch, hinter jedem Fall ein Schicksal.

Denkt bitte daran, dann wäre uns Polizisten und auch so einigen Bürgern schon viel geholfen!

 

Apropos Führungsebene: Wertschätzung erbitten wir uns nicht nur vom polizeilichen Gegenüber, auch intern sollte diese Wertschätzung für unseren Dienst vorhanden sein, was leider nicht immer der Fall ist. Vorauseilender Gehorsam ist kein guter Ratgeber und auch wenn die Zeiten stürmig sind, wie im ablaufenden Jahr, ist es wichtig die Stellung zu halten. Denn wer sonst kann uns Polizisten auf der Straße den Rücken freihalten, wenn es hart auf hart kommt hinter uns stehen und vor uns stehen, wenn wir Gegenwind erhalten…?!

Entmenschlichung findet nicht nur „auf der anderen Seite“ statt, wenn wir Polizisten als „Schweine“ oder „Bullenfotze“ bezeichnet werden oder in einer großen Tageszeitung mit Müll gleichgesetzt werden. Sie findet manchmal auch intern statt und das darf nicht sein! Wir Polizisten sind keine Einsatzmittel wie das Pfefferspray oder die Handschellen, wir sind Menschen mit Emotionen, mit Familien, Sorgen und Ängsten. Das sollte auch in der Führungsebene, egal welcher Polizei, ankommen und zu einem entsprechenden Umgang führen.

Abschließend, wenn es sich einrichten lässt, wünschen wir uns mehr Personal und eine durchdachtere und optimierte Ausstattung, ausgerichtet an den Belangen derjenigen, die damit arbeiten müssen. Bodycams und Taser sind hier zu nennen, die nicht überall zur Standardausstattung gehören, doch unsere Einsatzmittelauswahl sinnvoll ergänzen würden.

 

In diesem Sinne wünschen wir für hier und jetzt allen einen guten Ausklang des Jahres 2020, rutscht gut hinein ins neue Jahr und den in dieser Nacht aktiven Einsatzkräften wünschen wir, wo auch immer ihr eingesetzt seid, einen möglichst ruhigen Dienst, damit auch für euch noch etwas Zeit bleibt, gemeinsam anzustoßen.

Wir wünschen uns und Euch allen ein besseres 2021, als es das Jahr 2020 war. Bleibt gesund, haltet zusammen und dennoch Abstand, befolgt die Regeln die nun einmal leider notwendig sind, im Interesse aller.

Rutscht gut rein, wir lesen uns nächstes Jahr…

Herzlichst
Euer Polizist=Mensch Team