Zwei Jahre später: Polizist soll wegen Totschlags angeklagt werden

4. Dezember 2020 um 20:10

Zwei Jahre später: Polizist soll wegen Totschlags angeklagt werdenDer Vorfall liegt schon zwei Jahre zurück und eigentlich war die Sache längst abgeschlossen. Nun aber wurde bekannt, dass ein Polizist doch wegen Totschlags angeklagt werden soll. Die lange Zeitspanne lässt Fragen offen.

Es war im Dezember 2018, als eine Streife der Polizei Bochum (Nordrhein-Westfalen) zum wiederholten Male zum Stadtteil Altenbochum gerufen wurde. Ein Mann sollte dort randalieren.

Die Polizisten konnten den 74-Jährigen auf der Straße antreffen. Während der polizeilichen Maßnahme soll der Mann an seinen Hosenbund gegriffen und eine Pistole hervor geholt haben. Damit zielte er dann auf die Beamten.

Der Polizeihauptkommissar soll das Feuer eröffnet und dreimal auf den 74-Jährigen geschossen haben. Der Mann starb daraufhin. Wie sich herausstellte, handelte sich nicht um eine scharfe Pistole, sondern um ein als Pistole getarntes Feuerzeug.

Das Polizeipräsidium Essen hatte aus neutralitätsgründen die Ermittlungen übernommen und später mit der Staatsanwaltschaft Bochum die Einstellung des Verfahren verkündet. Man ging von einer Notwehrsituation für den Schützen aus.

Die Hinterbliebenen wollten das so nicht hinnehmen und ließen ihren Anwalt ein Klageerzwingungsverfahren anstreben. Mit Erfolg. Der Polizist soll nun, zwei Jahre später, doch wegen Totschlags angeklagt werden. Das bestätigte nun das Oberlandesgericht Hamm.

Laut Autopsiebericht soll nur der letzte Treffer tödlich gewesen sein und laut Anwalt der Familie soll dieser nicht notwendig gewesen sein. Zudem sei der Senior psychisch krank gewesen, was angeblich der Polizei bekannt gewesen sein soll. Dies soll laut Anwalt nun für eine Verurteilung des Polizisten genügen.

Der Polizeihauptkommissar wurde nach Bekanntwerden der angestrebten Anklage vom Dienst suspendiert.

 

Wir möchten das Strafverfahren und das Zustandekommen gar nicht kommentieren. Auch, dass die Familie jemandem die Schuld geben möchte, soll hier nicht das Thema sein. In einem Rechtsstaat muss so etwas möglich sein. Allerdings stellt sich schon die Frage, warum das zwei Jahre dauern musste.

Und hat sich mal irgendwer die Frage gestellt, was das mit dem Kollegen anstellt? Wegen ihm ist ein Mensch gestorben, was schon wer genug zu ertragen ist. Dann hatte der Mann nicht einmal eine scharfe Waffe. Wäre zu erkennen gewesen, dass es sich um ein Feuerzeug handelte, wäre es doch nie zum Schusswaffengebrauch gekommen.

Und nun, zwei Jahre später, wird er suspendiert und muss sich einem Strafverfahren mit offenem Ausgang stellen – obwohl zuvor von einer Notwehrsituation ausgegangen wurde. Disziplinarverfahren inklusive. Das stellt etwas mit dir an.

Wir können nur hoffen, dass das Verfahren schnell eröffnet und – wie auch immer – beendet werden kann und sich die Sache nicht noch ein paar weitere Jahre hinzieht!